Warum Cash und Staatsanleihen kein Selbstläufer mehr sind

Gibt es alternativen zu Bargeld? (Bild: Adobe Stock)
Gibt es alternativen zu Bargeld? (Bild: Adobe Stock)

Zinsschwankungen, Inflationsdruck und geopolitische Risiken haben die Spielregeln im festverzinslichen Bereich verändert. Anleger stehen vor der Frage, wie sich Liquidität produktiv einsetzen lässt, ohne klassische Zins- oder Kreditrisiken einzukaufen. Hochwertige Covered Bonds und ein durationsneutraler Ansatz rücken dabei in den Vordergrund, schreibt Nordea Asset Management in einer Analyse.

05.05.2026, 08:20 Uhr
Alternatives | Anlagestrategie | Neue Produkte

Redaktion: asc

Die Zeiten unbeschwerter Anlagen in Termineinlagen und erstklassige Anleihen sind vorbei. Volatile Staatsanleihen, sinkende Realrenditen auf Barreserven und politische Unsicherheit verändern die Konstruktion festverzinslicher Portfolios grundlegend. Die zentrale Frage für institutionelle Anleger lautet: Wie lassen sich Cash-Bestände produktiv investieren, ohne in die klassische Falle aus Zins- und Kreditrisiken zu geraten? Das fragten sich die Analysten von Nordea Asset Management.

Sichere Häfen sind nicht mehr immun

Sie kommen zum Schluss: Die einst als sichere Häfen geltenden Assetklassen wanken. Die jüngsten Jahre haben langjährige Gewissheiten infrage gestellt. Geopolitische Spannungen, fiskalischer Druck, unerwartete Zinsschwankungen und politische Unsicherheit haben den Anleihenmarkt in ein deutlich komplexeres Umfeld verwandelt. Selbst Portfolios aus erstklassigen Staatsanleihen bleiben Zinsrisiken ausgesetzt – wie 2022 schmerzhaft sichtbar wurde, als kräftige Zinserhöhungen zu erheblichen Verlusten in traditionellen Bond-Portfolios führten.

Gleichzeitig parken in Europa weiterhin grosse Kapitalbeträge in Bargeld und Festgeldeinlagen. Was beruhigend wirkt, geht zunehmend mit Opportunitätskosten einher: Auch wenn sich die Inflation in der Nähe der Zielmarken der Notenbanken stabilisiert hat, schmälert sie die Kaufkraft weiter. Sollte sich der Preisdruck angesichts neuer geopolitischer Spannungen erneut verschärfen, würde sich dieses Risiko zusätzlich verstärken.

Anleger stehen damit vor einem Dilemma: Traditionelle Staatsanleihen bieten keine uneingeschränkte Stabilität mehr, während das Halten von Barreserven kostet. Gefragt sind Alternativen, die Vorhersehbarkeit und Renditepotenzial verbinden – ohne Abstriche bei der Qualität.

Covered Bonds rücken in den Fokus

Hochwertige Segmente wie gedeckte Anleihen geraten in diesem Umfeld stärker in den Blick. Der Markt für Covered Bonds verzeichnet seit über 200 Jahren keinen einzigen Zahlungsausfall – und bietet bei vergleichbarer Kreditqualität oft attraktivere Renditen als reine Staatsanleihen. Der Gang in höher rentierende Segmente wie Hochzinsanleihen ist demgegenüber mit deutlich höheren Kredit- und Spread-Risiken verbunden.

Das richtige Segment ist laut Nordea AM allerdings nur die halbe Miete. Die Zinsmärkte sind strukturell weniger vorhersehbar geworden, Phasen steigender Zinsen können abrupt in seitwärts laufende oder fallende Regime kippen. Eine starre Durationsallokation ist damit selbst zum Risiko geworden. Eine marktneutrale Positionierung mit kurzer Duration soll Portfolios in die Lage versetzen, sich wechselnden Regimen anzupassen und Alpha-Quellen gezielt zu nutzen.

Hinzu kommt der Diversifikationsaspekt: Tiefe Korrelationen zu klassischen Staats- und Unternehmensanleihenindizes verstärken die stabilisierende Wirkung eines solchen Ansatzes neben Aktien, langlaufenden Anleihen oder kreditintensiven Allokationen.

Vom passiven Parkplatz zum strategischen Baustein

In einem Marktumfeld, in dem das Konzept «sicher» neu vermessen wird, lässt sich deshalb laut den Experten von Nordea AM Liquidität nicht mehr als passiver Parkplatz ohne Konsequenzen betrachten. Statt Cash unverzinst zu halten, kann es sinnvoll sein, Barbestände gezielt in kurzlaufende, hochqualitative Anleihen zu überführen und so produktiv zu machen.

Eine weitgehend durationsneutrale Positionierung innerhalb der sichersten Segmente des Obligationenmarkts begrenzt das Zinsänderungsrisiko, während Covered Bonds und erstklassige Staatsanleihen zugleich Liquidität und Stabilität sicherstellen. Damit entsteht eine Alternative zur klassischen Cash-Position, die auch unter wechselnden Zinsregimen tragfähig bleiben kann – und Kapital nicht nur erhält, sondern kontinuierlich Erträge generiert.

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