01.07.2026, 09:34 Uhr
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Nach einer Phase ausgeprägter Schwäche zu Jahresbeginn hat sich der US-Dollar seit Mitte Juni 2026 deutlich erholt. Auslöser ist ein geldpolitischer Kurswechsel verstärkt durch die Energiepreis-Folgen des Iran-Konflikts. Für den Franken und Schweizer Anleger ergeben sich daraus unterschiedliche, teils gegenläufige Effekte.
Was ist los mit dem Greenback? Der US-Dollar-Index (DXY), der den Dollar gegenüber einem Währungskorb aus Euro, Yen, Pfund, kanadischem Dollar, schwedischer Krone und Franken misst, notierte Ende Juni bei rund 101,5 Punkten und hat sich in den vergangenen zwölf Monaten um 4,48 Prozent verteuert. Zwischenzeitlich erreichte der Index mit rund 101,7 Punkten den höchsten Stand seit März 2025. Gegenüber dem Franken zog der Dollar noch deutlicher an: In der Woche bis Ende Juni schwankte USD/CHF zwischen einem Tief von 0,8066 und einem Hoch von 0,81355 am 24. Juni – dem höchsten Stand seit dem Rekordtief von 0,7631 am 28. Januar 2026. Das entspricht einer Aufwertung des Dollars von rund sechs Prozent seit dem Jahrestief.
Der eigentliche Auslöser der Bewegung ist ein Führungswechsel an der US-Notenbank. Kevin Warsh, von Präsident Trump nach dem Ende der Amtszeit von Jerome Powell im Mai berufen, leitete am 17. Juni 2026 seine erste Fed-Sitzung. Die Fed liess den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent unverändert, signalisierte aber mögliche Zinserhöhungen – eine fundamentale Abkehr vom bisherigen Marktkonsens, der für 2026 noch mit Zinssenkungen gerechnet hatte. Das «Dot Plot» der Fed strich die zuletzt verbliebene Prognose für eine Zinssenkung 2026 vollständig, worauf Futures-Händler die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis Jahresende auf rund 66 Prozent bezifferten. Bis zum 24. Juni war diese Wahrscheinlichkeit an manchen Handelsplätzen bereits auf bis zu 85 Prozent gestiegen.
Warsh begründet den härteren Kurs mit der Inflationsentwicklung: Die Fed korrigierte ihre Prognose für die Kern-PCE-Inflation 2026 auf 3,3 Prozent, die Gesamt-PCE-Inflation auf 3,6 Prozent – deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel. Gleichzeitig brach er mit der Kommunikationspraxis seines Vorgängers und verzichtete bewusst auf «Forward Guidance», was die Unsicherheit an den Märkten zusätzlich erhöht.
Die zweite Komponente bleibt der Nahost-Konflikt. Der Energiepreisschock infolge des Iran-Kriegs trieb die US-Gesamtinflation im Mai 2026 auf 4,2 Prozent – den höchsten Stand seit April 2023 –, wobei die Energiepreise im Jahresvergleich um mehr als 23 Prozent anzogen. Zwar liessen Fortschritte bei einem Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise inzwischen wieder in Richtung Vorkriegsniveau sinken, doch der geldpolitische Kurswechsel der Fed hat sich davon bereits gelöst und wirkt nun als eigenständiger Dollar-Treiber.
Zum Vergleich: Die EZB erhöhte ihren Einlagensatz am 11. Juni 2026 auf 2,25 Prozent – die erste Anhebung seit 2023 –, nachdem die Eurozonen-Inflation auf 3,2 Prozent gestiegen war. Dennoch gab der Euro gegenüber dem Dollar nach, weil der Zinsvorteil der Fed überwog.
Die SNB liess ihren Leitzins am 19. Juni 2026 zum wiederholten Mal unverändert bei 0,0 Prozent, da die Inflation weiterhin klar im Zielband von 0 bis 2 Prozent verankert ist. Anders als die EZB sieht die Nationalbank derzeit keinen Handlungsbedarf, da der starke Franken und der geringe Energieanteil an den Konsumausgaben die Teuerung tief halten. Bemerkenswert ist die Aussage von SNB-Präsident Martin Schlegel: Der Franken habe mit der Ausweitung der Zinsdifferenzen etwas an Wert verloren, weshalb aktuell kein akuter Interventionsbedarf bestehe – anders als unmittelbar nach Kriegsbeginn. Die SNB signalisiert dennoch weiterhin erhöhte Bereitschaft, bei einer raschen und übermässigen Franken-Aufwertung am Devisenmarkt einzugreifen, sollte sich die geopolitische Lage wieder verschärfen.
Währungsgewinne auf US-Titel. Wer US-Aktien, Staatsanleihen oder Geldmarktpapiere unhedged hält, profitiert aktuell doppelt: von der Kursentwicklung selbst und vom positiven Währungseffekt beim Rücktausch in Franken. Bei einer Umkehr – etwa durch eine Entspannung im Nahen Osten oder eine überraschend dovishe Wende der Fed – könnten diese Gewinne rasch wieder schmelzen, weshalb ein teilweises Hedging für institutionelle Portfolios (Pensionskassen, Vermögensverwalter) derzeit diskutiert wird.
Entlastung für Exportbranchen. Ein gegenüber dem Dollar etwas schwächerer Franken kommt exportorientierten Sektoren wie Pharma, Industrie und Luxusgütern entgegen – ein Effekt, den die SNB ausdrücklich begrüsst, da er ihre eigene Deflationsbekämpfung erleichtert.
Vorsicht bei «trügerischer» Dollar-Stärke. Mehrere Häuser weisen darauf hin, dass die Aufwertung primär geldpolitisch und energiepreisgetrieben ist, nicht Ausdruck eines strukturellen Vertrauensgewinns der USA. Die vorherigen Konsensprognosen von Goldman Sachs, JPMorgan und MUFG, die noch einen DXY im niedrigen 90er-Bereich erwartet hatten, beruhten auf der Annahme von Fed-Zinssenkungen – eine Annahme, die sich mit dem Kurswechsel unter Warsh nicht mehr hält. Für Schweizer Anleger heisst das: Die Dollar-Stärke ist an die Person Warsh und die weitere Inflationsentwicklung gekoppelt, nicht an einen gefestigten Trend – eine Zinssenkung oder ein politischer Rückschlag könnte die Bewegung rasch umkehren.
Rohstoffe und Gold unter Druck. Klassische Dollar-Hedge-Anlagen wie Gold und Silber leiden unter der Aufwertung, was für stark rohstofflastige Portfolios (auch indirekt über Minenaktien) relevant ist.