Pensionskassen können ab 2022 einfacher in Venture-Kapital investieren

Der Innovationsstandort Schweiz soll von den gelockerten Bestimmungen profitieren. (Bild: Shutterstock.com/xtoch)
Der Innovationsstandort Schweiz soll von den gelockerten Bestimmungen profitieren. (Bild: Shutterstock.com/xtoch)

Ab Januar können Pensionskassen in einer separaten Anlagekategorie bis zu 5% des Vermögens in innovative nicht-kotierte Schweizer Jungunternehmen investieren. Der Technologie- und Innovationsstandort Schweiz soll damit ausreichend Risikokapital erhalten, um Chancen wahrnehmen und Arbeitsplätze schaffen zu können, so das Ziel.

18.11.2021, 16:27 Uhr

Autor: Hanspeter Frey

Bisher mussten die Pensionskassen Venture-Kapital-Anlagen in der Kategorie "Alternative Anlagen" führen, und diese sind auf 15% des Vermögens beschränkt. Ab dem 1. Januar 2022 bilden nichtkotierte schweizerische Anlagen eine separate Kategorie mit maximal 5% des Anlagekapitals.

Die Landesregierung erfüllt damit ein zentrales Anliegen zur Förderung von Innovation und Arbeitsplätzen, freut sich die Stiftung pro Zukunftsfonds Schweiz. Sie hat eine Änderung der Vermögensklassifizierung respektive mehr Mittel aus Vorsorgegelder für Venture-Kapital-Investitionen schon länger gefordert.

Schritt halten im globalen Wettbewerb

Der Bundesrat anerkenne mit diesem Schritt die volkswirtschaftliche Bedeutung von Venture-Kapital (VC), die im globalen Innovationswettbewerb erheblich zugenommen hat, so die Stiftung weiter.

Und tatsächlich: Nur schon ein Bruchteil von einem Prozent des Gesamtvolumens von rund CHF 1000 Mrd. auf den Konten der Schweizer Pensionskassen würde eine hohe Summe ergeben und wäre ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des zukünftigen Potenzials der Schweizer Wirtschaft.

Der bundesrätliche Entscheid stösst auf breite Zustimmung, denn er erfüllt auch ein zentrales Anliegen des Parlaments. Dieses hatte eine vom damaligen Ständerat Konrad Graber (CVP/LU) eingereichte Motion ohne Gegenstimme der Regierung überwiesen.

Zwei Fliegen auf einen Schlag

Davon abgesehen, dass der Beschluss einer besseren finanziellen Versorgung innovativer, zukunftsträchtiger Jungunternehmen dient, bietet er Pensionskassen respektive ihren Versicherten langfristig die Chance einer erhöhten Rendite.

Voraussetzung dafür seien eine umsichtige Verteilung über eine kritische Masse hinaus und ein professionelles Risikomanagement über einen Fonds, gibt die Stiftung Pro Zukunftsfonds Schweiz zu bedenken: "Für die einzelne Pensionskasse durchschnittlicher Grösse sind die Risiken für Direktinvestitionen in Jungunternehmen zu hoch."

Die Stiftung selbst setzt sich seit fünf Jahren dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Jungunternehmen an der Spitze der technologischen Entwicklung in der Wachstumsphase verbessert werden. Dazu zählt sie beispielsweise eine angemessene Bilanzierung der Investitionen in Venture-Kapital und steuerrechtliche Anpassungen für Jungunternehmen in der Wachstumsphase.

Stiftung pro Zukunftsfonds Schweiz kann aufatmen

Darüber hinaus setzt sich die Stiftung pro Zukunftsfonds Schweiz für die Ausbildung von Jungunternehmern ein und unterstützt Projekte von Venture Fonds in allen Bereichen, in denen die Hochschulen der Schweiz forschen und Patente abschliessen.

Dem Stiftungsrat gehören bekannte Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft an. Präsidiert wird er von Domenico Scala (VRP Basilea Pharmaceutica). Weitere Mitglieder sind u.a. Max Gurtner (ehem. Leiter Kommunikation GDI Rüschlikon, Roche, Zurich Group, SRG), Prof. Peter Gomez (ehem. Rektor HSG St. Gallen), Martin Haefner (VRP Amag), Henri B. Meier (ex-Finanzchef Hoffmann La Roche), Karl Reichmuth (Reichmuth Bank), Alfred Roelli (Banque Pictet) und Prof. Andrea Schenker-Wicki (Rektorin Universität Basel).

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