29.05.2026, 09:57 Uhr
Die BVG-Abschlüsse 2025 zeigen es in Zahlen: Wer auf die Vollversicherung setzt, erhielt rund 2,5 Prozent Verzinsung – wer teilautonom unterwegs war, das Doppelte bis Dreifache. Für Schweizer KMU verschärft sich...
Die Schweizer Pensionskassen haben die Altersguthaben ihrer aktiven Versicherten 2025 zum dritten Mal in Folge höher verzinst als im Vorjahr. Das zeigt die 26. Ausgabe der Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto. Hinter dem Rekordwert verbirgt sich allerdings eine wachsende Ungleichheit: Zwischen den Kassen klaffen die Zinssätze so weit auseinander wie noch nie.
Den Schweizer Pensionskassen geht es gut, und sie können die Altersguthaben ihrer aktiven Versicherten gut verzinsen: Im Schnitt der über 500 befragten Vorsorgeeinrichtungen lag die Verzinsung bei 4.7 Prozent. Nach Abzug der Inflation verbleiben 4.6 Prozent. Das ist die höchste Realverzinsung seit 25 Jahren. Das zeigt die aktuelle Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto. An der Schweizer Pensionskassenstudie nahmen 528 Vorsorgeeinrichtungen teil. Das erfasste Vermögen beläuft sich auf 939 Milliarden Franken; insgesamt sind damit 4 Millionen Versicherte repräsentiert. Damit zeigt sich auch der implizite Inflationsschutz, der im PK-System verankert ist.
Doch nach den positiven News kommt das «Aber».Von den hohen Leistungen bekommt die Mehrheit der Versicherten allerdings wenig mit. Nur rund 30 Prozent haben die Verzinsung ihres Altersguthabens auf dem letzten Pensionskassenausweis überhaupt zur Kenntnis genommen; rund 70 Prozent kennen die aktuelle Verzinsung ihrer Kasse nicht. Das zeigt die repräsentative Bevölkerungsbefragung unter aktiven Versicherten sowie Rentnerinnen und Rentnern, die das Forschungsinstitut gfs.bern erstmals im Rahmen der Studie durchgeführt hat.
Dabei sind die Unterschiede der Verzinsung zwischen den Kassen enorm. 2025 reichten die Zinssätze von 1.25 bis 17 Prozent. Das ist laut der Studie eine nochmals deutlich breitere Spanne als in den Vorjahren. Das Ausmass zeigt sich auch beim Vergleich der Extreme: Die erfolgreichsten 10 Prozent der Kassen verzinsten die Guthaben im Schnitt mit 9.25 Prozent, die schwächsten 10 Prozent lediglich mit 2 Prozent.
Für die Versicherten geht es dabei um beträchtliche Summen. «Über fünf Jahre hinweg beträgt der Unterschied zwischen den beiden Gruppen – mit je rund 50 Kassen – ganze 26 Prozentpunkte», rechnet Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank, anlässlich der Vorstellung der Studie vor: «Mit einem durchschnittlichen Altersguthaben der aktiv Versicherten von rund 200'000 Franken haben erfolgreiche Kassen ihren Versicherten über fünf Jahre 52'000 Franken mehr Leistung auf ihr Konto gutgeschrieben.» Damit gewinnt der sogenannte dritte Beitragszahler – die Anlagerendite – weiter an Bedeutung. Bei der Finanzierung der 2. Säule trugen im vergangenen Jahr die Anlagerenditen 39 Prozent bei, während die Arbeitgeberbeiträge 35 Prozent und die Arbeitnehmerbeiträge 25 Prozent ausmachten.
Worauf gehen die Unterschiede zurück? Auch hierzu liefert die PK-Studie eine klare Antwort: 93 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen machen die Verzinsung von der erzielten Rendite abhängig. An zweiter Stelle folgt mit 90 Prozent der Deckungsgrad – ein Kriterium, das angesichts der derzeit aussergewöhnlich hohen Reserven an Bedeutung verliert. Die Verzinsung der Vergangenheit spielt dagegen für weniger als die Hälfte der Kassen eine Rolle. Damit entscheidet primär die Anlageperformance über die Höhe der Gutschrift. Laut Deplazes ist deshalb der Zusammenhang zwischen Performance und Verzinsung offensichtlich. In den Daten spiegelt sich das deutlich: Die 10 Prozent der Kassen mit den höchsten Renditen über fünf Jahre verzinsten 2025 im Schnitt 6.7 Prozent, die schwächsten 10 Prozent lediglich 3.4 Prozent.
Die Unterschiede fallen umso stärker ins Gewicht, als die Kassen einen wachsenden Anteil der Jahresperformance an die Versicherten weiterreichen. Betrug der durchschnittliche Anteil der Verzinsung an der Nettorendite 2023 noch 48 Prozent, waren es 2024 bereits 56 Prozent – und 2025 stieg er weiter. «Im vergangenen Jahr gaben die Pensionskassen den Versicherten über drei Viertel der durchschnittlichen Rendite von 6 Prozent weiter. Mit 78 Prozent ist der Anteil so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr», so Francesca Pitsch, Leiterin der Schweizer Pensionskassenstudie.
Wie hoch die Renditen – und damit die Verzinsung – ausfallen, hängt demnach massgeblich von der Anlagestrategie ab und nicht von der Grösse der Kassen oder der Kassenstruktur, wie gemeinhin angenommen wird. Und hier erweist sich der Anteil von Obligationen in den Portfolios als entscheidendes Kriterium: Während die Kassen mit den höchsten Renditen nur 18 Prozent Obligationen halten, liegt der Anteil bei den schwächsten Kassen mehr als doppelt so hoch. Umgekehrt erreicht die Aktienquote einen neuen Höchststand. Die Top-Performer setzen mit 35.8 Prozent deutlich stärker auf Aktien als die Kassen mit tieferen Renditen (30.9 Prozent). Auch Immobilien spielen eine zentrale Rolle. Wichtig: Die grossen Unterschiede in der Anlagestrategie und in der Folge auch der Renditen gelten nach Abzug der Kosten, die bei den Top-Performern höher sind (50 Prozent), als bei den Bottom-Performern (0,38 Prozent).
Da die Performance massgeblich über die Höhe der Verzinsung entscheidet, wurde in der PK-Studie erstmals auch die Rolle der Investment Consultants untersucht. Dabei zeigt sich zunächst, dass die Mehrheit – 68 Prozent – deren Unterstützung in Anspruch nimmt und es zeigt sich auch, dass sich die beiden grossen, PPC Metrics und C-alm rund 50 Prozent des Marktes aufteilen. In der PK-Studie wurde dabei ein klarer Zusammenhang zwischen einer vergleichsweise tiefen Performance von Kassen «mit Consultants» und einer höheren Performance von Kassen, die ohne Consultants arbeiten, nachgewiesen. Eine Aussage, die im Markt sicher noch zu reden geben wird.