Bevölkerung will das Dreisäulensystem stärken

Gedanken über die finanzielle Vorsorge fürs Alter machen sich viele. Hingegen schützen nur wenige ihre Ersparnisse vor Inflation. (Bild: Shutterstock.com/Lola1960)
Gedanken über die finanzielle Vorsorge fürs Alter machen sich viele. Hingegen schützen nur wenige ihre Ersparnisse vor Inflation. (Bild: Shutterstock.com/Lola1960)

Das Raiffeisen-Vorsorgebarometer 2022 zeigt: Die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung will, dass neben der AHV auch die 2. oder 3. Säule gestärkt wird. Fast 60% wollen die Heiratsstrafe in der AHV abschaffen. Über 75% befürworten eine Neuregelung des Rentenalters, und viele schützen ihre Vorsorgegelder nicht ausreichend vor der Inflation.

15.09.2022, 12:06 Uhr

Redaktion: hf

Zum fünften Mal zeichnet das Raiffeisen-Vorsorgebarometer ein Stimmungsbild der Schweizer Bevölkerung zur finanziellen Altersvorsorge. Dieses Jahr legt die Befragung den Fokus auf die Zukunftsfähigkeit des Dreisäulensystems. Dabei zeigt sich, dass mit 52,2% über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung einen hohen Reformbedarf in der AHV sieht. In der 2. Säule, der beruflichen Vorsorge, sehen fast gleichviele (51,6%) einen mittleren Reformbedarf. Nur geringer Reformbedarf wird der privaten Vorsorge, der 3. Säule, attestiert.

Mit 59% spricht sich ein Grossteil der Bevölkerung dafür aus, dass parallel zur AHV auch die 2. oder die 3. Säule gestärkt werden. So sprachen sich 46% dafür aus, dass auch Geringverdienende in der Pensionskasse versichert sind. Zudem befürworteten 24% eine Entpolitisierung des Umwandlungssatzes von Pensionskassen.

Wenig Zuspruch (4%) erfährt hingegen die Variante, wonach die berufliche Vorsorge ganz aufgelöst werden soll zugunsten eines starken Ausbaus der 1. Säule.

SNB soll mithelfen, die AHV zu finanzieren

In der AHV werden verschiedene Reformmöglichkeiten diskutiert, um das Leistungsniveau zu verbessern. Am Brennendsten scheinen dabei die plafonierten AHV-Renten zu sein: 59% wollen die Heiratsstrafe in der AHV abschaffen und Ehepaare den Konkubinatspaaren gleichstellen. An zweiter Stelle steht mit 30% die Möglichkeit, bei Lücken unbegrenzt Nachzahlungen in die AHV leisten zu können.

Um die Finanzierung der 1. Säule auch zukünftig sicherzustellen, möchten 57% die Gewinne der Schweizerischen Nationalbank in die AHV einfliessen lassen. Diese Option ist bei Menschen zwischen 51 und 65 Jahren signifikant beliebter als bei jungen Menschen. An zweiter Stelle (33%) folgt eine frühere Beitragspflicht für alle, und zwar ab 18 statt ab 21 Jahren. Höhere Beiträge vonseiten der Arbeitnehmer und Arbeitgeber erhalten mit 16% am wenigsten Zuspruch.

Rentenalter 65: Männer und Frauen haben andere Präferenzen

In Bezug auf das Rentenalter zeigt die repräsentative Bevölkerungsbefragung, dass eine starke Mehrheit (76,5%) eine Neuregelung des Rentenalters wünscht. An erster Stelle liegt mit 36% gleiches Rentenalter von 65 Jahren für Mann und Frau. Dabei unterscheiden sich die Antworten je nach Geschlecht signifikant, was sich kurz vor der Volksabstimmung über die AHV-Reform, die eben diesen Schritt vorsieht, auch in anderen Umfragen zeigt: Mehr Männer (41,5%) befürworten die Anpassung auf Rentenalter von 65 Jahren für Mann und Frau, während unter den Frauen 30% dem Vorschlag zustimmen.

Mit 29% relativ populär ist die Variante des flexiblen Rentenalters, dabei lassen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen.

Vorsorgegelder werden nicht ausreichend vor Inflation geschützt

Mit 27% macht sich ein höherer Teil der Bevölkerung als letztes Jahr (23%) Sorgen, dass wegen sinkender Rentabilität der Vorsorgegelder die Leistungen in der persönlichen Altersvorsorge gekürzt werden müssen. Bei der Frage nach der Absicherung von Vorsorgegeldern gegen die Inflation sind allerdings rund 40% der Befragten überfordert. Das heisst, sie ergreifen entweder keine der aufgeführten Massnahmen oder sie wissen nicht, was sie tun sollen.

36% lassen das Vorsorgegeld auf dem Konto liegen. Mit einem Wertschriftenkauf wollen sich nur 16% absichern, mit dem Erwerb von Wohneigentum 14% und mit dem Kauf von Gold 5%. Besonders Gutverdienende und Personen mit höherer Bildung sowie Männer sehen den Wertschriftenkauf als Schutz vor der Teuerung.

Allgemein hat das Wertschriftensparen mit 40% der Befragten jedoch einen neuen Höchststand erreicht. Besonders Menschen mit gutem Vorsorgewissen und/oder höherem Einkommen bevorzugen das Wertschriftensparen in der Vorsorge. Dabei werden traditionelle Wertschriften gegenüber Kryptofonds deutlich bevorzugt: 76% der Bevölkerung wollen keine Kryptowährungen in ihren Vorsorgelösungen (vgl. dazu auch die Monatsumfrage von investrends.ch).

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