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Europäische ETFs: Rekordzuflüsse im Mai – SpaceX beflügelt die Stimmung

Die ETF-Bilanz vom Mai zeigt eine Rückkehr der Anleger in die USA (Bild: Adobe Stock)
Die ETF-Bilanz vom Mai zeigt eine Rückkehr der Anleger in die USA (Bild: Adobe Stock)

Der europäische ETF-Markt verzeichnete im Mai Nettozuflüsse von rund 44 Milliarden US-Dollar, angetrieben von steigenden Aktienmärkten, sinkenden Obligationsrenditen und einem zunehmend optimistischen Marktumfeld. Sowohl Aktien- als auch Obligationen-ETFs schlossen den Monat deutlich im Plus.

15.06.2026, 14:08 Uhr
Alternatives | Aktien | Anlagefonds | Anlagestrategie | ETF | Nachhaltigkeit | Strukturierte Produkte

Redaktion: asc

Die Vorfreude auf den Börsengang von SpaceX – den grössten IPO der Geschichte – war auch im ETF-Markt zu verzeichnen: Mit Nettozuflüssen von 28 Milliarden US-Dollar (rund 62 Prozent der Gesamtzuflüsse) führten Aktien-ETFs das Feld an, wie Vanguard in seinem ETF-Monatsbericht für Mai festhält. Innerhalb der Kategorie blieben Core-Equity-ETFs mit Nettozuflüssen von über 20 Milliarden US-Dollar trotz einer leichten Abschwächung gegenüber dem Rekordmonat April klar an der Spitze. Nachhaltigkeits-, Themen- und Smart-Beta-ETFs legten ebenfalls zu, während die Nettoabflüsse in den übrigen Kategorien marginal blieben.

Regional dominierten gemäss Vanguard globale Aktienstrategien mit Zuflüssen von knapp 13 Milliarden US-Dollar – zum zweiten Mal in Folge überschritt diese Kategorie die 10-Milliarden-Marke. US-Aktien-ETFs erzielten mit 9 Milliarden US-Dollar ihr drittbestes Ergebnis seit Anfang 2025. Industrieländer-Strategien kamen auf ein Plus von 6,3 Milliarden. Auf der Verliererseite standen Schweizer und Euroraum-Aktien mit Abflüssen von 1,4 beziehungsweise 1,1 Milliarden US-Dollar.

Die starke Nachfrage nach US-Exposure war kein Zufall: Der S&P 500 legte im Monatsverlauf um 5,3 Prozent zu, der Nasdaq-100 sogar um über 10 Prozent, wie Invesco in seiner Marktübersicht für Mai festhält. Treiber waren überraschend starke Unternehmensgewinne, anhaltende KI-Investitionen sowie Entspannungssignale im Nahen Osten. Thematisch dominierten laut Amundis MTD Money Monitor Technologie, Verteidigung und Infrastruktur – Sektoren, die von der geopolitischen Lage und dem KI-Boom gleichermassen profitierten. Halbleiter-ETFs verzeichneten innerhalb der Themen-ETFs mit Abstand die höchsten Zuflüsse.

Obligationen überproportional gefragt

Bemerkenswert war die Stärke der festverzinslichen Kategorien: Obligationen-ETFs steigerten ihre Zuflüsse gemäss Vanguard gegenüber April von 10 auf 15,6 Milliarden US-Dollar – ein Plus von mehr als 50 Prozent. Angesichts eines Anteils von lediglich 18 Prozent am gesamten verwalteten Vermögen des europäischen ETF-Marktes entsprechen die 31 Prozent Anteil an den Mai-Gesamtzuflüssen einer deutlichen Übergewichtung, wie Invesco errechnet.

Staatsobligationen-ETFs standen laut Vanguard mit 4,9 Milliarden US-Dollar erneut an der Spitze, gefolgt von Unternehmens-Obligationen-ETFs mit 3,6 Milliarden und Strategien mit ultrakurzer Laufzeit mit 2,7 Milliarden. Regional führten gemäss Vanguard Euroraum-Obligationen mit 6,9 Milliarden klar vor US- und globalen Strategien (je rund 3 Milliarden). Amundi bestätigt dieses Bild: In seinem Money Monitor weist der französische Vermögensverwalter für Staatsanleihen-ETFs Zuflüsse von 4,5 Milliarden Euro aus, gefolgt von Investment-Grade-Unternehmensanleihen mit 3,2 Milliarden Euro.

Die anhaltend hohe Nachfrage nach festverzinslichen Produkten spiegelt ein Marktumfeld wider, in dem institutionelle Investoren trotz steigender Aktienkurse Absicherungsbedarf oder Renditeinteresse in Fixed Income sehen – insbesondere im Euroraum, wo sinkende Renditen die Kurse stützten.

SpaceX-IPO als Katalysator

Ein zusätzlicher Faktor, der die ETF-Nachfrage gegen Ende Mai befeuerte, war die wachsende Aufmerksamkeit rund um den SpaceX-Börsengang. SpaceX debütierte am 12. Juni an der Nasdaq unter dem Ticker SPCX – bewertet mit rund 1,75 Billionen US-Dollar, dem grössten Börsengang der Geschichte. Für ETF-Anleger war dabei weniger der IPO-Tag selbst relevant als die Mechanik danach: Überarbeitete Nasdaq-Regeln, die seit dem 1. Mai 2026 gelten, ermöglichen es neu kotierten Unternehmen unter den Top 40 nach Marktkapitalisierung, nach nur 15 Handelstagen in den Nasdaq-100 aufgenommen zu werden – was SpaceX voraussichtlich Anfang Juli triggert.

Für passive Fonds werden dadurch Zwangskäufe im zweistelligen Milliardenbereich erwartet: Allein von Vanguard-gebundenen Fonds werden Zuflüsse von 15 bis 25 Milliarden US-Dollar und von FTSE-Russell-Produkten weitere 10 bis 15 Milliarden erwartet. Bereits im Vorfeld hatte das Retail-Interesse an Weltraum-ETFs deutlich angezogen: Laut Vanda Research liefen die Käufe in Space-thematische ETFs auf dem stärksten Niveau seit 2021, mit dem Procure Space ETF (UFO) als klarem Favoriten.

ESG bleibt strukturell relevant

Laut Amundis Money Monitor erzielten ESG-Strategien im Mai Nettozuflüsse von rund 8,1 Milliarden Euro – rund 22 Prozent der Gesamtzuflüsse. Dabei flossen 5,3 Milliarden in ESG-Aktien-ETFs und 2,8 Milliarden in festverzinsliche ESG-Produkte. Innerhalb des Aktienbereichs dominierten globale und US-Strategien, während europäische ESG-ETFs Abflüsse verzeichneten. Das Bild bestätigt: ESG ist strukturell verankert, verliert aber im Europa-Exposure an Zugkraft.

Nicole Fenner, Investment Specialist Active Multi Asset Investments, UBS Asset Management

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