Drei Mega-IPOs in Sicht: SpaceX zündet, OpenAI atmet auf, Anthropic positioniert sich

Der Mega-Börsengang von SpaceX geht wohl im Juni über die Bühne. Weitere grosse IPOs folgen (Bild: Shutterstock)
Der Mega-Börsengang von SpaceX geht wohl im Juni über die Bühne. Weitere grosse IPOs folgen (Bild: Shutterstock)

Nach dem Gerichtsurteil von dieser Woche wird immer deutlicher: Mit SpaceX, OpenAI und Anthropic stehen drei Tech-Schwergewichte mit einem geschätzten Gesamtwert von rund 3 Billionen USD vor dem Sprung an die Börse. Der Countdown für SpaceX läuft. Was heisst das für Investoren? Welche Auswirkungen haben derart hohe Bewertungen?

19.05.2026, 08:38 Uhr
Asset Management | Finanzplätze

Redaktion: asc

SpaceX hat das Tempo massiv erhöht. Nach übereinstimmenden Berichten von Reuters, Wall Street Journal und Bloomberg soll der Ausgabepreis am 11. Juni 2026 festgelegt werden, der Handelsstart folgt einen Tag später am 12. Juni. Notiert wird unter dem Ticker «SPCX» an der Nasdaq.

Die Dimensionen sprengen alles bisher Dagewesene: SpaceX will bis zu 75 Milliarden US-Dollar einsammeln – bei einer angestrebten Bewertung von rund 1.75 Billionen oder mehr. Damit würde das Unternehmen Saudi Aramcos Rekord-IPO von 2019 (35.4 Mrd. USD bei 320 Mrd. USD Bewertung) deutlich in den Schatten stellen und zum grössten Börsengang aller Zeiten werden.

Das Unternehmen hatte die Unterlagen Anfang April 2026 vertraulich bei der SEC eingereicht. Die Behörde prüfte den Prospekt schneller als erwartet, das öffentliche S-1 wird Mitte Mai erwartet. Die Investor-Roadshow beginnt am 4. Juni. Als aktive Bookrunner führen Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley das Konsortium an.

Interessantes Detail: Musk verlangt von den IPO-Beratern – Banken, Anwaltskanzleien, Auditoren – den Kauf von Abonnements für Grok, den KI-Chatbot, der im Februar 2026 in SpaceX integriert wird, xAI. Einige Banken haben laut «New York Times» bereits zugesagt, zweistellige Millionenbeträge pro Jahr für Grok auszugeben und den Chatbot in ihre IT-Systeme zu integrieren. Eine zusätzliche – wenn auch weniger nachdrückliche – Forderung: Werbung auf der Plattform X. Aus Musks Sicht ein gebündeltes Paket. Wer das Prestige und die Honorare des SpaceX-Mandats will, wird zum zahlenden Kunden seines KI-Tools.

OpenAI: Freie Bahn für den eigenen Börsengang

Ein weiterer Mega-IPO hat diese Woche eine wichtige Hürde genommen. Elon Musks Klage gegen OpenAI ist am Montag, 18. Mai 2026, vor einer US-Jury in Oakland in unter zwei Stunden Beratung vollständig gescheitert. Die neunköpfige beratende Jury entschied einstimmig, dass Musk die Klage zu spät eingereicht habe – nach Ablauf der dreijährigen Verjährungsfrist. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers übernahm das Verdikt umgehend: «Es gibt eine erhebliche Menge an Beweisen, die das Ergebnis der Jury stützen, weshalb ich bereit war, den Fall direkt abzuweisen.»

Verjährt! Damit sind Musks Forderungen vom Tisch: Schadenersatz in Milliardenhöhe, die Rückabwicklung der For-Profit-Umwandlung sowie der Abgang von CEO Sam Altman und Präsident Greg Brockman. Im Maximum hätten OpenAI und Microsoft bis zu 150 Mrd. USD an die OpenAI-Stiftung «herausgeben» müssen.

Musk bezeichnete das Urteil auf X als «Kalender-Technikalität» und kündigte Berufung an. Die Richterin signalisierte allerdings, dass eine Anfechtung aussichtslos sein dürfte: Die Frage der Verjährung sei eine Tatsachenfrage. OpenAI-Anwalt William Savitt nannte den Prozess «einen heuchlerischen Versuch, einen Wettbewerber zu sabotieren» – Musk hatte 2023 mit xAI seine eigene KI-Firma gegründet, die heute Teil von SpaceX ist.

Für OpenAI fällt mit dem Urteil ein zentrales regulatorisches Risiko weg. Das Unternehmen, das im März 2026 in einer Runde mit SoftBank, Amazon und Nvidia 122 Milliarden US-Dollar zu einer Bewertung von 852 Milliarden US-Dollar aufgenommen hat, bereitet einen IPO vor, der die Billionen-Dollar-Marke knacken könnte. CFO Sarah Friar peilt offiziell 2027 an, einzelne Berater halten ein Listing bereits Ende 2026 für möglich. Sam Altman im Oktober-Livestream: «Ich denke, es ist fair zu sagen, dass dies der wahrscheinlichste Weg für uns ist, angesichts der Kapitalanforderungen, die wir haben werden.»

Das interne Planungsziel: bis zu 60 Milliarden US-Dollar an Kapital einzusammeln. Das Geld soll in Frontier-Modelle, Compute-Infrastruktur sowie die Skalierung der Enterprise- und Konsumprodukte fliessen. OpenAI will gemäss eigenen Angaben bis 2030 einen Jahresumsatz von 280 Milliarden US-Dollar erreichen – aktuell läuft das Unternehmen auf einer annualisierten Umsatzrate von rund 20 Milliarden bei wachsenden Verlusten.

Rechtsrisiko aus München bleibt

Unabhängig von Musks gescheiterter Klage bleibt juristischer Gegenwind: Das Landgericht München I hat am 11. November 2025 in einem europaweiten Grundsatzurteil (Az. 42 O 14139/24) entschieden, dass OpenAI mit dem Training und Betrieb von ChatGPT geltendes Urheberrecht verletzt. Geklagt hatte die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA wegen neun Liedtexten bekannter Urheber – darunter «Atemlos durch die Nacht» von Helene Fischer und «Über den Wolken» von Reinhard Mey.

Das Gericht stellte fest, dass die Texte in den Modellparametern memorisiert sind und auf einfache Prompts hin wiedergegeben werden. Die Text- und Data-Mining-Schranke greift nach Auffassung der Kammer nicht. OpenAI hat am 8. Dezember 2025 Berufung eingelegt (Az. 6 U 3662/25 e). Das Urteil dürfte bei der IPO-Bewertung als regulatorisches Risiko eingepreist werden – mit Wirkung weit über Songtexte hinaus, denn die Argumentation lässt sich auf andere urheberrechtlich geschützte Inhalte übertragen.

Anthropic: Stiller Aufstieg, möglicher Überholmanöver

Im Schatten von OpenAI bereitet sich auch Anthropic auf einen Börsengang vor. Im Februar 2026 schloss das Unternehmen eine Series-G-Runde über 30 Milliarden US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 380 Milliarden US-Dollar ab – die zweitgrösste Privatfinanzierung der Tech-Geschichte. Aktuell laufen laut Bloomberg und TechCrunch Gespräche über eine weitere Runde mit mindestens 30 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von über 900 Milliarden US-Dollar .

Die operative Dynamik ist beeindruckend: Annualisierte Umsätze sind von 9 Milliarden US-Dollar Ende 2025 auf über 30 Milliarden US-Dollar im April 2026 gesprungen, mit Bruttomargen über 70 Prozent. Acht der Fortune-10-Unternehmen sind Claude-Kunden. Anthropic hat Wilson Sonsini als Rechtsberater engagiert, ein S-1-Formular ist noch nicht eingereicht. The Information nennt Oktober 2026 als mögliches Listing-Ziel – Anthropic könnte damit OpenAI bei der Erstnotiz überholen. Konservative Prognosemärkte sehen den IPO eher im Frühjahr 2027.

Was für Investoren auf dem Spiel steht

MSCI hat in einer Szenarioanalyse vom Februar bereits gewarnt: Mega-Cap-IPOs dieser Grössenordnung könnten Milliarden an passiven Kapitalflüssen umleiten, Sektorrotationen über Benchmark-Indizes hinweg auslösen und Liquidität aus anderen Marktsegmenten abziehen. Allein der SpaceX-Börsengang würde sofort eine Aufnahme in den Nasdaq 100 nahelegen – ein Index, der die Allokationen weltweiter passiver Fonds neu kalibrieren müsste.

Für Investoren stellt sich weniger die Frage, ob diese Unternehmen an die Börse gehen, sondern zu welchem Preis – und ob die öffentlichen Märkte die hohen Privatmarkt-Multiplikatoren mittragen. SpaceX würde bei 1.75 Billionen und Umsätzen von 15-16 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 mit dem 109- bis 116-Fachen des Umsatzes bewertet. Anthropic kommt bei bestätigten 380 Milliarden US-Dollar auf rund das 13-Fache. Die Privatmärkte haben in den letzten zwei Jahren grosszügig vorfinanziert. Ob die öffentlichen Investoren mit gleicher Begeisterung mitziehen, wird sich ab dem 12. Juni zeigen.

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