18.05.2026, 11:44 Uhr
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Sygnum hat nach eigenen Angaben als erste regulierte Schweizer Bank Live-Transaktionen über eine Blockchain mithilfe eines KI-Agenten getestet. Kontrolle und Custody bleiben dabei vollständig beim Kunden – die privaten Schlüssel verlassen das Gerät zu keinem Zeitpunkt.
Sygnum hat laut eigenen Angaben einen Meilenstein in der Verbindung von künstlicher Intelligenz und reguliertem Bankwesen gesetzt. Wie die global tätige Digital-Asset-Bankengruppe am Donnerstag mitteilte, wurden im Rahmen eines internen Pilotprojekts erstmals mehrstufige Transaktionen direkt auf einem Blockchain-Mainnet abgewickelt – initiiert durch Klartext-Anweisungen des Kunden an einen hauseigenen KI-Agenten.
Der Agent plant und bereitet die einzelnen Schritte autonom vor, prüft die relevanten Smart Contracts und weist auf potenzielle Risiken hin. Bevor eine Transaktion ausgeführt wird, muss der Kunde sie jedoch explizit über sein eigenes selbstverwaltetes Wallet signieren. Damit verlassen die privaten Schlüssel zu keinem Zeitpunkt die Verfügungsgewalt des Kunden. Anwendungsfälle umfassen unter anderem Stablecoin-Transfers, Asset-Swaps, On-Chain-Lending, Token-Wrapping und Liquiditätsbereitstellung.
Technisch fusst die Lösung auf einem Model Context Protocol (MCP) Server, den das hausinterne Team AI@Sygnum entwickelt hat. Als zugrundeliegendes KI-Modell kommt Claude von Anthropic zum Einsatz. MCP ist ein offener Standard, der den Datenaustausch zwischen KI- und Finanzplattformen vereinheitlicht. Die Architektur ist sowohl modell- als auch asset-klassen-agnostisch konzipiert und damit skalierbar, sollte sich das Ökosystem weiterentwickeln.
«Die Verbindung von KI-Agenten mit Wallets ist fundamental für die Zukunft der Finanzbranche», sagt Thomas Frei, Head of AI and Data Analytics und Leiter von AI@Sygnum. «Im kommenden Jahrzehnt werden Agenten im Auftrag von Kunden Transaktionen durchführen, abwickeln und mit Märkten interagieren. Die Herausforderung besteht darin, dies so zu gestalten, dass bankübliche Standards bei Einwilligung, Custody und Vertrauen erhalten bleiben oder sogar verbessert werden.»
Sygnum positioniert sich damit bewusst gegen Architekturen, bei denen KI-Agenten über eigene Wallets autonom agieren. Stattdessen folgt die Bank einem «Human-in-the-Loop»-Ansatz: KI soll menschliche Entscheidungen und persönliche Kundenbeziehungen ergänzen, nicht ersetzen. Diese Stossrichtung deckt sich mit der jüngsten regulatorischen Entwicklung. Die FINMA-Aufsichtsmitteilung 08/2024 sowie der FINRA-Jahresbericht 2026 weisen explizit auf die Risiken hin, wenn KI-Agenten über den vom Kunden vorgesehenen Rahmen hinaus handeln. Hinzu kommen die ab dem 2. August 2026 geltenden Pflichten des EU AI Act für Hochrisiko-KI-Systeme im Finanzsektor.
Sygnums AI-Strategie ruht auf vier Säulen: Kundenerlebnis, regulierte Innovation, organisatorische Effizienz und operative Exzellenz. Der MCP-Agent ist Teil dieses übergeordneten Programms, das von AI@Sygnum gruppenweit gesteuert wird.
Eine produktive Nutzung durch Kunden steht noch aus. Sygnum betont, der Rollout setze die vollständige aufsichtsrechtliche, Compliance- und Sicherheitsfreigabe voraus.
Der Zeitpunkt der Ankündigung ist strategisch gewählt: Der globale Markt für Blockchain-KI-Anwendungen soll laut Fortune Business Insights mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von rund 26,8 Prozent expandieren – von 1,13 Mrd. USD im Jahr 2026 auf 7,53 Mrd. USD bis 2034. Sygnum wurde 2019 als weltweit erste regulierte Digital-Asset-Bank gegründet und verfügt heute über Lizenzen in der Schweiz, Singapur, Abu Dhabi und Luxemburg sowie eine Registrierung in Liechtenstein.