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André Müller-Wegner übernimmt AMAS-Präsidium von Iwan Deplazes

Iwan Deplazes übergibt AMAS-Präsidium an André Müller-Wegner (Bild: AMAS)
Iwan Deplazes übergibt AMAS-Präsidium an André Müller-Wegner (Bild: AMAS)

Stabsübergabe am Asset Management Day 2026 in Bern: Nach sechs Jahren gibt Iwan Deplazes das Präsidium der Asset Management Association Switzerland (AMAS) ab. Sein Nachfolger, André Müller-Wegner, setzt auf Wettbewerbsfähigkeit und offene Märkte.

12.06.2026, 15:20 Uhr
Asset Management | Banken | Finanzplätze | Regulierung

Redaktion: asc

Mit einer symbolischen Schlüsselübergabe auf der Bühne des Bellevue Palace vollzog die Asset Management Association Switzerland (AMAS) am Freitag den Wechsel an der Spitze. André Müller-Wegner, Head of Client Coverage und Head Switzerland bei UBS Asset Management, wurde von der Generalversammlung zum neuen Präsidenten gewählt und übernahm das Amt von Iwan Deplazes, der die AMAS während sechs Jahren geführt hatte. Vor über 300 Gästen aus Finanzbranche, Politik und Diplomatie setzten Redner aus verschiedenen Lagern einen gemeinsamen Akzent: Der Schweizer Finanzplatz ist stark – darf sich aber keine Selbstzufriedenheit leisten.

Müller-Wegner: «Wettbewerbsfähigkeit ist nie theoretisch»

In seiner ersten Rede als AMAS-Präsident betonte André Müller-Wegner den gesellschaftlichen Auftrag der Branche: «Asset Management hat einen echten Zweck: Wir investieren das Geld von heute für die kommenden Generationen.» Die Industrie trage entscheidend zur Stabilität der zweiten Säule, zur Innovationskraft der Wirtschaft und zum langfristigen Wohlstand der Schweiz bei.

Gleichzeitig mahnte er zur strategischen Klarheit: «Die Schweiz sollte selbstbewusst anerkennen, dass ein starker Finanzplatz strategisch wichtig für die gesamte Volkswirtschaft ist.» Wettbewerbsfähigkeit sei keine abstrakte Grösse – «Kapital bewegt sich. Talente bewegen sich. Geschäft bewegt sich.» Die Schweiz müsse ihre Stellung als Produktions- und Vertriebsstandort weiter ausbauen, insbesondere im Bereich Private Markets und anspruchsvoller Anlagelösungen.

Deplazes zieht positive Bilanz – warnt vor politischen Eingriffen

Iwan Deplazes blickte auf eine Industrie zurück, die «stärker, selbstbewusster, geeinter – und auch relevanter für die Schweiz geworden ist» als noch vor sechs Jahren. Mit Verweis auf die Asset Management Study 2026 hob er hervor, dass die verwalteten Vermögen in der Schweiz auf nahezu CHF 3,8 Billionen gestiegen seien und die Schweiz ihre Position als drittgrösster Asset-Management-Standort Europas gefestigt habe.

Zugleich warnte Deplazes eindringlich vor Selbstzufriedenheit: «Erfolg heute garantiert nicht automatisch Wettbewerbsfähigkeit morgen.» Als zentrale Handlungsfelder nannte er besseren internationalen Marktzugang, Investitionen in Technologie und Produktivität sowie stabile regulatorische Rahmenbedingungen. Kritisch äusserte er sich zur wachsenden politischen Einschränkung des Finanzplatzes – namentlich durch die Finanzplatz-Initiative, Diskussionen um eine Verschärfung der Lex Koller sowie wohnpolitische Vorstösse gegen institutionelle Investoren. Deplazes bleibt dem AMAS-Vorstand als Mitglied erhalten.

Budliger Artieda: Schweiz muss Fachkräftefrage lösen

Staatssekretärin Helene Budliger Artieda sprach in ihrer Ansprache über die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts und machte dabei auch persönliche Einblicke in ihre Arbeit: die Modernisierung einer über dreissigjährigen IT-Infrastruktur der Arbeitslosenversicherung, der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit Indien sowie die laufenden Verhandlungen mit der EU. Zur Fachkräftezuwanderung zeigte sie sich klar: Wenn neue Stellen entstehen und inländische Fachkräfte fehlen, sei ein grösserer Rekrutierungspool zentral. Auf die Frage nach den Bilateralen verwies sie auf den Willen beider Seiten – «es braucht immer zwei zum Tango» – und zeigte sich verhalten optimistisch.

Pitteloud: Geopolitik als Planungsgrösse

Jacques Pitteloud, Schweizer Botschafter in Belgien und Head of the Mission to NATO, lieferte einen geopolitischen Lagebericht, der beim Publikum offensichtlich Eindruck hinterliess. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Unternehmen und Investoren mit struktureller Unsicherheit umgehen: «Was extrem gefährlich ist, ist die Unsicherheit. Wenn man wenigstens wüsste: Wir haben noch ein Jahr...» Die Schweiz sei durch ihr Netz an Botschaften und Konsulaten gut positioniert – gerade weil sie keinem grossen politischen oder wirtschaftlichen Block angehöre.

Stefan Bollinger im Fireside-Chat: KI als Game Changer, Schweiz als Stabilitätsanker

Einen der Höhepunkte des Tages lieferte der Fireside-Chat mit Iwan Deplazes und Stefan Bollinger, CEO von Julius Bär. Beide hatten ihre Karriere als Lehrlinge bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) angefangen und lobten anhand ihrer Erfahrung das duale Bildungssystem. Bollinger, der den grössten Teil der Karriere im Ausland – unter anderem bei Goldman Sachs – verbrachte, zeichnete ein differenziertes Bild der Branche: Im Retail-Segment beobachte er eine zunehmende Gamification bei den digitalen Plattformen, die kurzfristiges Trading fördern und Anleger mit Algorithmen locken. Im Ultra-High-Net-Worth-Segment hingegen verlaufe der Generationenwechsel genau umgekehrt: Während die erste Generation oft grosse, konzentrierte und zum Teil auch risikoreiche Marktpositionen eingenommen habe, sei die Nachfolgegeneration vorsichtiger und investmentorientierter.

Zur Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Finanzplatzes äusserte sich Bollinger zuversichtlich. Auch er warnte jedoch vor Selbstzufriedenheit. Beim Talent-Thema habe die Schweiz einen strukturellen Vorteil: «In London landet Wealth Management vielleicht auf Platz vier oder fünf der Arbeitgeber-Präferenzen. Hier wollen die Leute wirklich in diesem Bereich arbeiten.»

Zur Technologie gab sich Bollinger überzeugt, dass KI die Branche fundamental verändern wird – aber anders als oft angenommen. Nicht durch Verlagerung von Arbeit in günstigere Länder, sondern durch eine grundlegend andere Produktivitätskennzahl: «Statt zu schauen, was die Arbeitskosten sind, werden wir schauen, welche Profitabilität diese Arbeitskosten generieren können. Die besten KI-Anwender setzen die besten Menschen ein – mit KI.»

Verdankung und neuer Vorstand

Im Rahmen des Asset Management Days wurde auch Matthias Henny aus dem Vorstand verabschiedet. Deplazes würdigte dessen langjähriges Engagement für den Verband.

Der Vorstand der AMAS setzt sich künftig wie folgt zusammen: André Müller-Wegner (Präsident), August Benz, Sébastien Eisinger, Per Erikson, Dagmar Kamber Borens, Jean Keller, Iwan Deplazes, Jean-Pascal Porcherot, Christel Rendu de Lint, Mirjam Staub-Bisang, Yves Schneller und Sven Württemberger.

Nicole Fenner, Investment Specialist Active Multi Asset Investments, UBS Asset Management

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