Swiss Life AM: Konjunktur bleibt robust, doch Ölpreis-Volatilität und KI-Zweifel belasten

Swiss Life AM sieht positive Konjunktursignale in den USA (Bild: Adobe Stock)
Swiss Life AM sieht positive Konjunktursignale in den USA (Bild: Adobe Stock)

Die Weltwirtschaft zeigt sich laut Swiss Life Asset Managers auch im dritten Quartal 2026 widerstandsfähig, trotz der Re-Eskalation des Irankriegs und einer damit verbundenen Ölpreisvolatilität. Das geht aus den aktuellen «Perspektiven»-Publikationen zu Konjunktur und Finanzmärkten des Vermögensverwalters hervor, die am 30. Juli 2026 redaktionell abgeschlossen wurden.

05.08.2026, 09:28 Uhr
Asset Management

Redaktion: asc

Die zeitweilige Öffnung der Strasse von Hormus habe im Juni temporär deutlich tiefere Ölpreise gebracht und für eine Abwärtsüberraschung bei den Inflationszahlen gesorgt, schreiben die Ökonomen um Chefökonom Marc Brütsch. Mit der erneuten Eskalation des Irankriegs im Juli habe Swiss Life AM die Energiepreisannahmen bis Ende Jahr wieder nach oben korrigiert. Die Unsicherheit bezüglich Konfliktausgang und Timing bleibe hoch. Da jedoch beide Seiten kein Interesse an einer anhaltenden Blockade haben dürften, bleibe die Deeskalation und eine teilweise Normalisierung des Schiffsverkehrs das Basisszenario. Insgesamt ergäben sich deshalb kaum Änderungen an den Inflationsprognosen für 2026 und 2027.

USA: Breiter abgestütztes Wachstum, Inflation rückläufig

Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal annualisiert um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal – enttäuschend auf den ersten Blick, mit positiven Details im Hintergrund: Der Privatkonsum habe den höheren Energiepreisen getrotzt, und die Investitionen ausserhalb des KI-Bereichs seien nach vier Quartalen Rückgang wieder gewachsen. Die Inflation ging im Juni überraschend deutlich zurück, von 4,2 auf 3,5 Prozent bei der Gesamtinflation und von 2,9 auf 2,6 Prozent bei der Kerninflation. Swiss Life AM erwartet für 2026 ein US-Wachstum von 2,1 Prozent und eine Inflation von 3,3 Prozent.

Schweiz: FIFA-Fussball-WM stützt Wachstumsprognose

Für die Schweiz hebt Swiss Life AM die Wachstumsprognose 2026 um 0,2 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent an – auch wegen höherer FIFA-Lizenzeinnahmen im Zusammenhang mit der Fussball-Weltmeisterschaft, deren Sportevent-Effekt gemäss den Ökonomen stärker ausfallen dürfte als bei früheren Austragungen. Die Inflationserwartungen gelten als gut verankert; für 2026 rechnet Swiss Life AM mit 0,4 Prozent, für 2027 mit 0,8 Prozent. Verstärkten Teuerungsdruck orten die Ökonomen bei den inländischen Dienstleistungspreisen und der Mietkomponente. Die Schweizerische Nationalbank dürfte abwarten, sofern die Europäische Zentralbank keinen nachhaltigen Zinserhöhungszyklus einleitet oder die Märkte einen solchen einpreisen.

Eurozone übertrifft Erwartungen, Vereinigtes Königreich mit neuem Premierminister

Die Eurozone wuchs im zweiten Quartal mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal deutlich stärker als erwartet, getragen von Deutschland, Italien, Spanien und einer Rückkehr Irlands auf den Wachstumspfad. Im Vereinigten Königreich trat am 20. Juli Andy Burnham als neuer Premierminister sein Amt an; überraschend ernannte er den ehemaligen Verteidigungsminister John Healey zum Schatzkanzler. Zur Finanzierung der im Wahlkampf angekündigten Massnahmen habe sich Burnham bislang nur vage geäussert, so Swiss Life AM. Für China rechnen die Ökonomen 2026 mit einem BIP-Wachstum von 4,6 Prozent, nach der schwächsten Wachstumsrate seit der Pandemie im zweiten Quartal.

Finanzmärkte: KI-Rally gerät ins Stocken, defensive Ausrichtung bestätigt

An den Aktienmärkten kam die KI-Rally im Juli ins Stocken: Der US-Markt verlor über 2 Prozent, der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) brach um 27 Prozent ein. Als Gründe nennt Swiss Life AM billigere und transparentere chinesische KI-Modelle sowie zunehmende Zweifel an der Monetarisierung der enormen KI-Investitionen. Zwischen dem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25 und dem erwarteten KGV von rund 18 klaffe eine grosse Lücke. Der Aktienmarkt der Eurozone schlug den US-Markt hingegen erneut und legte seit Jahresbeginn 3 Prozent zu – bemerkenswert, da der europäische Markt ausser ASML kaum direktes KI-Exposure aufweise.

Bei der Asset Allocation bleibt Swiss Life AM bei Aktien neutral positioniert, mit leichtem Übergewicht in den USA und in Schwellenländern, wo die Bewertungen nach dem jüngsten Ausverkauf attraktiver geworden seien. Bei Staatsanleihen wird eine neutrale Haltung beibehalten, bei Unternehmensanleihen bleibt der Vermögensverwalter untergewichtet. Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger bevorzugt Swiss Life AM weiterhin Schweizer NAV-basierte Immobilien und Infrastruktur. Bei den Währungen hält der Vermögensverwalter an seiner positiven Einschätzung zum US-Dollar fest, gestützt durch günstige Realzinsdifferenzen und die robuste US-Wirtschaft.

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