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Swiss Life: Auch die SNB dürfte 2027 an der Zinsschraube drehen

Swiss Life Asset Managers die BIP-Prognose für 2026 deutlich und sieht Chancen für eine Zinserhöhung im 2027 (Bild: Swiss Life)
Swiss Life Asset Managers die BIP-Prognose für 2026 deutlich und sieht Chancen für eine Zinserhöhung im 2027 (Bild: Swiss Life)

Ein Rekordquartal, ein schwacher Franken und steigende Energiepreise: Swiss Life Asset Managers (SLAM) hebt die Wachstumsprognose für die Schweiz deutlich an und rechnet 2027 mit zwei Zinserhöhungen der Nationalbank. Trotz der weltweiten Straffung der Geldpolitik bleiben die Anlagestrategen bei Aktien übergewichtet.

02.10.2026, 07:46 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Die Schweizer Wirtschaft hat im zweiten Quartal einen Sprung gemacht, wie man ihn selten sieht. Das Bruttoinlandprodukt wuchs gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent. Lässt man die Ausschläge rund um die Pandemie weg, muss man laut den Ökonomen von Swiss Life Asset Managers bis ins vierte Quartal 1999 zurückgehen, um ein ähnlich starkes Wachstum zu finden. Auch damals steckten Sonderfaktoren dahinter, nämlich die IT-Investitionen vor dem Jahrtausendwechsel.

Heute sind es der Lagerzyklus und kräftige Exporte der Chemie- und Pharmaindustrie, die rund zwei Drittel des Wachstums erklären. Die Gegenbewegung zeichnet sich bereits ab: Hochfrequenzdaten und Exportzahlen bis August deuten für das dritte Quartal auf ein negatives Wachstum hin. Weil aber nicht der ganze Zuwachs wieder verloren gehen dürfte, hebt Swiss Life Asset Managers die BIP-Prognose für 2026 auf 2,1 Prozent an. Der Konsens liegt bei 1,7 Prozent. Für 2027 erwarten die Ökonomen 1,3 Prozent.

Aufschwung ohne Arbeitsmarkt

Auffällig ist, dass der Arbeitsmarkt vom Aufschwung kaum etwas spürt. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrt seit vier Monaten bei 3,1 Prozent, und die Zahl der Stellensuchenden ist in den vergangenen zwölf Monaten stärker gestiegen als die Zahl der offenen Stellen.

Gleichzeitig steigen die Preise. Diesel kostet an der Zapfsäule über 30 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Die Kategorie «Energie und Treibstoffe» hat im Warenkorb des Landesindex der Konsumentenpreise zwar nur ein Gewicht von 5,1 Prozent. Sie trug aber 0,46 Prozentpunkte zur Jahresteuerung von 0,8 Prozent bei.

Fenster für die SNB

Die Kombination aus schwachem Franken, höherer Kerninflation und besseren Konjunkturdaten öffnet der Schweizerischen Nationalbank aus Sicht von Swiss Life Asset Managers ein Fenster, um den Leitzins von null wegzubewegen. Die Ökonomen rechnen im ersten Halbjahr 2027 mit zwei Zinsschritten von je 25 Basispunkten. Das entspricht weitgehend den Markterwartungen. Die Rendite zehnjähriger Eidgenossen ist seit Jahresbeginn um 35 Basispunkte auf 0,6 Prozent gestiegen.

Beim Franken sehen die Strategen eine Trendwende. Die fast ununterbrochene Abwertung gegenüber dem Euro seit Ende Mai kam im September zum Stillstand. Ein Kaufkraftparitätenmodell auf Basis der Produzentenpreise weist den Franken gegenüber Euro und US-Dollar weiterhin als unterbewertet aus. Weil Swiss Life Asset Managers die Zinserwartungen der Märkte an die EZB für zu hoch hält, sieht das Haus bis Jahresende Aufwertungspotenzial für den Franken und stuft EUR/CHF von neutral auf negativ herab. Dazu kommt, dass der Yen in diesem Jahr nicht als sicherer Hafen funktioniert hat. Das hat die Rolle des Frankens gestärkt.

Für Anleger in Schweizer Aktien war der September dagegen ernüchternd. Der Markt verlor 2,1 Prozent, nur fünf der 20 SMI-Titel legten zu. Seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 7,4 Prozent, so wenig wie in keiner anderen Region im Vergleich von Swiss Life Asset Managers.

Notenbanken weltweit auf Straffungskurs

Die Schweiz ist mit ihrer Zinswende nicht allein. Die US-Notenbank hat im September die Zinsen erstmals seit Juli 2023 erhöht. Weil die Inflation bei 3,4 Prozent verharrt und die Dienstleistungspreise ohne Wohnkosten wieder anziehen, erwartet Swiss Life Asset Managers zwei weitere Zinsschritte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei 5,2 Prozent.

Auch die Europäische Zentralbank hat im September um 25 Basispunkte erhöht. Ein weiterer Schritt im Dezember sei wahrscheinlich, schreiben die Ökonomen. Für die Bank of England rechnen sie mit zwei weiteren Erhöhungen, die erste ebenfalls im Dezember. In der Eurozone erwies sich die Konjunktur trotz des Iran-Kriegs als robust. Der Citi Economic Surprise Index stieg auf den höchsten Stand seit 2023. In Frankreich hingegen ist der Risikoaufschlag für Staatsanleihen so hoch wie seit Juli 2012 nicht mehr.

Schwellenländer überraschend robust

Bemerkenswert widerstandsfähig zeigen sich die Schwellenländer, obwohl Ölpreis und US-Zinsen steigen. Der MSCI Emerging Markets legte seit Jahresbeginn 25,2 Prozent zu. Swiss Life Asset Managers nennt dafür strukturelle Gründe: glaubwürdigere Geldpolitik, bessere Leistungsbilanzen und weniger Schulden in Fremdwährung. Dazu kommt der KI-Boom. Taiwan und Südkorea profitieren als führende Chipproduzenten, Mexiko als Standort für Server, Chile und Peru als Kupferlieferanten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt unter 10. Allerdings ist der Index inzwischen stark auf Asien und wenige KI-Titel konzentriert.

Der Ölpreis ist wegen Störungen bei saudischen Pipelines und höherer Nachfrage aus China wieder über 100 US-Dollar pro Fass gestiegen. Ohne weitere Eskalation erwartet das Haus mittelfristig eine diplomatische Annäherung und wieder tiefere Preise.

Aktien bleiben übergewichtet

In der Vermögensallokation hält Swiss Life Asset Managers an der leichten Übergewichtung von Aktien fest, mit Schwerpunkten in den USA, den Schwellenländern und Europa. Europa dient dabei als Diversifikation zum KI-Thema. Staatsanleihen gewichten die Strategen neutral, mit kurzer Duration. Unternehmensanleihen mit Investment Grade bleiben untergewichtet, bei Hochzinsanleihen erwarten sie breitere Spreads. Weiterhin bevorzugt werden reale Anlagen wie Gold, Schweizer Immobilien mit NAV-Bewertung und Infrastruktur.

Begründet wird die Aktienpräferenz mit den Gewinnen. Für das dritte Quartal erwartet der Konsens bei US-Unternehmen ein Gewinnwachstum von 25 bis 30 Prozent. Weil die Gewinne schneller gestiegen sind als die Kurse, sind die Bewertungen heute tiefer als zu Jahresbeginn. Historisch folgten auf die erste Fed-Zinserhöhung eines Zyklus zwar drei schwache Börsenmonate, nach zwölf Monaten lag die Performance im Schnitt aber deutlich im Plus. Die Risiken bleiben aus Sicht des Hauses dennoch erheblich: Zinserhöhungen der Fed gingen oft Rezessionen voraus, die Kriege sind ungelöst, und die Stimmung gegenüber KI-Titeln sei zu sorglos.

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