Viel Gerede in Jackson Hole

In Jackson Hole wird das Interesse auf die Fed gerichtet sein. (Bild: Mishella/Shutterstock.com)
In Jackson Hole wird das Interesse auf die Fed gerichtet sein. (Bild: Mishella/Shutterstock.com)

Das Treffen der Notenbanker in Jackson Hole am kommenden Wochenende will sich mit den Herausforderungen der Geldpolitik befassen. Für die US-Notenbank dürfte es auch darum gehen, ihre verlorene Glaubwürdigkeit wieder zurückzugewinnen, kommentiert James McCann von Aberdeen Standard Investments.

21.08.2019, 16:12 Uhr

Redaktion: rem

Wenn am kommenden Wochenende die Notenbanker in Jackson Hole zusammenkommen und die "Herausforderungen der Geldpolitik" in den Fokus nehmen, werden sich die Gespräche auch um die geldpolitischen Ziele der Federal Reserve drehen und sicher auch darum, ob und wann die US-Notenbank die Zinsen senkt oder nicht.

"Die Fed befindet sich in einer schwierigen Situation: Sie muss den Anlegern einerseits vermitteln, dass sie am Puls der Wirtschaft ist und andererseits sollten die Notenbanker wieder mit einer konsistenten Botschaft auftreten – und das nach einigen ziemlich grossen Kommunikationspannen in den letzten Monaten", beschreibt James McCann, Senior Global Economist von Aberdeen Standard Investments, die Ausgangslage.

Es gebe jedoch eine noch viel grössere Herausforderung, die in Jackson Hole auf der Tagesordnung stehen sollte. Die Fed hat im vergangenen Jahr eine Überprüfung ihrer geldpolitischen Ziele und ihrer Mittel zu deren Erreichung initiiert, und es bestehe die Gefahr, dass die Notenbank im Vorfeld der Ergebnispräsentation Schlussfolgerungen vorwegnehme, ahnt McCann. Diese Überprüfung sei eine einmalige Gelegenheit für die Fed, um zu analysieren, was sie tut und wie sie es tut. Das sei wichtig, denn das angestrebte Inflationsziel von 2 Prozent pro Jahr hat die Fed seit 2012 – bis auf fünf Monate – jeden Monat unterschritten. "Die Anleger haben entsprechend wenig Vertrauen, dass die Fed Ihr Ziel erreicht und so ist dieses für die Wirtschaft als Referenzpunkt immer weniger wichtig", sagt der Senior Global Economist.

Referenzrahmen für das Inflationsziel verbessern

Die Fed schlägt vor, die Leitlinien dahingehend zu ändern, dass eine Art Ausgleich erfolgen soll, falls das Inflationsziel verfehlt wird. Auf diese Weise soll der Referenzrahmen für das Inflationsziel verbessert werden. Das Problem dabei sei, dass die Fed die Schuld für ihr Unvermögen, das Inflationsziel zu erreichen, nicht einzig auf die Instrumente schieben könne, die zur Verfügung stehen. "In diesem Kontext hat die Fed immer wieder das Mass frei verfügbarer Kapazitäten in der Wirtschaft unterschätzt, und gleichzeitig das Niveau des Gleichgewichtszinses überschätzt und, teilweise als Folge davon, zu hohe Inflationsraten prognostiziert", analysiert McCann.

Als Konsequenz habe die Fed nach der Krise unzureichende politische Unterstützung geleistet - und wenn sie unterstützte, wollte sie die Unterstützung mehrfach voreilig zurückziehen. "Die Fed initiierte sporadisch QE-Schübe, beging einen Politikfehler während des "Taper Tantrums“ und straffte die Geldpolitik in den letzten 18 Monaten zu leichtfertig. Mit anderen Worten, die Fed beging Fehler und nutzte nicht einmal alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente. Es ist also nicht offenkundig, wieso neue geldpolitische Leitlinien diese Fehler beheben sollen", kommentiert McCann. Selbst wenn die geldpolitischen Leitlinien das Problem wären, würde ein einfacher Wechsel zu einer anderen Leitlinie kein Allheilmittel darstellen. Alles was passieren würde, wäre die Zielsetzung von einer Vorgabe zur nächsten zu verschieben. "Wenn ein Bogenschütze eine Zielscheibe stets verfehlt, würde niemand auf die Idee kommen, dass die Lösung darin besteht, mit derselben Technik auf eine anderes Ziel zu schiessen", beschreibt McCann den Versuch der Federal Reserve, ihre verlorene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.

Der Fall Japan sollte der Fed eine Warnung sein

Um das Vertrauen der Investoren in den Referenzrahmen für das Inflationsziel wiederherzustellen, müsse die Fed viel mehr tun, als nur ihre Leitlinien zu betrachten. Sie müsse eine viel grundlegendere Debatte über ihre politischen Fehler führen und wie sie vermieden werden können. Insbesondere sollte die Fed in ihrer derzeitigen Leitlinie untersuchen, warum sie bei der Vorhersage der Inflation so schlecht ist.

"Aktuell deutet jedoch nichts darauf hin, dass die Fed ihre Fehleinschätzungen in diesem Ausmass reflektieren wird. Das ist beunruhigend. Wenn sie den eingeschlagenen Weg unbeirrt weitergeht, werden Anleger zur Überzeugung gelangen, dass sie Lösungen aufzeigt, ohne das Problem zu verstehen. Als Folge davon könnten Massnahmen zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit am Ende weiteren Schaden anrichten, niedrige Inflationserwartungen festigen und jeden zukünftigen Versuch, das Vertrauen in die Fed wiederherzustellen, erheblich erschweren", befürchtet McCann und führt den Fall der Bank of Japan an, welcher der Fed eine Warnung sein sollte: "Sie bastelte an ihrer Leitlinie, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, kam dann nicht einmal in die Nähe ihres Inflationsziels und verlor dabei noch mehr Glaubwürdigkeit."

Nach Meinung des Senior Global Economist von Aberdeen Standard Investments wäre Jackson Hole das ideale Forum, um die Probleme an der Wurzel der Geldpolitik anzugehen. "Doch wenn die falschen Dinge diskutiert werden, riskiert man den Eindruck zu erwecken, das Problem nicht zu verstehen. Noch ist es nicht zu spät, die Fehler auf dem Weg zu korrigieren. Aber die Uhr tickt", schliesst McCann seine kritische Beurteilung.

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