Clean-Energy im Wandel der Zeit

Die weltweite Umstellung auf eine saubere Energieversorgung erfordert enorme Investitionen. (Bild: Shutterstock.com/Hrui)
Die weltweite Umstellung auf eine saubere Energieversorgung erfordert enorme Investitionen. (Bild: Shutterstock.com/Hrui)

Die globale "Net Zero"-Offensive ist in vollem Gange, angetrieben von immer ambitionierteren klimapolitischen Vorgaben und dem Druck der Konsumenten und Anleger. Dadurch eröffnen sich laut Nima Pouyan von Invesco enorme Anlagechancen in allen Bereichen des Clean-Energy-Universums.

03.06.2021, 09:55 Uhr

Redaktion: vik/rem

Die weltweite Umstellung auf eine saubere Energieversorgung wird voraussichtlich Investitionen in Höhe von mehreren Billionen USD erfordern. Die geschätzten 800 Milliarden USD¹ für die Umsetzung der Klimaschutzvorgaben des Pariser Abkommens, seien nur der Anfang – die gesamte Energieinfrastruktur müsse umgebaut und aufgerüstet werden, sagt Nima Pouyan von Invesco. "Aus den staatlichen Konjunkturpaketen sollen viele Milliarden in Klimaschutz und Energiewende fliessen. Gleichzeitig investieren immer mehr Unternehmen in die Dekarbonisierung und eine Verbesserung ihres ökologischen Fussabdrucks", so der ETF-Experte.

Das eröffne Anlagechancen in Unternehmen, die zur Energiewende und einem nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen beitragen oder davon profitieren. Das Anlageuniversum reiche von Unternehmen, die in den Bereichen Wind-, Solar- und Wasserkraft, Biokraftstoffe und anderen erneuerbaren Energieträgern tätig sind, bis hin zu Anbietern innovativer Technologien für Energieumwandlung, -speicherung, -einsparung und -effizienz.

Hinter dem Anlagethema "Clean Energy“ sieht Pouyan drei wesentliche Treiber: der politische Imperativ, die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der erneuerbaren Energien und die geplanten Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors in den Energiesektor.

Politische Dynamik nimmt Fahrt auf

Seit 196 Staaten mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 den Hebel in Richtung Klimaneutralität umgelegt haben, geben immer mehr Länder weltweit Pläne und konkrete Zeitfenster für die Realisierung des Ziels "null Emissionen“ bekannt. "Die Europäische Union und Grossbritannien haben bereits konkrete Aktionspläne vorgestellt. In den USA hat die neue Regierung ihr Wahlversprechen einer zu 100 Prozent sauberen Energiewirtschaft mit Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050 und einer Dekarbonisierung der gesamten US-Stromerzeugung bis 2035 zwar noch nicht formalisiert – die Hoffnung auf einen Wandel in der US-Klimapolitik ist aber geweckt", konkretisiert Pouyan. Gleiches gelte für China, wo das von der Regierung ausgelobte Ziel, bis 2060 die Klimaneutralität zu erreichen, noch festgeschrieben werden und seinen Niederschlag in konkreten politischen Massnahmen finden müsse.

Im November findet der nächste Klimagipfel, COP26, statt. Bis dahin dürften sich nach Einschätzung Pouyans noch mehr Länder zur Netto-Null verpflichten und andere ihre Ziele konkretisieren. Durch weitere gesetzliche und regulatorische Initiativen mit potenziell noch ambitionierteren Zielen könnte der Clean-Energy-Sektor also noch mehr Rückenwind erhalten.

Genauso wichtig wie die staatlichen Verpflichtungen zum Ziel der Klimaneutralität sei eine korrekte Investitionsrechnung. "Mittlerweile gibt es wirtschaftliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen", sagt der Experte und spezifiziert, dass die Solarenergie schon bald die kostengünstigste Stromquelle sein werde. Der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) zufolge werden erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie schon weit vor 2040 billiger sein als Öl, Erdgas und Thermalenergie. Durch den technologischen Fortschritt und Subventionen für eine effizientere Kapitalallokation im Energiesektor seien Investitionen in Erneuerbare-Energie-Anlagen deutlich effizienter geworden.

Mehr Geld für grüne Investitionen

Den dritten grossen Treiber des Clean-Energy-Wachstums sieht der ETF-Spezialist in den für die kommenden Jahre geplanten Investitionen. Nationale Regierungen und supranationale Institutionen unterstützen seiner Ansicht nach zunehmend ehrgeizige Ziele in Bezug auf die Umstellung auf erneuerbare Energien in allen Wirtschaftssektoren und unterstreichen damit die Bedeutung der Energieeffizienz in der Post-Covid-Welt. "In der Europäischen Union sollen 30%² der mit dem neuen EU-Haushalt bereitgestellten Mittel und 37%³ des Pandemie-Hilfsprogramms Recovery and Resilience Facility in grüne Investitionen fliessen, das heisst in Technologien, die zu den von der EU definierten Umweltzielen beitragen", erläutert Pouyan.

Auch der private Sektor werde eine wichtige Rolle in der Finanzierung der "Net Zero“-Offensive spielen. Das sei nicht zuletzt eine Reaktion auf das deutlich klimabewusstere Konsumverhalten der Verbraucher und entsprechende nachfrageseitige Veränderungen. "Bei Anlageentscheidungen spielen Nachhaltigkeit und ESG-Faktoren ebenfalls eine immer grössere Rolle. Die hohen Anlagezuflüsse in Nachhaltigkeits- oder Klimastrategien und -produkte belegen dies sehr deutlich", sagt der Spezialist.

Für das Clean-Energy-Thema werden seiner Ansicht nach insbesondere der Versorgungs- und Energiesektor eine wichtige Rolle spielen. Beide verfügen über die nötige Liquidität und technische Expertise, um vielversprechende Innovationen voranzutreiben, und sind in diesem Bereich bereits sehr aktiv. Besonders hoch sei das Innovationstempo bei der erneuerbaren Stromerzeugung, Biokraftstoffen und Wasserstoff – drei Bereichen, die für die Regierungen von entscheidender Bedeutung seien, um ihre kurz- und längerfristigen Klimaziele zu erreichen.

Ein Blick in die Glaskugel

Die Abwendung der Klimakatastrophe sei die grösste und wohl drängendste Herausforderung unserer Zeit. Der durch die "Net-Zero“-Offensive angestossene Paradigmenwechsel werde sich auf alle Wirtschaftssektoren auswirken, am meisten aber auf den Energiesektor. Denn: Dreh- und Angelpunkt der Lösungen für die Klimaherausforderung sei die Umstellung auf sauberere Energiequellen. "In den nächsten 30 Jahren wird sich die Art und Weise, wie wir leben und Energie erzeugen, grundlegend verändern. Dadurch werden sich potenziell enorme Wachstumschancen in diesem vielfältigen und sich schnell entwickelnden Bereich eröffnen", so der Invesco Experte.

Beiträge zur Lösung der Umweltkrise seien ein wesentlicher Aspekt jeder ESG-Strategie. "Mit einem Clean-Energy-Investment können Investoren ihr Portfolio nachhaltiger ausrichten und am Potenzial eines der grössten Wachstumsthemen unserer Zeit teilhaben", hält Pouyan abschliessend fest.

1 Quelle: Whitepaper Invesco, "Clean Energy: what’s driving the growth and where is the sector headed?“, Februar 2021

2 Quelle: Europäischer Aufbauplan, Dezember 2020.

3 Quelle: "Green Recovery Tracker“ des Wuppertal Instituts und E3G, März 2021

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