"Ein Finanzplatz kann nur wachsen, wenn er auch integer ist"

Die Schweiz rangiert im internationalen Vergleich bei Finanzmarktregulierung, Transparenz und Compliance immernoch in den top Ten. (Bild: Shutterstock.com/BCFC)
Die Schweiz rangiert im internationalen Vergleich bei Finanzmarktregulierung, Transparenz und Compliance immernoch in den top Ten. (Bild: Shutterstock.com/BCFC)

Die Schweiz ist im diesjährigen Global Financial Regulation, Transparency, and Compliance Index nach Rang 1 im Jahr 2020 und Platz 4 in 2021 auf Platz 7 zurückgefallen. Alfred Mettler vom Swiss Finance Institute und Jörg Gasser, CEO der Bankiervereinigung diskutieren die Resultate.

10.05.2022, 17:20 Uhr

Redaktion: rem

Die Schweiz steht im internationalen Vergleich bei Finanzmarktregulierung, Transparenz und Compliance weiterhin gut da, wie die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) aufgrund des kürzlich publizierten Global Financial Regulation, Transparency, and Compliance Index des Swiss Finance Institute (SFI) festhält. Sie rangiert in dem als Meta-Index konzipierten Ranking knapp hinter Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Irland und Frankreich auf Rang 7, nach Rang 1 im Jahr 2020 und Platz 4 in 2021.

Podcast

SFI Adjunct Professor Alfred Mettler und Jörg Gasser, CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), diskutieren im Podcast "Stimmen des Finanzplatzes" die Resultate des aktuellen Index.

Im SBVg-Podcast "Stimmen des Finanzplatz" erklärt Professor Alfred Mettler vom Swiss Finance Institute, dass dies vor allem der Umsetzung des Basel-III-Regelwerks in der Europäischen Union (EU) geschuldet sei. Während die Schweiz die Vorgaben termingerecht umgesetzt habe, sei dies in der EU verspätet erfolgt und führe dazu, dass die EU-Länder nun nach oben gekommen seien. Allerdings ist für Mettler die konkrete Platzierung nur bedingt aussagekräftig: "Es ist entscheidend, ob man im oberen Drittel oder im unteren Drittel ist."

Internationale Standards einhalten

SBVg-CEO Jörg Gasser betont, dass es für die Schweiz eminent wichtig sei, dass sie die internationalen Standards einhält. "Es ist nicht so, dass die Schweiz schlechter geworden ist." Die Schweiz habe sehr früh die Basel-III-Anforderungen erfüllt und das Resultat dieser und weiterer Anstrengungen spiegele sich demnach im Index wider: "Seit Beginn des Index spielen wir oben mit", sagt Gasser. Und Mettler ergänzt: "Die Schweiz hat sich leicht verbessert. Die EU-Länder haben einfach das gemacht, was sie schon lange hätten machen müssen." Im Vergleich zu den international grössten Finanzplätzen präsentiere sich die Schweiz im Index auf einer guten Position. Mit Blick auf die besser platzierten Finnland, Schweden, Dänemark, Estland, Irland und Frankreich fragt Mettler: "Welches dieser Länder spielt in der obersten Liga der internationalen Finanzplätze mit?" Das sei eben in erster Linie die Schweiz.

Grossbritannien zurückgefallen

Klar zurückgefallen sei hingegen Grossbritannien aufgrund des Austritts aus der EU: Mit dem Brexit gelte dort nun das britische Recht. Andere internationale Finanzplätze sind nicht Teil des Index, wie Gasser bemerkt und er fragt im Podcast, warum das so sei. Dass Länder wie Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate nicht auftauchen, habe mit der Konstruktion des Index zu tun, antwortet Mettler. Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate würden nicht in allen für den Meta-Index genutzten Statistiken geführt.

Luft nach oben

Fortschritte in dem Index könne die Schweiz machen, wenn sie die Unterstellung von Treuhändern und Anwälten unter das Geldwäschereigesetz umsetze, sagt Mettler. "Da kommt die Schweiz immer wieder ins Rampenlicht." Gasser ergänzt, dass das Ende dieser Geschichte noch nicht geschrieben sei. Die Branche habe dieses politische Anliegen bekanntlich unterstützt. "Ich bin überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist." Ein Finanzplatz könne nur wachsen, wenn er nicht nur kompetitiv, sondern auch integer sei, sagt Gasser.

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