Fed schickt Anleihenrenditen auf 19-Jahres-Hoch – was das für Schweizer Investoren bedeutet

Nach dem Fed-Entscheid gerät der Dollar unter Druck und die Anleihenmärkte reagieren nervös (Bild: Adobe Stock)
Nach dem Fed-Entscheid gerät der Dollar unter Druck und die Anleihenmärkte reagieren nervös (Bild: Adobe Stock)

Nach dem Entscheid der US-Notenbank von Mittwoch reagieren die Anleihenmärkte nervös. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit 2007. Was heisst das für Schweizer institutionelle Investoren?

30.07.2026, 08:47 Uhr
Notenbanken

Die US-Notenbank (Fed) hat ihren Leitzins am Mittwoch zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Der Entscheid fiel, obschon der von Donald Trump angeführte Konflikt mit dem Iran die Sorge vor einem neuerlichen Inflationsschub befeuert. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh betonte an der Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung, die Notenbank werde in ihrem Kampf gegen die Teuerung nicht «wanken».

Anleihenmärkte reagieren mit Renditesprung

Im Nachgang schoss die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen um 0,14 Prozentpunkte auf 5,23 Prozent nach oben. Das ist laut der «Financial Times» der höchste Stand seit 2007 und die grösste Tagesbewegung seit den Verwerfungen rund um Trumps «Liberation Day»-Ankündigung im April 2025. Investoren werten den Anstieg als Signal, dass die durch steigende Ölpreise und den nahezu zum Erliegen gekommenen Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz ausgelöste Teuerung nicht mehr allein über konventionelle geldpolitische Kanäle einzudämmen ist.

Bemerkenswert ist dabei die Bewegung der gesamten Zinskurve: Während die Renditen kurzlaufender Titel sinken, weil Investoren ihre Wetten auf eine baldige Zinserhöhung zurückfuhren, verlangten sie für langlaufende Anleihen einen deutlich höheren Aufschlag als Kompensation für künftige Inflationsrisiken. Diese Versteilung der Kurve gilt gemäss Marktbeobachtern als eine der ausgeprägtesten seit Mitte der 1990er-Jahre nach einem Fed-Entscheid und wird von Marktteilnehmern als Zeichen gewertet, dass Warshs geldpolitische Strategie an Glaubwürdigkeit einbüsst. Auch der Dollar geriet unter Druck.

Marktbeobachter sprachen von einem «hawkishen Halt»: Die Notenbank habe die Zinsen zwar nicht angehoben, signalisiere über die Reaktion der Marktzinsen zwischen den Sitzungen aber implizit eine Straffung. Ökonomen und Marktstrategen zeigten sich nach der Pressekonferenz teils kritisch. Ein Portfoliomanager bei Brandywine Global brachte die Verunsicherung auf den Punkt: Der lange Laufzeitbereich glaube Warshs Inflationsbekämpfungs-Narrativ schlicht nicht.

Beobachter monierten zudem, Warsh habe nicht überzeugend erklärt, weshalb die Notenbank trotz der Risikolage nicht gehandelt habe – ein Umstand, der die Glaubwürdigkeit der Fed zusätzlich belasten dürfte, zumal Warsh erst vor rund zwei Monaten von Präsident Trump an die Spitze der Notenbank berufen wurde und Fragen zur politischen Unabhängigkeit der Institution seither nicht verstummt sind. Zusätzlich befeuert wurde die Verunsicherung dadurch, dass Warsh entgegen der Praxis seiner Vorgänger keine Signale zu seinem Auftritt in Jackson Hole Ende August geben wollte und dies als «unbeschriebenes Blatt» bezeichnete. Die Teuerung lag im Mai bei 4,1 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent, das seit über fünf Jahren verfehlt wird.

Was das für Schweizer institutionelle Investoren bedeutet

Für Schweizer Anleger ist der Renditesprung zunächst ein Durationsthema: Wer länger laufende US-Treasuries hält, sieht sich mit spürbaren Kursverlusten konfrontiert, während neu zu investierende Gelder zu höheren Renditen einsteigen können. Gleichzeitig dürfte sich die Absicherung von US-Dollar-Positionen in Franken verteuern, sollte sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Schweiz weiter ausweiten – ein Effekt, den Investoren bei der Neuausrichtung ihrer Fremdwährungsquoten einkalkulieren müssen.

Der direkte geldpolitische Übertragungskanal in die Schweiz bleibt demgegenüber begrenzt. Die Schweizerische Nationalbank hält ihren Leitzins bei 0 Prozent, die Rendite zehnjähriger Bundesobligationen notiert bei rund 0,46 Prozent und damit weiterhin auf sehr tiefem Niveau. Zwar tendieren geopolitische Eskalationsphasen erfahrungsgemäss dazu, den Franken als sicheren Hafen zu stärken, was die Frankenstärke tendenziell begünstigt und Exporteure sowie exportorientierte Portfolios belasten kann. Ein unmittelbarer Gleichlauf mit den US-Langfristzinsen ist historisch aber nicht gegeben, da SNB-Geldpolitik und Inlandsinflation die hiesige Zinskurve dominieren.

Randnotiz: Hypothekarmarkt bleibt vorerst stabil

Auch für den Schweizer Immobilien- und Hypothekarmarkt ist mit keinem unmittelbaren Schock zu rechnen. Zehnjährige Festhypotheken bewegen sich aktuell in einer Bandbreite von rund 1,5 bis gut 2 Prozent, und die Konsensprognose unter Schweizer Banken geht von einem bei 0 Prozent verharrenden SNB-Leitzins über das gesamte Jahr 2026 aus. Ein moderater Anstieg der Festhypothekarzinsen um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte gilt als möglich, sollte sich der internationale Renditedruck über die Zeit stärker in den Schweizer Kapitalmarkt übertragen – ein «Zinsschock» wie in den USA zeichnet sich aus heutiger Sicht aber nicht ab.

Alle Artikel anzeigen

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen eine bestmögliche Nutzung zu ermöglichen. Mit der Annahme der Cookies bestätigen Sie, dass Sie ein professioneller Anleger mit Sitz in der Schweiz sind.> Datenschutzerklärung