«Feinschliff für den Diamanten»

Thorsten Schrieber ist seit Juli 2026 Sprecher der Geschäftsführung der ACATIS Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH (Bild: ACATIS)
Thorsten Schrieber ist seit Juli 2026 Sprecher der Geschäftsführung der ACATIS Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH (Bild: ACATIS)

Der neue ACATIS-CEO Thorsten Schrieber will sanft modernisieren, gezielt Schwung geben: Gemeinsam mit Thomas Bosch, Dr. Claudia Giani-Leber und Dr. Hendrik Leber will er Bewährtes fortführen – und das Profil der Marke behutsam schärfen. Auch in der Schweiz.

28.07.2026, 13:50 Uhr

Herr Schrieber, Sie haben zwar erst zu Monatsbeginn als Sprecher der Geschäftsführung bei ACATIS angefangen, aber sicher schon erste Eindrücke gesammelt. Was sind die grössten Unterschiede zu Ihrem vorigen Arbeitgeber, der DJE Kapital AG in Pullach bei München?

Zunächst ist es ein kleineres Haus. Als ich 2007 bei Dr. Jens Ehrhardt angefangen habe, war ich Mitarbeiter Nummer zwölf. Heute, 19 Jahre später, ist das Team auf über 200 Leute angewachsen. Bei ACATIS finde ich 50 Namen auf der Telefonliste. Das ist ein erheblicher Unterschied, aber das Unternehmen ist damit auch nicht so über sichtlich, dass ich mir anmasse, nach so kurzer Zeit schon Einblick in alles zu haben. Beim Produktspektrum sind die Unterschiede gar nicht mal so gross. Hier wie dort liegt der Schwerpunkt auf globalen Aktien- und Multi-Asset-Fonds. Die Renten-Kompetenz dürfte hier stärker ausgeprägt sein, wie man am ACATIS Euro High Yield und am ACATIS IFK Value Renten sieht.

Und in der Anlagephilosophie?

Beide Häuser sind value-orientiert. Bei ACATIS steht naturgemäss der Name Warren Buffett im Mittelpunkt, der bei DJE keine so grosse Rolle spielte. Da Momentum in den vergangenen Jahren ein recht erfolgreicher Investmentansatz war, agierte man bei DJE zuletzt auch etwas opportunistischer, ohne natürlich den wertorientierten Anlagestil aus den Augen zu verlieren. Aber insgesamt scheint mir die Stilkonsistenz des ACATIS-Teams grösser zu sein. Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Portfoliomanagement ist ACATIS seit Jahren weit vorne. Das ist in Pullach erst im Aufbau.

Als neuer CEO will man in aller Regel für frischen Wind sorgen. Was werden Sie ändern, um ACATIS zukunftsfähig aufzustellen?

Da ich in erster Linie für Vertrieb und Marketing zuständig bin, habe ich vor allem die Sales-Seite im Blick. Es gibt noch einige weisse Flecken auf der Landkarte, die es zu tilgen gilt. Dazu werden wir uns personell weiter verstärken. Zudem steckt das Spezialfondsgeschäft mit institutionellen Kunden noch in den Kinderschuhen. Das würde ich gerne ausbauen, denn aus Publikumsfonds fliessen in aller Regel Mittel ab, wenn die Börse schlecht läuft. In solchen Zeiten kann ein starkes Insti-Geschäft, etwa in der Schweiz, stabilisierend wirken. Was mir wichtig ist: Ich trete nicht an, um alles umzuwälzen, sondern werde – immer in Abstimmung mit den drei anderen Geschäftsführern – behutsam vorgehen, auch was die Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit angeht.

Aber ist ACATIS nicht genau hier mit Podcasts, Webinaren und Veranstaltungen einer der Vorreiter der Branche?

Selbstverständlich. Aber das heisst nicht, dass es keinen Modernisierungsbedarf gäbe. Das Potenzial der Marke ACATIS ist meiner Meinung nach noch nicht komplett gehoben, vergleichbar mit einem Diamanten, dem noch der Feinschliff fehlt. Bei DJE habe ich in der Corona-Zeit die Digitalisierung vorangetrieben. Beispielsweise können Videos mithilfe von KI längst automatisch übersetzt werden. Die nächste Börsenkorrektur wird früher oder später kommen. Wenn Kollege Dr. Leber dann in einem fünfminütigen Statement er klärt, dass die Welt davon nicht untergeht, warum soll das nur in deutscher Sprache verfügbar sein? Warum nicht auch auf Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch – alles Märkte, in denen wir aktiv sind? Und was öffentliche Auftritte angeht, muss ohnehin nicht alles an ihm hängenbleiben.

Nun, er ist der Gründer und das Ge sicht von ACATIS …

Das ist auch gut so, aber wir haben in der zweiten Reihe junge, im höchsten Masse kompetente Leute im Fondsmanagement, die uns zu noch mehr Bekanntheit verhelfen könnten, gerade bei der Generation, die sich vorwiegend über Social Media-Kanäle informiert. Diesen hervorragenden Unterbau möchte ich besser in Szene setzen – natürlich auch das nicht mit der Holzhammer Methode, sondern immer in enger Abstimmung mit dem Ehepaar Leber, mit dem ich schon seit der Gründung von ACATIS im regelmässigen Austausch stehe. Am Ende des Tages geht es darum, die Leute mitzunehmen.

Nehmen die Leute auch Sie mit? Entspricht die ACATIS-Philosophie Ihrem Anlagestil?

Absolut. Zum Beispiel habe ich den ACATIS Datini Valueflex und den neuen Altersvorsorgedepot UCITS ETF im Depot, aber natürlich auch noch Fonds meines ehemaligen Arbeitgebers.

Keine Einzelaktien?

Das habe ich mir abgewöhnt. Ich war bei DJE zwar Mitglied des Strategie-Teams, aber die zündenden Ideen konnte ich wegen der strengen Compliance-Richtlinien privat nicht umsetzen. Seitdem konzentriere ich mich eben auf Fonds – und mir fehlt nichts. Vor allem der Datini macht mir mit einem Plus von 13 Prozent in diesem Jahr viel Freude.

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