16.06.2026, 10:57 Uhr
In den vergangenen 15 Jahren galten Schwellenländermärkte meist als Synonym für Enttäuschung. Diese Wahrnehmung steht zunehmend im Widerspruch zur strukturellen Realität dessen, was aus dieser Anlageklasse...
Die Details des Abkommens zwischen den USA und Iran sind noch nicht bekannt. Doch für Nabil Milali, Portfolio Manager bei Edmond de Rothschild Asset Management, ist klar, was Investorinnen und Investoren in erster Linie interessiert: die Wiedereröffnung der Strasse von Hormus, die ab Freitag, dem offiziellen Unterzeichnungsdatum in Genf, in Kraft treten soll.
Zwar haben die inoffiziellen Öltransporte durch die Meerenge in den vergangenen Wochen bereits deutlich zugenommen. Die gesunkene Angriffsgefahr dürfte aber noch mehr Reedereien dazu bewegen, die Durchfahrt zu wagen – zumal die Versicherungsprämien voraussichtlich schrittweise sinken werden. Dennoch warnt Nabil Milali, Portfolio Manager bei Edmond de Rothschild Asset Management (EDRAM), vor übertriebener Euphorie: «Es dürfte mehrere Monate dauern, bis sich die Lage am Ölmarkt normalisiert», so der Experte. Denn in mehreren Förderländern war die Produktion vollständig zum Erliegen gekommen, und die Tanker brauchen Zeit für mehrfache Fahrten nach Asien oder Europa. Die globalen Ölreserven befinden sich bereits auf historisch tiefen Niveaus – die Energiepreise dürften deshalb vorerst höher bleiben als vor dem Krieg.
Dennoch empfiehlt Milali, den Blick nach vorne zu richten: Das Ausbleiben eines globalen Rezessionsszenarios oder eines anhaltenden Inflationsschocks wiegt schwerer als die kurzfristige Angebotsknappheit. Die Marktreaktion spricht für sich: sinkende Staatsanleiherenditen, engere Credit Spreads, fallende Volatilität und deutlich steigende Aktienindizes.
Trotz der Auflösung des Nahostkonflikts blieb die erhoffte Sektor- und Geografierotation hin zu den zuletzt am stärksten unter Druck geratenen Marktsegmenten bisher aus. Im Gegenteil: Europäische Indizes underperformen gegenüber US-amerikanischen und asiatischen Pendants – angetrieben wird die Rallye erneut vom Technologiesektor. Begünstigt wird dies durch Bewertungen, die nach der Korrektur der Vorwoche auf weniger extreme Niveaus zurückgekehrt sind – was Edmond de Rothschild AM dazu bewogen hat, Aktienindizes, insbesondere US-amerikanische, wieder positiv zu beurteilen.
«Die Outperformance des Momentum-Faktors ist unübersehbar», sagt Milali, «aber eine Trendumkehr ist derzeit schwer vorstellbar – denn die Investitionen in KI-Infrastruktur werden laufend nach oben revidiert, und der Optimismus bezüglich zukünftiger Modell-Performance bleibt intakt.»
Immerhin gewinnen zyklische Sektoren wie zyklischer Konsum und Bau wieder an Fahrt – ebenso europäische Small Caps, vor allem aus Deutschland. Diese könnten profitieren, sollte das deutsche Konjunkturprogramm gegen Jahresende wie von Berlin versprochen an Fahrt aufnehmen.
Milali bleibt sowohl bei Investment-Grade- als auch bei High-Yield-Anleihen konstruktiv positiv und hält an einer positiven Einschätzung für Staatsanleihen fest – mit Präferenz für das kurze Laufzeitende. «Wir erachten die Erwartungen an Leitzinserhöhungen als übermässig pessimistisch – sowohl für die EZB als auch für die Fed», so der Portfoliomanager.
Die Inflation dürfte ihren Höhepunkt erreicht haben oder kurz davor stehen. Selbst wenn die Energiepreise nicht auf ihr Vorkrisenniveau zurückkehren, sollte ihr Beitrag zur Inflationsdynamik graduell abnehmen. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Daten auf beiden Seiten des Atlantiks keine Anzeichen von Zweitrundeneffekten. Anders als beim Schock von 2022 sei die Nachfrage heute nicht übermässig stark, der Arbeitsmarkt bei weitem nicht so angespannt – was eine Lohn-Preis-Spirale verhindern dürfte.
In Europa spricht die wirtschaftliche Abschwächung dafür, dass die EZB zumindest pausiert und maximale Flexibilität für ihre nächste Entscheidung bewahrt. In den USA dürfte die Ernennung von K. Warsh zu einer etwas taubenhafteren Kommunikation führen – allein schon durch das Signal, dass eine Zinserhöhung trotz der robusten US-Konjunktur keineswegs ausgemacht sei.