Swahn: "Facebook ist aus ESG-Aspekten problematisch"

Johan Swahn, Manager des Nordea 1 Global Stars Equity Fund
Johan Swahn, Manager des Nordea 1 Global Stars Equity Fund

Während Facebook für Johan Swahn, Manager des Nordea 1 - Global Stars Equity Fund nicht für eine ESG-Anlage in Frage kommen, investiert er auch in nachhaltige Unternehmen in der Autoindustrie.

15.06.2020, 15:55 Uhr

Redaktion: cwe

ESG-Strategien haben den breiteren Markt seit Beginn der COVID-19-Turbulenzen übertroffen. War dies nur ein kurzfristiges Phänomen oder der Beginn eines längeren Trends?

Johan Swahn: Als ESG-fokussierter Investmentmanager mag ich ein wenig voreingenommen sein, aber ESG und Nachhaltigkeit waren vor dem Coronavirus wichtig und werden auch nach der Pandemie zweifellos von entscheidender Bedeutung sein. Die Welt bewegt sich in eine nachhaltige Richtung, und hier müssen wir als Investmentmanager aktiv sein – nicht nur, um eine bessere Welt zu schaffen, sondern auch, um unseren Kunden überlegene Renditen zu bieten.

Bei den Nordea-Stars Strategien werden Unternehmen in Bezug auf ESG mit A, B und C bewertet. Wie bilden Sie daraus ein Portfolio?

Unsere Global Stars-Strategie zielt darauf ab, eine starke risikoadjustierte Performance gegenüber dem Markt und anderen Wettbewerbern zu erzielen, jedoch mit einem nachhaltigen Fussabdruck. Dazu teilen wir unser Universum in drei Kategorien. Unternehmen mit C-Rating sind in Bezug auf unsere ESG-Standards problematisch und werden daher automatisch ausgeschlossen. Hier finden wir viele kohlenstoffintensive Energie- und Bergbauaktien sowie z. B. solche im Bereich Tabak und Waffen. Es gibt auch Unternehmen aus vielen anderen Branchen im C-Bereich. So zum Beispiel auch Facebook, von denen wir nicht glauben, dass sie ihre Probleme in den letzten Jahren besonders gut gelöst haben. Idealerweise suchen wir nach Aktien im A-Segment, in denen die Geschäftsmodelle in der Regel Teil der Lösung vieler ESG-Probleme der Welt sind. Um jedoch ein optimales risikoadjustiertes Renditeprofil zu erzielen, allozieren wir manchmal auch neutrale Unternehmen mit B-Rating. Sie sind möglicherweise keine ESG-Führer, aber bereit, einen Dialog mit uns aufzunehmen. Ein Engagement kann hier langfristig zu besseren ESG-Profilen und damit auch zu besseren und nachhaltigeren Renditen führen.

Können Sie uns eine Vorstellung davon geben, wie Ihre allgemeine Anlagephilosophie in der Praxis funktioniert?

Neben den ESG-Kriterien ist die Identifizierung des „Rückenwinds“ einer Aktie eines der wichtigsten Investitionskonzepte. Wenn eine Aktie positiven Trends ausgesetzt ist, ist es natürlich einfacher zu wachsen. Zudem verringert es auch das Risiko. Ein gutes Beispiel ist die Autoindustrie. Renault, einer der weltweit grössten Hersteller von Originalausrüstung, ist derzeit Gegenwind aus mehreren Richtungen ausgesetzt – wie z. B. einem harten Preiswettbewerb und kostspieligen EU-Abgasvorschriften. Der Aktienkurs blieb lange Zeit hinter dem Markt zurück, und wir gehen davon aus, dass dies auch weiterhin der Fall sein wird. Während Autoliv an denselben Endmarkt wie Renault gebunden ist, hat es einen anderen Produktmix. Das Unternehmen produziert Sicherheitsausrüstung wie z.B. Sicherheitsgurte und Airbags für Autos, und rettet damit jedes Jahr Tausende von Menschenleben. Autoliv profitiert von einem behördlichen Rückenwind, da die Behörden möchten, dass die Hersteller immer mehr Sicherheitsmerkmale in ein Fahrzeug einbauen. Mit weiteren Wettbewerbsvorteilen hat Autoliv den globalen Aktienmarkt durchweg übertroffen, obwohl es sich im gleichen Markt wie Renault bewegt.

Haben Sie noch weitere Beispiele?

An anderer Stelle im Automobilbereich war Littelfuse das erste von unserem ESG-Analysten ins Portfolio aufgenommene Unternehmen, das über seine Komponenten mit dem Thema Elektrofahrzeuge verbunden ist. Wie wir beim Investieren sagen: In einem Goldrausch wollen Sie nicht die Person sein, die nach Gold gräbt, Sie wollen die Person sein, die die Schaufeln verkauft. Mit der Umstellung der Fahrzeugflotten von Verbrennungsmotoren auf Hybride und Elektromotoren wächst der potenzielle Markt für Littelfuse ständig. Die Aktie hat den Markt deutlich übertroffen, und wir würden erwarten, dass sich dies fortsetzt.

Was ist für Sie und das Team im Hinblick auf das Engagement mit Unternehmen am wichtigsten?

Dies hängt von der Firma ab, mit der wir sprechen. Für Unternehmen mit einem problematischeren ESG-Profil oder erhöhten Risiken im Zusammenhang mit ihrem Geschäftsmodell konzentrieren wir uns offensichtlich verstärkt darauf, wie das Managementteam diese Risiken verwaltet und welche Prozesse vorhanden sind. Bei den Unternehmen mit positivem ESG-Profil werden wir uns stärker darauf konzentrieren, wie das Unternehmen Umsatz und Ergebnis steigern und Chancen nutzen kann.

Können Sie uns erläutern, wie die Portfoliomanager Ihrer Stars-Strategien mit ESG-Analysten zusammenarbeiten?

Man kann sagen, ESG ist fest in die DNA unseres Investmentteams eingebunden. Der einzigartige Aspekt bei Nordea ist die Integration mit einem engagierten ESG-Spezialisten, der in unser Team eingebettet ist. Unsere ESG-Analysten begleiten uns auf jedem Schritt des Anlageprozesses – sie nehmen an täglichen und wöchentlichen Besprechungen sowie an der Ideenfindung und Fallpräsentation teil. Dieser ganzheitliche Ansatz bietet viele Vorteile: Die „traditionellen“ Portfoliomanager können ESG-Probleme besser verstehen und einschätzen, während die ESG-Analysten bessere Einblicke in den gesamten Anlageprozess erhalten.

Gibt es auch schon mal zu Meinungsverschiedenheiten?

Kaum. Die ESG-Analysten haben sich von einer „ESG-Polizei“, die eine einfache Ja- oder Nein-Entscheidung über eine Investition lieferte, zu einem Teil des Teams entwickelt, der einen vollwertigen Beitrag zu Anlageideen und zur Generierung von Performance liefert. Da wir während des gesamten Investitionsprozesses seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten, sind die Meinungsverschiedenheiten, mit denen wir vor einem Jahrzehnt möglicherweise noch konfrontiert waren, heute nicht sehr häufig.

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