09.06.2026, 07:33 Uhr
Im Zuge der anhaltenden Nachfrage nach Computer- und Speicherchips zum Ausbau Künstlicher Intelligenz ist Südkoreas Wirtschaftsleistung im ersten Quartal um 1,8 Prozent gestiegen.
Die Schweizer Asset-Management-Industrie hat 2025 ihren Wachstumskurs fortgesetzt und ihre Position als drittgrösster Standort Europas gefestigt. Die Swiss Asset Management Study 2026 von AMAS und zeb zeigt jedoch ein strukturelles Problem: Das Plus stammt überwiegend aus der Marktentwicklung – nicht aus echtem Neugeschäft.
Die in der Schweiz verwalteten Vermögen stiegen 2025 um 8,2 Prozent auf CHF 3,73 Billionen und erreichten damit einen neuen Höchststand. Es ist das stärkste Jahreswachstum seit 2020. Die Schweiz behauptet damit hinter Grossbritannien und Frankreich den dritten Platz in Europa und stabilisiert ihren Marktanteil bei rund 11 Prozent – mit wachsendem Abstand zu Deutschland.
Getragen wurde das Wachstum von den diskretionären Mandaten, die mit rund CHF 125 Milliarden Zuwachs nahezu die Hälfte des Plus ausmachten. Die Schweizer kollektiven Kapitalanlagen legten solide um etwa CHF 122 Milliarden zu, die in der Schweiz verwalteten ausländischen Vehikel um rund CHF 35 Milliarden. Die Industrie beschäftigte 10’580 Mitarbeitende, erwirtschaftete einen Gewinn von CHF 4,9 Milliarden und steuerte rund CHF 0,7 Milliarden an Steuern bei. Mit einer Cost-Income-Ratio von 71,5 Prozent bleibt die Effizienz allerdings unter Druck.
Die zentrale Warnung der Studie betrifft die Qualität des Wachstums. Nur rund 20 Prozent des AUM-Zuwachses stammen aus Nettoneugeld (NNA) – der Rest geht auf die Marktperformance zurück. Damit liegt der Schweizer NNA-Anteil strukturell deutlich unter dem globalen Durchschnitt, der massgeblich von den grössten US-Häusern getrieben wird.
Diese Abhängigkeit hat sich 2025 sogar verstärkt. In einem Jahr, das von einem globalen Technologie- und KI-Boom geprägt war, wirkt die starke Marktentwicklung wie Rückenwind – doch sie verdeckt eine Vertriebsschwäche, besonders im Auslandsgeschäft. «Für eine Boutique ist Beta kein Geschäftsmodell», bringt es Torsten von Bartenwerffer, CEO von Fisch Asset Management, in der Studie auf den Punkt. Nettoneugeld lande nur dort, wo ein Manager aktiv Mehrwert liefere.
Brisant ist die Risikowahrnehmung der Branche selbst: Die Studie verweist auf mehrere Warnsignale für systemische Marktrisiken – von der extremen Indexkonzentration über den «Buffett-Indikator» bis zu geopolitischen Spannungen. Eine ausgeprägte Dringlichkeit, die Erträge gegen einen möglichen Markteinbruch abzusichern, lässt sich aus den Antworten der Befragten jedoch nicht ablesen. Ein hypothetischer Markteinbruch würde die heutige Überabhängigkeit von der Performance in ein instabiles Geschäftsmodell verwandeln.
Als grösste Wettbewerbsnachteile des Standorts nennen die befragten Asset Manager operative Kosten (44 Prozent) sowie regulatorische Komplexität (33 Prozent). Bemerkenswert: 27 Prozent sehen überhaupt keinen relevanten Nachteil. Die Studie liest darin eine nach Grösse gespaltene Wahrnehmung – vor allem kleinere Häuser leiden unter der fehlenden Skalierbarkeit ihres Compliance-Aufwands, während grössere Anbieter Fixkosten- und Regulierungslast besser abfedern können.
Parallel verschärft sich die Marktkonzentration. Die Top 10 halten inzwischen rund 44 Prozent Marktanteil, nach 37 Prozent im Jahr 2021. UBS baut nach der Credit-Suisse-Integration ihre Führungsposition deutlich aus, ZKB und Pictet behaupten sich als führende inländische Herausforderer. Organisches Wachstum allein reiche immer weniger, um Marktanteile zu gewinnen – M&A und strategische Partnerschaften gewinnen an Bedeutung.
Als wichtigsten Hebel für Nettoneugeld nennen 76 Prozent der Befragten die Produktperformance. Das grösste Potenzial sehen sie bei illiquiden Private-Market-Fonds (56 Prozent) – noch vor traditionellen UCITS-Fonds (44 Prozent) und ETFs (31 Prozent). Tokenisierte Fonds und digitale Vermögenswerte erreichen erst 11 Prozent.
Innerhalb der Privatmärkte dominiert die Vorsicht: Mit 66 Prozent steht Private Real Estate klar an der Spitze, gefolgt von Private Equity (44 Prozent) und Infrastruktur (42 Prozent). Venture Capital bleibt mit 12 Prozent abgeschlagen. Die Branche bevorzugt skalierbare, greifbare Anlageklassen – ein Hinweis auf anhaltende Risikoscheu. Insgesamt wuchsen die alternativen Anlagen 2025 mit stabilen 4 Prozent, getrieben vor allem von Rohstoffen.
Bemerkenswert ist, woran die Innovation tatsächlich scheitert. Nicht die Kundennachfrage ist das Problem, sondern systemische Reibungen auf beiden Seiten der Wertschöpfungskette: Aus Produktionssicht dominieren operative Komplexität (62 Prozent), Liquiditätsmanagement und Regulierung (je 40 Prozent). Aus Vertriebssicht stehen die inhärente Illiquidität (57 Prozent) und operative Herausforderungen (47 Prozent) im Vordergrund. Die Nachfrage existiert – sie lässt sich nur noch nicht in skalierbare Angebote übersetzen.
Hinzu kommt eine unbequeme Performance-Realität: Aktiv gemanagte Schweizer Aktienfonds wiesen über fünf Jahre eine durchschnittliche Information Ratio von rund –15,2 Prozent auf, globale Aktienfonds –15,1 Prozent. Lediglich im Anleihenbereich zahlt sich aktives Management aus, global mit deutlich positiven +13,5 Prozent.
Rund 30 Prozent der in der Schweiz verwalteten Vermögen entfallen auf ausländische Kunden – das Asset Management bleibt damit eine bedeutende Exportindustrie. Doch dieser Anteil ist zuletzt auf 30,4 Prozent gesunken, weil das Inlandsgeschäft rund doppelt so stark wuchs wie das Auslandsgeschäft. Die EU bleibt mit 69 Prozent der wichtigste Exportmarkt.
«Die Schweizer Asset-Management-Industrie konkurriert weltweit um Kunden, Talente und Kapital», sagt Norman Karrer, Managing Partner von zeb Schweiz. «Die Sicherung und der Ausbau des internationalen Marktzugangs bleiben deshalb eine strategische Priorität.»
AMAS-CEO Adrian Schatzmann betont die volkswirtschaftliche Dimension: «Asset Management ist für die Schweiz nicht nur Teil des Finanzsektors – sondern eine bedeutende Exportindustrie und ein Treiber für langfristige Investitionen und Wirtschaftswachstum.» Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und ein klares Bekenntnis zum Finanzplatz seien essenziell – wie es führende Jurisdiktionen wie die USA, Grossbritannien oder Singapur bereits vormachten.