15.04.2026, 09:32 Uhr
Die Börsenbetreiberin SIX stellt neu Aktiendaten aus der Schweiz und Spanien über die Blockchain-Infrastruktur von Chainlink bereit. Die Daten könnten über den Dienst «DataLink» von Chainlink von mehr als 2600...
Der US-amerikanische Vermögensverwalter Corient expandiert mit der Akquisition des Schweizer Multi-Family-Offices Bedrock Group weiter auf dem alten Kontinent. Der Deal steht exemplarisch für einen strukturellen Wandel in der globalen Vermögensverwaltungsbranche, dem sich die Schweiz nicht entziehen kann. Investrends.ch analysiert die 15 bedeutenden Schweizer Transaktionen im Zeitraum 2022 bis April 2026.
Der US-Vermögensverwalter Corient übernimmt die in Genf ansässige Bedrock Group, ein auf Ultra-High-Net-Worth-Klientel ausgerichtetes Multi-Family-Office mit Niederlassungen in Genf, London, Monaco und Lissabon. Die 2004 von Ariel Arazi, Maurice Ephrati und David Joory gegründete Gesellschaft verwaltet Kundenvermögen von rund 8,4 Milliarden Franken und gehört in Genf zu den grösseren Player. Der Abschluss der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Der Deal hat in der Branche für erheblichen Wirbel gesorgt.
Für Corient ist die Akquisition ein weiterer Baustein in einer ambitionierten Expansionsstrategie. Corient wurde 2020 gegründet und operiert in den USA als reines Honorarberatungsunternehmen nach dem Fiduziarprinzip. Das Partnerschaftsmodell – ähnlich den führenden Beratungsfirmen – soll sicherstellen, dass Kunden nicht von einem einzelnen Berater abhängig sind, sondern auf die gesamte Expertise des Unternehmens zugreifen können. Aktuell beschäftigt Corient über 1'400 Mitarbeitende und zählt mehr als 250 Partner.
«Diese Akquisition treibt Corients Ziel voran, einer der weltweit führenden Vermögensverwalter und Multi-Family-Offices zu werden», sagte Kurt MacAlpine, Gründungspartner und CEO von Corient. Die Gründer von Bedrock werden als Partner in das Unternehmen eingegliedert.
Bereits im September 2025 hatte das Unternehmen die Übernahmen von Stonehage Fleming und Stanhope Capital Group bekanntgegeben. Zusammen mit dem Bedrock-Deal werden diese drei Transaktionen rund 220 Milliarden Dollar an zusätzlichen Vermögenswerten einbringen und Corient erstmals in Europa, dem Nahen Osten und Afrika etablieren. Nach Vollzug aller bisher unterzeichneten, aber noch nicht abgeschlossenen Transaktionen dürfte das kombinierte verwaltete und administrierte Kundenvermögen auf rund 468 Milliarden Dollar anwachsen – womit Corient zu den grössten globalen Vermögensverwaltern im UHNW-Segment zählen würde.
Die weltweite Konsolidierung im Bereich der Vermögensverwaltung ist im Gang und erfasst auch die Schweiz. Eine Analyse von 15 bedeutenden Schweizer Transaktionen im Zeitraum 2022 bis April 2026 zeigt ein klares Bild: Rund 48 Milliarden Franken an verwaltetem Vermögen haben in diesem Zeitraum den Besitzer gewechselt – und 7 von 15 Käufern kamen aus dem Ausland. US-amerikanische RIA-Plattformen allein stehen für drei Transaktionen und rund 14,7 Milliarden Franken erfasstes Vermögen, was sie nach Private-Equity-Vehikeln zur zweitgrössten ausländischen Käufergruppe macht.
Hierzulande spielte die Regulation der Branche eine wesentliche Rolle: Die FINMA-Lizenzpflicht per Ende 2022 löste eine erste Transaktionswelle aus – allein acht der 15 dokumentierten Deals entfielen auf dieses Jahr. Rund 400 der damals rund 2'500 aktiven EAMs verzichteten auf eine Lizenzierung und schufen damit strukturellen Exitdruck. Paradoxerweise zeigte eine PwC-Studie gleichzeitig, dass 82 Prozent der befragten EAMs einen Verkauf als «highly unlikely» einstuften – was einen klassischen Käufermarkt mit Angebotsknappheit und hohen Bewertungen erzeugte.
Das erste bedeutende US-Engagement in der Schweiz war der Kauf der Genfer Octogone Group durch Focus Financial Partners im April 2022 – mit rund 5,3 Milliarden Franken verwaltetem Vermögen Fokus' damals 86. Partnerunternehmen. Der Deal illustriert jedoch auch die Volatilität des Marktes: Als Focus Octogone 2025 wieder verkaufen wollte, übernahm das Management-Team gemeinsam mit dem Abu Dhabi-Investor Almha Capital die Firma zurück – ein MBO, der die wachsende Bedeutung von Nahost-Kapital im europäischen Wealth-Management unterstreicht.
Im Januar 2026 folgte Creative Planning – mit rund 700 Milliarden Dollar AuM einer der grössten unabhängigen US-Vermögensverwalter – mit der Übernahme der Baseline Wealth Management (rund 1 Milliarde Franken AuM) und damit seiner ersten internationalen Akquisition überhaupt. Und nun komplettiert Corient mit Bedrock das Trio der US-Grossplattformen im Schweizer Markt.
Mit einem immer reiferen US-Markt richten grosse amerikanische RIAs ihren Blick ins Ausland, auf bisher unerschlossene Kundenpotenziale. Die Bewertungsarbitrage spielt dabei eine zentrale Rolle: Da die europäischen Bewertungen von Vermögensverwaltern deutlich unter dem US-Niveau liegen, können amerikanische Käufer dort Akquisitionen zu Preisen tätigen, die an frühere, günstigere Zeiten im US-Markt erinnern, schreibt Investmentnews.
«Wir erleben die Globalisierung der Vermögensverwaltung in Echtzeit», kommentierte Daniel Seivert, CEO der Beratungsfirma Echelon Partners, den Trend in ConnectMoney – und verwies darauf, dass mehrere der grössten US-Konsolidierer aktiv transatlantische Partnerschaften verfolgten, um institutionell skalierbare Plattformen mit grenzüberschreitenden Fähigkeiten aufzubauen.
Parallel zum US-Engagement bauen europäische Private-Equity-Plattformen systematisch DACH-weite Strukturen auf. Cinerius Financial Partners – finanziert durch IK Partners und Summit Partners – verwaltet mittlerweile über 10 Milliarden Franken über sieben Partnerfirmen und beschäftigt über 140 Mitarbeitende. Das Zug-basierte Unternehmen gilt als europäisches Pendant zu US-Roll-up-Plattformen wie Focus oder Corient, jedoch mit explizit DACH-fokussierter Strategie. Auch Quaestor Coach, eine niederländische PE-Gruppe, repliziert in der Schweiz erfolgreich ihr Buy-and-Build-Modell aus den Niederlanden.
Es ist also Bewegung im Markt, auch wenn es vor allem die ganz grossen Player betrifft. PwC erwartet, dass bis 2027 weltweit rund 16 Prozent aller Asset und Wealth Manager verschwinden oder übernommen werden. Für die Schweiz geht die Basisfall-Prognose davon aus, dass die Zahl der EAMs von rund 1'200 nach der FINIG-Lizenzierung auf 900 bis 1'000 bis 2027 schrumpfen wird. Treiber sind die Nachfolgeplanung der Gründergeneration, eine zweite Runde der FINMA-Wirtschaftsprüfung sowie die fortgesetzten US-RIA- und PE-Tätigkeiten. Im beschleunigten Szenario könnten sogar nur 700 bis 800 EAMs übrig bleiben. Für gut positionierte Schweizer und europäische Multi-Family-Offices dürfte das den Konsolidierungsdruck weiter erhöhen – aber auch die strategischen Optionen erweitern.