Swiss Life Asset Managers: Notenbanken im Fokus – Aktienmarkt-Ausblick wird vorsichtiger

Swiss Life AM reduziert ihr Aktien-Exposure, reduziert Inflationsprognosen für die Schweiz (Bild: Shutterstock)
Swiss Life AM reduziert ihr Aktien-Exposure, reduziert Inflationsprognosen für die Schweiz (Bild: Shutterstock)

Swiss Life Asset Managers stuft Aktien nach der starken Rally der vergangenen Monate auf «neutral» herab. Derweil sorgt der neue Fed-Chef Kevin Warsh für neuen Schwung beim Dollar, während die Schweizerische Nationalbank an ihrer Nullzinspolitik festhält.

01.07.2026, 09:25 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Die Ökonomen von Swiss Life Asset Managers zeichnen in ihren aktuellen «Perspektiven» für Juli 2026 ein Bild moderaten, aber ungleich verteilten Wachstums – begleitet von einer Notenbankpolitik, die zunehmend divergiert.

Zunächst der Blick in die USA: Die US-Wirtschaft schöpfe ihr Potenzial mit rund 2 Prozent Jahreswachstum zwar aus, doch Privatkonsum und Investitionen ausserhalb des KI-Sektors blieben schwach, so die Einschätzung. Arbeitslosenzahl und offene Stellen hielten sich seit 20 Monaten die Waage, was das Lohnwachstum bremse. Auf der Inflationsseite steige hingegen der Druck: Die Kernrate des von der Notenbank favorisierten PCE-Deflators kletterte auf 3,3 Prozent, wesentlich getrieben durch stark steigende Speicherchip-Preise. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh habe sich wohlwollend zur sogenannten «Trimmed-Mean-Inflation» geäussert, die um solche Ausreisser bereinigt und derzeit bei 2,4 Prozent liegt – ein Hinweis darauf, dass sich die Fed mit einem Zinsentscheid noch Zeit lassen dürfte.

EZB erhöht, BoE wartet ab

Anders das Bild in Europa. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Juni erwartungsgemäss um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent angehoben – die erste Erhöhung seit fast drei Jahren. Präsidentin Christine Lagarde warnte vor einer Ausbreitung der durch den Nahostkonflikt ausgelösten Inflation über den Energiesektor hinaus, grössere Zweitrundeneffekte erwarten die Swiss-Life-Ökonomen jedoch nicht. Für September rechnen sie mit einem weiteren Zinsschritt der EZB um 25 Basispunkte über das neutrale Niveau. Die Bank of England beliess die Zinsen im Juni unverändert; angesichts schwacher britischer Konjunkturdaten und eines politisch angespannten Umfelds – die Labour-Partei bereitet den Wechsel von Premierminister Keir Starmer zu Andy Burnham vor – erwartet Swiss Life einen Zinsschritt im September 2026.

Schweiz: Inflationsprognose erneut gesenkt

Für die Schweiz revidieren die Ökonomen die Inflationsprognose für 2026 abermals nach unten. Zwar kosteten Energieträger weiterhin spürbar mehr als vor Kriegsbeginn im Nahen Osten, doch der Heizölpreis tendiere seit Mai nach unten, und Zweitrundeneffekte ausserhalb des Transportbereichs blieben nahezu vollständig aus. Das Basisszenario decke sich weitgehend mit der jüngsten bedingten Inflationsprognose der Schweizerischen Nationalbank. Bei der SNB rechnet Swiss Life bis auf Weiteres mit einer Fortsetzung der Nullzinspolitik. Das moderate BIP-Wachstum – leicht unterhalb des Potenzialpfads bis Ende 2027 – werde von einer graduellen Erholung der Exportwirtschaft sowie der Normalisierung der Netto-Stromeinfuhren nach Wiederaufnahme der Produktion im Kernkraftwerk Gösgen gestützt.

Aktienmarkt: Von konstruktiv zu vorsichtig

Bei der Asset Allocation vollzieht Swiss Life einen Kurswechsel: Aktien werden von einer konstruktiveren Positionierung auf «neutral» herabgestuft. Als Begründung nennen die Strategen die höhere Messlatte nach der starken Rally, das «Gedränge» im KI-Aktienhandel sowie fehlende kurzfristige Katalysatoren. Konkret werden die Übergewichte in US- und Schwellenländeraktien reduziert, während japanische Aktien als zyklisches Gegengewicht übergewichtet werden – gestützt auf Corporate-Governance-Reformen und solides Gewinnwachstum. Unternehmensanleihen bleiben wegen der engen Spreads untergewichtet; das dadurch frei werdende Kapital fliesst in ein Übergewicht bei Sachwerten, wobei Swiss Life insbesondere Schweizer NAV-basierte Immobilien und Infrastruktur bevorzugt.

Als Belastungsfaktor für US-Aktien nennt der Bericht zudem die Netto-Aktienemissionen, die 2026 erstmals seit Jahren positiv werden dürften. JP Morgan schätze das Emissionsvolumen für 2026/2027 auf über eine Billion US-Dollar beziehungsweise rund 2 Prozent der Marktkapitalisierung – der schnellste Anstieg seit 1999 –, was verwässernd auf den Gewinn je Aktie wirke.

Dollar mit neuem Rückenwind

Am Devisenmarkt hat der US-Dollar im Juni handelsgewichtet um 2,7 Prozent aufgewertet. Die erste Pressekonferenz von Kevin Warsh als Fed-Chef sowie die Anhebung der Median-Zinsprognose der FOMC-Mitglieder hätten dem Dollar neuen Auftrieb gegeben, da Warsh die Preisstabilität als Ziel bekräftigt und Befürchtungen über politische Einflussnahme durch das Weisse Haus zerstreut habe. Swiss Life bleibt beim Dollar positiv positioniert, gestützt auf anhaltende Realzinsdifferenzen und die wirtschaftliche Outperformance der USA. Der Franken verlor im Juni handelsgewichtet knapp 2 Prozent, nachdem der moderate Tonfall der SNB die Markterwartung einer fortgesetzten Nullzinspolitik zementiert hatte.

Schwellenländer positiv überrascht

Im separaten Emerging-Markets-Ausblick verweist Swiss Life auf eine graduelle Erholung des Ölangebots, die insbesondere südasiatischen Netto-Energieimporteuren zugutekomme. Rohstoffexporteure hätten von verbesserten Terms of Trade profitiert, während der KI-Boom in den USA die Nachfrage nach in Asien produzierter Hardware angetrieben habe. Taiwan verzeichnete im ersten Quartal mit 14,6 Prozent das stärkste Wirtschaftswachstum seit 1987, getrieben von der Nachfrage nach KI-Hardware. In China zeige sich weiterhin eine ausgeprägte Zweiteilung: Während der Hightech-Sektor – etwa Robotik, Halbleiter und Elektrofahrzeuge – zweistellige Wachstumsraten verzeichne, warte die Binnenwirtschaft weiterhin auf eine Stabilisierung des Immobiliensektors, wobei sich in den Tier-1-Städten bereits eine positive Preisentwicklung abzeichne.

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