09.07.2026, 09:22 Uhr
Edmond de Rothschild Asset Management hat ihren Anlageausblick für das zweite Halbjahr 2026 veröffentlicht. Im Zentrum der Analyse steht das Bild einer Weltwirtschaft, die sich zunehmend in unterschiedlichen...
Aktive Investoren leisten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der europäischen Kapitalmärkte, zur Finanzierung von Unternehmen und zur Diversifikation von Anlegerportfolios. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Carmignac, BDL Capital Management, CIAM, Comgest, Edmond de Rothschild Asset Management, IVO Capital und Moneta.
Die Analyse zeigt, dass insbesondere Anlagestrategien mit hoher Unabhängigkeit von ihren Vergleichsindizes langfristig Mehrwert schaffen können. Gleichzeitig tragen aktive Investoren durch ihre Beteiligung an Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen zur Finanzierung der europäischen Wirtschaft bei und eröffnen Anlegern zusätzliche Möglichkeiten zur Diversifikation und Risikosteuerung.
Die Studie stellt aktive und passive Anlagestrategien nicht gegeneinander, sondern plädiert für eine differenziertere Betrachtung. Demnach sollte zwischen tatsächlich aktiv verwalteten Strategien und Fonds unterschieden werden, die zwar als aktiv vermarktet werden, in der Praxis jedoch eng an ihrem Referenzindex ausgerichtet sind. Solche benchmarkorientierten beziehungsweise semi-passiven Strategien würden oft nur eine geringe Abweichung von passiven Produkten aufweisen, dabei jedoch die Gebühren eines aktiven Managements verlangen.
Die Autoren schlagen daher eine Einteilung in drei Kategorien vor: passive Strategien, die einen Index nachbilden, semi-passive Strategien, die zwar als aktiv positioniert, aber weitgehend indexgesteuert sind, sowie tatsächlich aktive Strategien mit hoher Unabhängigkeit vom Referenzindex. Mehr Transparenz in dieser Hinsicht würde Anlegerinnen und Anlegern helfen, unterschiedliche Ansätze besser zu vergleichen und fundiertere Entscheidungen zu treffen.
Über die reine Performance hinaus beleuchtet die Studie die Rolle aktiver Investoren bei der Finanzierung der europäischen Wirtschaft. Durch ihre Beteiligung an Börsengängen, Kapitalerhöhungen und Anleiheemissionen stellten aktive Manager Unternehmen Kapital für Wachstum, Innovation und Transformation zur Verfügung. Die Autoren sehen darin einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung der Realwirtschaft sowie zur Unterstützung langfristiger Investitionsvorhaben in Europa.
Darüber hinaus trügen aktive Investoren durch Unternehmensanalysen, laufenden Dialog mit Unternehmensleitungen und die Wahrnehmung von Aktionärsrechten zur Preisfindung und zur Corporate Governance bei. Dies könne insbesondere in Europa helfen, ein vielfältiges und wettbewerbsfähiges Kapitalmarktumfeld zu erhalten.
Die Studie verweist zudem auf die zunehmende Konzentration von Vermögen in globalen, überwiegend US-dominierten Indizes und ETF-Strukturen. Dies könne Auswirkungen auf die Kapitalallokation und die Finanzierung europäischer Unternehmen haben. Aktives Management könne hier eine ergänzende Rolle einnehmen, indem Kapital gezielt auf Basis fundamentaler Analysen investiert werde.
Entscheidend für den Erfolg aktiver Anlagestrategien sei nicht deren Bezeichnung, sondern der Grad der tatsächlichen Unabhängigkeit vom Referenzindex. Die Studienergebnisse zeigen, dass Aktienfonds mit einem hohen «Active Share» – also einer deutlichen Abweichung vom Vergleichsindex – langfristig bessere Voraussetzungen für eine nachhaltige Outperformance bieten.
Am erfolgreichsten schnitten Fonds mit einem Active Share von über 80 Prozent ab, die in einem grenzüberschreitenden und wettbewerbsintensiven Umfeld vertrieben werden. Über rollierende Fünfjahreszeiträume erzielten sie eine durchschnittliche jährliche Outperformance von 0,7 Prozent nach Gebühren. Die Analyse deutet zudem darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Outperformance sinkt, je stärker sich ein Portfolio an seinem Referenzindex orientiert.
Auch an den Anleihenmärkten zeigten sich Vorteile aktiver Ansätze. Besonders ausgeprägt war dies bei flexiblen Anleihenstrategien: In Europa übertrafen 97 Prozent der untersuchten Fonds ihren Referenzindex über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Als Grund dafür nennt die Studie strukturelle Besonderheiten der Anleihenmärkte. Anders als bei Aktien würden Anleihenindizes nach dem ausstehenden Schuldenvolumen gewichtet und spiegelten damit nicht zwingend die finanzielle Stärke eines Emittenten wider. Hinzu kämen geringere Liquidität, eine hohe Marktfragmentierung sowie die Notwendigkeit, Laufzeiten, Bonitätsrisiken und Marktsegmente aktiv zu steuern. In diesem Umfeld könnten Analyse, Titelselektion und Flexibilität einen wesentlichen Beitrag zur Wertentwicklung leisten.
Für Anlegerinnen und Anleger sei letztlich nicht entscheidend, ob eine Strategie als aktiv oder passiv bezeichnet werde, sondern wie sie tatsächlich umgesetzt werde. Transparenz über die Portfoliozusammensetzung und die Abweichung vom Referenzindex helfe dabei, Chancen, Risiken und die Quellen potenzieller Wertschöpfung besser zu beurteilen. Wo aktive Manager über ausreichend Handlungsspielraum verfügten, könnten sie zusätzliche Möglichkeiten zur Diversifikation und Risikosteuerung nutzen. Eine klarere Offenlegung von Kennzahlen wie dem Active Share würde es Anlegern erleichtern, unterschiedliche Anlageansätze besser zu vergleichen.
Maxime Carmignac, CEO von Carmignac UK, ordnet die Ergebnisse ein: Die Diskussion solle sich weniger an Kategorien orientieren als vielmehr an der konkreten Ausgestaltung von Anlagestrategien. Entscheidend sei, wie Kapital investiert werde, welche Rolle unterschiedliche Ansätze im Finanzsystem spielten und wie transparent diese für Anleger seien. Ein wirklich unabhängiger Investmentansatz könne Chancen eröffnen, die sich in indexnahen Strategien nicht im gleichen Mass abbilden liessen. Gleichzeitig trügen aktive Investoren zur Unternehmensfinanzierung, zur Preisfindung an den Märkten und zu einer breiteren Diversifikation der Kapitalallokation bei.