Ein Blick nach China lohnt sich

Shenzhen, gemeinhin bekannt als das Silicon Valley Chinas, dürfte von den durch die Pandemie ausgelösten Veränderungen profitieren. (Bild: Shutterstock.com/HelloRF Zcool)
Shenzhen, gemeinhin bekannt als das Silicon Valley Chinas, dürfte von den durch die Pandemie ausgelösten Veränderungen profitieren. (Bild: Shutterstock.com/HelloRF Zcool)

China ist für Investoren aktuell besonders interessant, ist Patrick Vogel von MainFirst überzeugt. Im weltweiten Vergleich sei die Wirtschaft dort bereits einen Schritt weiter – sowohl bei der technologischen Entwicklung als auch bei der Überwindung der Folgen der Corona-Pandemie.

28.08.2020, 05:00 Uhr

Redaktion: alm

Rund um den Globus dürfte sich das Verhalten von Konsumentinnen und Konsumenten mit der zunehmenden Überwindung der Corona-Krise verändern. Neue Gewohnheiten wie ständiges Händewaschen, Selbstisolation und Hamsterkäufe werden allmählich wieder zurückgefahren, aber nicht sofort verschwinden, ist sich Patrick Vogel, Fondsmanager des MainFirst – Global Equities Fund, sicher: "Ein kurzfristiges Verhalten wird nach ungefähr sechs Wochen zu einer langfristigen Gewohnheit. Nach vielen Wochen öffentlicher Beschränkungen wird daher ein Teil der Bevölkerung auch weiterhin von zu Hause aus arbeiten, grosse Versammlungen vermeiden und Online-Bildungsangebote nutzen." Auch das Kaufverhalten werde dauerhaft verändert bleiben. Verbraucher füllen zunehmend online ihren Einkaufswagen, wodurch sich die Landschaft des Einzelhandels und der Lieferketten insgesamt verändere.

Anbieter von Technologielösungen profitieren

Auch auf Unternehmensebene erwartet Vogel Veränderungen: "Die Nachfrage nach Cloud-Infrastruktur für Rechenleistung und Datenspeicherung wird sich weiter beschleunigen. Und die Umstellung auf Roboter und künstliche Intelligenz, die bereits zuvor im Gange war, wird durch die Pandemie ebenfalls forciert." Profiteure dieser Entwicklungen sind Unternehmen, die entsprechende Lösungen anbieten. Die meisten davon sitzen laut Vogel in China und im US-amerikanischen Silicon Valley. China werde aber auch auf anderen Gebieten von den zukünftigen Konsumbedürfnissen profitieren, beispielsweise wenn sich die Nachfrage nach Luxusartikeln wieder erholt.

Keine Erholung der Nachfrage erwartet der Experte bei Restaurantbesuchen, Lieferservices würden hier dauerhaft Marktanteile gewinnen. "Bargeldtransaktionen zeigen, dass sich diese Gewohnheiten in China bereits entsprechend geändert haben. Dies wiederholt sich in Europa und den USA", so Vogel.

China übernimmt Führung

Vogel erwartet allerdings keine Beruhigung im Konflikt zwischen den USA und China: "In diesem Jahrzehnt hat China die Gelegenheit, in vielen Bereichen die Führung zu übernehmen. Dazu gehören beispielsweise die Technologie, allgemeine wirtschaftliche Dominanz aber auch politischer Einfluss." Das Verbot für US-Investoren, chinesische Aktien zu kaufen, werde diesen Prozess nicht aufhalten. Es könne aber die Volatilität erhöhen oder die Liquidität in US-Notierungen verringern. "Daher gilt es, die kurzfristigen Schwankungen zu akzeptieren und den Fokus auf die langsfristigen Gewinner zu legen", meint Vogel.

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