30.09.2026, 08:02 Uhr
Zehn Monate nach dem Abgang von Marc Syz stellt die Genfer Syz Group ihre Alternative-Sparte neu auf. Syz Capital konzentriert sich künftig ausschliesslich auf Private Equity, das Hedge-Fund-Geschäft wandert in die...
Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist auf den höchsten Stand seit 2002 gestiegen, jene der 10-jährigen auf ein 19-Jahres-Hoch. Für Schweizer Investoren wirkt die Zinsdifferenz verlockend – doch Franken, Absicherungskosten und das unsichere lange Ende machen aus dem Renditeversprechen eine Frage der Portfolio-Rolle. Lombard Odier hat sich bereits positioniert.
Der US-Anleihenmarkt hat am Dienstag eine Schwelle überschritten, die viele Marktteilnehmer nur aus Lehrbüchern kennen. Die Rendite der 30-jährigen Treasuries stieg im Tagesverlauf auf rund 5,62 Prozent – so hoch wie seit Juni 2002 nicht mehr, als die Langläufer bei 5,644 Prozent rentierten. Die 10-jährige Benchmark-Rendite erreichte intraday 5,29 Prozent und damit den höchsten Wert seit 2007. Zum Handelsschluss notierten die beiden Laufzeiten bei 5,57 beziehungsweise 5,25 Prozent. Es war der sechste Renditeanstieg in Folge; allein im September hat die 10-jährige Rendite fast einen halben Prozentpunkt zugelegt.
Dass beide langen Laufzeiten gleichzeitig auf Mehrdekaden-Hochs stehen, ist mehr als eine Momentaufnahme. Der Markt verabschiedet sich vom Szenario baldiger Zinssenkungen und preist ein Regime ein, das sich mit «Higher for Much Longer» umschreiben lässt. US-Staatsanleihen haben seit Jahresbeginn rund 2,6 Prozent an Wert verloren, der September dürfte der schwächste seit 2023 werden.
Grob können vier Treiber festgemacht werden, die hier eine Rolle spielen:
Finanzminister Scott Bessent hatte im August versucht, das lange Ende zu beruhigen. Das Schatzamt kündigte an, die Rückkäufe länger laufender Anleihen mindestens zu verdoppeln, auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar pro Operation. Der Effekt war kurzlebig: Bereits Anfang September lagen die 30-jährigen Renditen wieder auf dem Niveau vor der Ankündigung, und bei der ersten erweiterten Operation kaufte das Schatzamt weniger als das angekündigte Maximum. Die Botschaft des Marktes ist deutlich: Technische Eingriffe ersetzen keine glaubwürdige Fiskalkonsolidierung.
Für die Aktienmärkte wird das Zinsniveau zunehmend zur Belastungsprobe. Fundstrat verweist darauf, dass Bewertungen historisch ab einer 10-jährigen Rendite von 5,5 Prozent unter Druck geraten.
Aus Schweizer Sicht ist die Spanne ungewöhnlich weit. Die SNB hat den Leitzins am 24. September bei 0 Prozent belassen und sich damit dem internationalen Straffungstrend von Fed und EZB nicht angeschlossen. Die Schweizer Teuerung lag im August bei 0,8 Prozent, die bedingte Inflationsprognose der SNB für 2026 bei 0,7 Prozent. Die 10-jährige Eidgenossen-Rendite bewegte sich Anfang September bei rund 0,44 Prozent. Einer US-Rendite von über 5 Prozent steht damit eine Schweizer Rendite von deutlich unter 1 Prozent gegenüber.
Nominal sprechen die Zahlen für Treasuries. Die entscheidende Frage ist jedoch, was davon in Franken ankommt.
Die Fixed-Income-Spezialisten von Lombard Odier Investment Managers (LOIM), Markus Thöny und Philipp Burckhardt, haben den Mechanismus schon 2024 in einer Analyse klar herausgearbeitet: Wer als Schweizer Investor ungesicherte Treasuries kauft, trägt neben dem US-Zinsrisiko auch das Währungsrisiko – und Währungsschwankungen sind laut LOIM rund doppelt so gross wie die zinsbedingten Kursschwankungen. Ohne Absicherung wird eine Treasury-Position damit im Kern zu einer Wette auf den Dollar, deren Volatilität jener von Aktien nahekommen kann. Da Währungsrisiken aus Frankensicht historisch selten mit einer Prämie entschädigt wurden, sichern institutionelle Anleger Fremdwährungsanleihen üblicherweise vollständig ab.
Genau dort liegt der Haken: Die Absicherungskosten entsprechen näherungsweise der Differenz der kurzfristigen Zinsen – aktuell also knapp 4 Prozentpunkten zwischen Fed-Leitzins und SNB-Leitzins. Grob gerechnet schrumpft die Rendite einer 10-jährigen Treasury damit in Franken auf etwa 1,3 bis 1,4 Prozent. Das liegt zwar noch über der Eidgenossen-Rendite, doch es gibt noch ein zweiter Effekt, den es zu berücksichtigen gibt: Die US-Zinsen schwanken stärker als die Schweizer Zinsen. Steigen die Renditen weiter, kann die höhere Zinssensitivität den vermeintlichen Renditevorteil rasch aufzehren. Die LOIM-Autoren kamen deshalb schon 2024 zum Schluss, dass CHF-Anleihen im Investment-Grade-Bereich langfristig das bessere Rendite-Risiko-Verhältnis bieten als währungsgesicherte Fremdwährungsanleihen.
Hinzu kommt eine Besonderheit des laufenden Jahres: Der Franken hat seit Anfang 2026 gegenüber Dollar und Euro an Wert verloren. Wer ungesichert investiert war, hat davon profitiert – eine Umkehr bei einer späteren SNB-Zinswende würde diesen Rückenwind jedoch in Gegenwind verwandeln.
Bemerkenswert ist deshalb, dass die Multi-Asset-Seite desselben Hauses nun umgeschwenkt hat. LOIM ist erstmals seit mindestens fünf Jahren wieder übergewichtet in US-Treasuries. Laut Florian Ielpo, Head of Macro Research, haben die Multi-Asset-Mandate – darunter der Pensionskassenfonds LPP30 – einen Teil ihrer Liquidität in 10-jährige Treasury-Futures investiert. Die Übergewichtung beträgt 2 Prozent und ist damit etwa halb so gross wie jene in Aktien. Begründet wird der Schritt mit der wachsenden Attraktivität der Renditen gegenüber Aktien.
Der vermeintliche Widerspruch löst sich auf, wenn man die Portfolio-Rolle betrachtet: Die Obligationenspezialisten fragen, womit sich ein CHF-Bondportfolio am effizientesten bestücken lässt. Die Multi-Asset-Strategen fragen, ob US-Duration bei über 5 Prozent wieder als Diversifikator und Alternative zu Aktien taugt. Auffällig ist zudem die Umsetzung: über Futures auf die 10-jährige Laufzeit, dosiert und liquide – nicht über den Aufbau einer grossen Position am langen Ende.
Für Pensionskassen und andere Investoren mit Verbindlichkeiten in Franken sind ungesicherte Treasuries kein Obligationenersatz, sondern ein kombiniertes Währungs- und Zinsengagement. Wer Bond-Charakter will, sichert ab – und muss akzeptieren, dass ein grosser Teil der Renditeprämie in den Absicherungskosten verschwindet.
Für Anleger mit Dollar-Verbindlichkeiten oder einer bewussten USD-Allokation sieht die Rechnung deutlich freundlicher aus. Hier sprechen die Renditen für kurze bis mittlere Laufzeiten, die einen Grossteil des Ertrags bieten, ohne das volle Term-Premium-Risiko der 30-Jährigen.
Für Multi-Asset-Portfolios sind Treasuries bei über 5 Prozent wieder eine ernsthafte Alternative zu Aktien. Die Diversifikation hat jedoch eine bekannte Schwachstelle: Sie versagt, wenn Inflation und Renditen gleichzeitig steigen – genau das Szenario, das der Markt derzeit durchspielt.
Das lange Ende bleibt die riskanteste Wette. Wer 30-jährige Treasuries kauft, setzt darauf, dass die Inflation sinkt, die Fiskalpolitik glaubwürdiger wird und die Ausweitung der Term Premium endet. Ein gestaffelter Einstieg über mittlere Laufzeiten, Futures oder eine Barbell-Struktur dürfte dem Risiko eher gerecht werden als eine volle Long-End-Position.
Als Fazit kann klar gesagt werden: 5,6 Prozent sind ein historisches Niveau, aber für Schweizer Anleger kein «Free Lunch». Die spannendste Zone liegt aus Schweizer Sicht nicht bei den 30-Jährigen, sondern in der mittleren Laufzeit – dort, wo auch Lombard Odier seine Wette platziert hat.