23.07.2026, 09:13 Uhr
Der Derivate-Spezialist Leonteq hat im ersten Halbjahr 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. Der Konzerngewinn stieg um 37 Prozent auf 12,7 Millionen Franken. Wachstum in allen Regionen und ein konsequentes...
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen am Mittwoch unverändert belassen und damit sechs Wochen nach der ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren eine Verschnaufpause eingelegt. Für die Schweizerische Nationalbank (SNB) und den Franken bleibt die Lage vorerst unverändert – Ökonomen erwarten aber, dass der Zinsabstand zum Euroraum in den kommenden Monaten wieder zunimmt.
Der EZB-Rat beliess den Einlagensatz bei 2,25 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent und den Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Der Entscheid war breit erwartet worden, nachdem die EZB im Juni erstmals seit fast drei Jahren die Zinsen angehoben hatte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte, der Entscheid sei einstimmig gefallen, «aber nicht ohne Debatte».
Die Reaktion an Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkten fiel verhalten aus, da die Pause fast vollständig eingepreist war. Der Euro gab gegenüber dem Dollar leicht nach und notierte zuletzt rund 0,2 Prozent tiefer bei 1,1388 Dollar. Die zinssensitiven zweijährigen deutschen Bundrenditen zogen um rund 2 Basispunkte auf 2,86 Prozent an, da die Terminmärkte weiterhin mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei weitere Zinsschritte bis Jahresende einpreisen.
Unter Volkswirten und Anlagestrategen überwiegt die Einschätzung, dass die EZB-Pause nur eine Atempause ist. Jörg Kramer, Chefvolkswirt der Commerzbank, brachte es auf den Punkt: Die Zurückhaltung der EZB sei kein Kurswechsel – an einer weiteren Erhöhung an der nächsten Sitzung im September komme die Notenbank kaum vorbei.
Michael Field, Chefstratege Europa bei Morningstar, bezeichnete den Entscheid als gut kommuniziert und erwartet. Entscheidend sei nun der Ausblick: Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Anhebung im September wachse angesichts des andauernden Konflikts im Nahen Osten und eines Ölpreises von über 98 US-Dollar pro Fass.
Oliver Rakau von Oxford Economics rechnet mit einer «hawkishen Pause» – die aktuelle Datenlage spreche für eine weitere Straffung, im Einklang mit der Juni-Prognose der EZB. Konstantin Veit von Pimco geht ebenfalls von einer letzten Zinserhöhung im September aus und hält es für unwahrscheinlich, dass die bisherigen Schritte 2027 wieder zurückgenommen werden.
Nicht alle teilen diese Einschätzung: David Kohl, Chefökonom von Julius Bär, widerspricht dem Konsens. Er hat seine Prognose nach unten korrigiert und erwartet für den Rest von 2026 und für 2027 keine weiteren Zinsschritte der EZB mehr.
Lagarde betonte an der Medienkonferenz, die EZB verfolge weiterhin einen daten- und sitzungsabhängigen Ansatz und lege sich nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest. Auf die Frage, wer die höhere Beweislast trage – Befürworter einer weiteren Erhöhung oder des Stillhaltens – antwortete sie knapp: «The burden of proof is on data.»
Die Terminmärkte preisen für die September-Sitzung derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 85 bis 89 Prozent für einen weiteren Zinsschritt ein. Eine längere Serie weiterer Erhöhungen erwartet die Mehrheit der befragten Ökonomen jedoch nicht. Die Bank of England entscheidet einen Tag später, am 30. Juli, über ihren Leitzins.
Für die Schweizerische Nationalbank ändert der EZB-Entscheid vorerst wenig. Die SNB hatte ihren Leitzins zuletzt am 18. Juni 2026 unverändert bei null Prozent belassen und damit die seit Juni 2025 geltende Nullzinspolitik bestätigt. Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung der SNB steht erst im September an – zeitlich also unmittelbar nach der EZB-Sitzung, an der Ökonomen mehrheitlich mit dem nächsten EZB-Zinsschritt rechnen.
Die SNB begründete ihren Entscheid im Juni mit einer Inflation, die zwar seit Jahresbeginn leicht gestiegen ist – von 0,1 Prozent im Februar auf zuletzt rund 0,5 bis 0,6 Prozent –, aber weiterhin klar innerhalb des Zielbands von 0 bis 2 Prozent liegt. Der starke Franken dämpft die importierte Inflation zusätzlich, was der SNB Spielraum verschafft, an ihrer expansiven Ausrichtung festzuhalten.
Mit dem EZB-Zinsschritt vom Juni und der nun eingeläuteten Pause hat sich der Zinsabstand zwischen Euro und Franken bereits spürbar zugunsten des Euro verschoben – aktuell rund 2,25 Prozentpunkte. Sollte die EZB im September tatsächlich nachlegen, würde sich dieser Abstand nochmals vergrössern.
Der Euro notiert gegenüber dem Franken weiterhin unterhalb der Parität und bewegte sich zuletzt in einer Bandbreite von rund 0,92 bis 0,93. Der Franken profitiert nach wie vor von seinem Status als sicherer Hafen, während die grössere Zinsdifferenz zugunsten des Euro der Aufwertungstendenz des Frankens tendenziell entgegenwirkt.
Die SNB hatte an ihrer Lagebeurteilung im Juni bekräftigt, bei Bedarf bereit zu sein, direkt am Devisenmarkt zu intervenieren, sollte sich der Franken rasch und übermässig aufwerten. Die Formulierung fiel dabei zurückhaltender aus als in früheren Kommunikationen, was manche Beobachter als Zeichen dafür werten, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken zuletzt nachgelassen hat.
Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger sowie institutionelle Investoren bleibt die Konstellation vorerst intakt: Die EZB tendiert Richtung weiterer Straffung, während die SNB an ihrer Nullzinspolitik festhält. Die nächste geldpolitische Standortbestimmung beider Notenbanken fällt auf September – ein Monat, der damit zum entscheidenden Prüfstein für die weitere Zins- und Frankenentwicklung wird. Bis dahin dürfte der Franken in seiner bekannten Handelsspanne gegenüber dem Euro verharren, sofern keine neuen geopolitischen oder konjunkturellen Schocks dazwischenkommen.