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Marsh-Studie: Institutionelle Investoren stärken Liquidität und schichten in Infrastruktur und Emerging Markets um

Die Erhebungen von Marsh zeigt, dass institutionelle Anleger signifikante Anpassungen bei ihren Portfolios gemacht haben (Bild: Shutterstock)
Die Erhebungen von Marsh zeigt, dass institutionelle Anleger signifikante Anpassungen bei ihren Portfolios gemacht haben (Bild: Shutterstock)

Geopolitische Unsicherheit, anhaltende Inflation und ein sich wandelndes Anlageumfeld veranlassen die grössten Asset Owner der Welt zu spürbaren Portfolioanpassungen. Das zeigt das «Global Asset Owner Barometer 2026» des Beratungsunternehmens Marsh.

21.09.2026, 11:13 Uhr
Asset Management

Redaktion: asc

In die Untersuchung flossen die Einschätzungen von 430 institutionellen Investoren mit einem gemeinsam verwalteten Vermögen von 5,76 Billionen US-Dollar ein – gegenüber 74 Teilnehmern mit über 2 Milliarden US-Dollar verwaltetem Vermögen im Vorjahresbarometer eine deutliche Erweiterung des Untersuchungskreises.

Barbell-Strategie statt Richtungsentscheid

Nahezu die Hälfte (48,4 Prozent) der Befragten hat in den vergangenen zwölf Monaten die geografische Ausrichtung ihres Portfolios angepasst, mehr als ein Drittel hat das Gesamtrisiko reduziert (37,2 Prozent) oder die Liquidität beziehungsweise Cash-Bestände erhöht (36,7 Prozent). Niall O'Sullivan, Global Chief Investment Officer bei Marsh Investments and Retirement, spricht von einer bewussten «Barbell-Strategie»: Investoren stärkten gleichzeitig die Absicherung nach unten und die Flexibilität, um auf Marktchancen reagieren zu können.

Die Zahlen untermauern das. Bei den Netto-Allokationsabsichten – also der Differenz zwischen geplanter Erhöhung und Reduktion – verzeichnet Cash/Geldmarkt den grössten Sprung im Jahresvergleich: von minus 13,5 Prozent auf plus 22,0 Prozent, eine Verschiebung um 35,5 Prozentpunkte. Auch entwickeltes Marktkredit-Exposure wechselte von einer Nettoreduktion (minus 5,4 Prozent) zu einer Nettoerhöhung (plus 21,8 Prozent).

Am stärksten gefragt bleibt Infrastruktur mit einer Netto-Allokationsabsicht von plus 42,3 Prozent – gut die Hälfte der Befragten (50,7 Prozent) will hier aufstocken. Es folgen inflationsgeschützte Anlagen wie inflationsindexierte Anleihen (plus 35,2 Prozent, ein Anstieg um 24,4 Prozentpunkte gegenüber 2025) sowie Aktien aus Emerging Markets (plus 33,5 Prozent, plus 30,8 Prozentpunkte). Bei den geografischen Präferenzen zeigt sich dagegen Zurückhaltung gegenüber den grossen Indexmärkten: US-Aktien (minus 10,3 Prozent netto) und britische Aktien (minus 16,5 Prozent netto) verlieren an Rückhalt – Marsh verweist auf die Konzentration weniger Technologiewerte in US-Leitindizes, die geografisches Exposure zunehmend mit Sektor- und Faktorkonzentration gleichsetzt.

Private Markets: fast universell, aber selektiver

Praktisch alle befragten Investoren (96,3 Prozent) halten mittlerweile Private-Markets-Positionen, gegenüber 80 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig kühlt sich die Dynamik bei Private Debt und Private Equity ab: Nur noch 34,4 respektive 31,6 Prozent planen eine Aufstockung, gegenüber 48 Prozent (Private Debt) im Jahr 2025. 44,0 Prozent der Befragten verschärfen ihre Auswahlkriterien angesichts hoher Bewertungen, die für 47 Prozent nach wie vor der wichtigste Faktor bei der Kapitalallokation sind. «Private Markets sind leichter zugänglich geworden, aber schwieriger gut zu managen», kommentiert Garvan McCarthy, Chief Investment Officer of Alternatives bei Marsh Investments and Retirement. Künftig hätten jene institutionellen Investoren einen Vorteil, die ihre Kapitalzusagen flexibel steuerten, die Allokationsdisziplin beibehielten und die Auswirkungen jedes Engagements auf Liquidität und Gesamtrisiko verstünden.

KI: hohe Ambition, dünne Governance

Ein zentrales Spannungsfeld der Studie betrifft den Einsatz künstlicher Intelligenz. 82,8 Prozent der Befragten stufen Technologie, Automatisierung und weitergehende Umbrüche über einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren als bedeutend ein – der höchste Wert unter allen untersuchten strukturellen Trends. Kurzfristig dominiert dagegen geopolitisches Risiko: 75,1 Prozent sehen es über die kommenden zwölf Monate als signifikanten Einflussfaktor, vor Inflation und KI-bedingter Disruption (je rund 73 Prozent).

Bei der praktischen Umsetzung klafft die Schere zwischen Ambition und Kontrolle deutlich auseinander. 57,7 Prozent nennen KI-Tools und -Anwendungsfälle als Priorität für Investitionsausgaben in den nächsten zwölf Monaten – noch vor Datenmanagement (45,6 Prozent) und Portfolioanalyse-Tools (44,2 Prozent). Gleichzeitig verfügen nur 13,3 Prozent über unternehmensweite KI-Kontrollen mit klar definierten Investment-Anwendungsfällen; 31,6 Prozent setzen KI punktuell ein, ohne dass eine ausgereifte Governance dahintersteht, und weitere 22,6 Prozent entwickeln noch Richtlinien und führen begrenzte Experimente durch. Im Einsatz konzentriert sich KI bislang auf vorgelagerte, informationsintensive Aufgaben – Datenmanagement und Wissensrecherche (47,4 Prozent), Workflow-Automatisierung (42,6 Prozent) und Risikomonitoring (40,9 Prozent) –, während direkte Anwendungen im Portfoliomanagement mit 31,4 Prozent (Portfoliokonstruktion) beziehungsweise 14,2 Prozent (Handel, Rebalancing, Execution) deutlich seltener sind.

Governance als limitierender Faktor

Auch bei der Portfoliokonstruktion selbst zeigt sich Beharrungsvermögen: Die strategische Asset-Allokation (SAA) bleibt für 66,5 Prozent der Befragten der dominante Rahmen, obwohl 62,1 Prozent das klassische 60:40-Portfolio als überholt betrachten und 57,4 Prozent die SAA in schnelllebigen Märkten als zu statisch einschätzen. Nur 13,3 Prozent vollziehen tatsächlich den Schritt von der strategischen Asset-Allokation zu einem konsolidierten Gesamtportfolio-Ansatz.

Als grösste Bremse für zeitnahe und wirksame Anlageentscheide nennen 38,4 Prozent der Befragten die Verfügbarkeit entscheidungsrelevanter Daten und Analysen, gefolgt von der Taktung von Gremiensitzungen (33,0 Prozent) und konkurrierenden organisatorischen Prioritäten (31,6 Prozent). Tobias Wolf, Leiter Investments und Retirement bei Marsh Schweiz, bringt das Spannungsfeld auf den Punkt: Kurzfristig prägten geopolitische Risiken und Inflation die Investitionsentscheidungen, während langfristig Technologie und umfassendere Umbrüche einen stärkeren Einfluss auf die Renditequellen haben dürften. Resilienz bedeute, bestehende Portfoliorisiken zu managen und gleichzeitig Annahmen zu überdenken, die in einem stärker von Umbrüchen geprägten Markt nicht mehr gelten könnten.

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