Britische Pensionsversicherer bauen Private Credit massiv aus

Britische Pensionsversicherer investieren immer mehr im Bereich Private Credit. Dies hat die Regulatoren alarmiert (Bild: Adobe Stock)
Britische Pensionsversicherer investieren immer mehr im Bereich Private Credit. Dies hat die Regulatoren alarmiert (Bild: Adobe Stock)

Britische Pensionsversicherer, die Pensionsverpflichtungen von Unternehmensrentenfonds übernehmen, setzen in ihren Portfolios immer stärker auf Private Credit. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Ratingagentur S&P. Die Portfoliotransformation wird weltweit beachtet, auch wenn die Pensionskassen-Systeme und die Regulationen nicht immer vergleichbar sind.

20.07.2026, 09:17 Uhr
Asset Management | Finanzplätze | Regulierung | Versicherungen | Vorsorge

Redaktion: asc

Private Credit hat sich zur bevorzugten Anlageklasse institutioneller Investoren entwickelt. Weltweit ist der Markt auf 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar angewachsen, mit einem jährlichen Wachstum von 13 bis 17 Prozent über das vergangene Jahrzehnt, wie der Finanzstabilitätsrat FSB in einem im Mai 2026 veröffentlichten Bericht festhält. Darüber schreibt die «Financial Times» in einer ausführlichen Analyse.

Für britische Pensionsversicherer passt die Anlageklasse strategisch besonders gut: Ihre langjährigen Verpflichtungen gegenüber Rentnern – oft über mehrere Jahrzehnte – erfordern langfristige, stabile Ertragsquellen. Private Darlehen, die Banken als Kreditgeber zunehmend ersetzen, bieten genau dieses Rendite-Risiko-Profil. «Private Assets passen sehr gut zu unseren Verbindlichkeiten, wenn man die richtigen Assets findet», wird Nuwan Goonetilleke, Head of Asset Management and Retirement bei Standard Life zitiert. Roman Hederer, Head of Portfolio Management bei L&G, ergänzt: «Einer der Gründe, warum wir Private Credit nutzen, ist die Diversifikation unserer Exposition im längerlaufenden Segment.»

Grossinvestoren entdecken den britischen Pensionsmarkt

Der Ausbau von Private Credit bei britischen Pensionsversicherern geht Hand in Hand mit dem Einstieg der grossen Private-Equity-Häuser in den sogenannten «Pension Risk Transfer»-Markt (PRT). Bei PRT-Transaktionen übernehmen Versicherer gegen eine Einmalzahlung die Pensionsverpflichtungen von Unternehmen – ein Wachstumsmarkt mit enormem Potenzial: Bis zu 500 Milliarden Pfund könnten britische Pensionsfonds in den nächsten Jahren auslagern.

Die globalen Schwergewichte der Branche sind laut der FT längst positioniert:

  • Brookfield übernahm Just Group mit einem Aufschlag von 75 Prozent und peilt bis zu 50 Milliarden Pfund jährlich an Pensionsübernahmen an.
  • Apollo kontrolliert über sein europäisches Versicherungsvehikel Athora nun die Pension Insurance Corporation (PIC), einen der grössten britischen PRT-Anbieter.
  • Blackstone schloss eine strategische Partnerschaft mit L&G, um massgeschneiderte Private-Credit-Investments speziell für Rentenversicherungsprodukte zu entwickeln – und sichert sich damit Zugang zum US-amerikanischen Private-Credit-Universum.

Diese Allianzen beschleunigen das Wachstum gleich auf mehreren Ebenen: Die Versicherer erhalten Zugang zu einem breiteren Spektrum an Kreditanlagen, während die Asset Manager neue, stabile Kapitalquellen erschliessen.

Stresstest bestanden: Portfolios robust aufgestellt

S&P hat die Widerstandsfähigkeit dieser Strategie unter die Lupe genommen und ein hypothetisches Portfolio eines britischen Lebensversicherers mit rund zwölf Prozent Private-Credit-Anteil einem harten Stresstest unterzogen. Das Ergebnis ist ermutigend: Selbst bei einem Schock vergleichbar mit der Finanzkrise 2008 würde der Versicherer ausreichend kapitalisiert bleiben. Die Diversifikation in private Kreditanlagen stärkt damit die Resilienz der Bilanzen.

Als Näherungsgrösse für die tatsächliche Exposition analysiert S&P die Level-3-Assets der britischen Lebensversicherer – Vermögenswerte, für die keine direkt beobachtbaren Marktpreise existieren und die modellbasiert bewertet werden. Bereinigt um Infrastrukturschulden und bestimmte Hypothekenkredite, überschreitet die Private-Credit-Exposition bei den grossen PRT-Anbietern durchweg die Zehn-Prozent-Marke. Die tatsächliche Gesamtexposition dürfte dabei noch höher liegen: Bei der PIC, vermutet S&P, wird ein Grossteil der Bestände in der Kategorie «Level 2» erfasst, die über direkt vergleichbare Marktdaten verfügt.

Wachstumsmotor KI und Infrastruktur

Der Nachschub an attraktiven Kreditprojekten ist gesichert. Private-Credit-Manager wie Apollo, Blackstone und Brookfield treiben eine Kreditvergabe-Boom an KI-Softwareunternehmen, Rechenzentren und mittelständische Unternehmen an – und ersetzen dabei zunehmend die traditionellen Bankfinanzierer. Der Anteil von KI-Infrastruktur an neuen Private-Credit-Deals stieg laut FSB auf 34 Prozent aller Transaktionen im Jahr 2025, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von 17 Prozent. Britische Pensionsversicherer profitieren als Kapitalempfänger direkt von dieser Dynamik.

Regulatoren begleiten das Wachstum

Das starke Wachstum hat die Aufmerksamkeit von Regulatoren und Ratingagenturen auf sich gezogen – ein Zeichen dafür, dass die Branche inzwischen systemische Relevanz erreicht hat. S&P und der FSB haben begonnen, die Bestände und Strukturen genauer zu analysieren. Versicherer ihrerseits begrüssen eine stärkere regulatorische Einbettung, da sie den nachhaltigen Ausbau der Anlageklasse absichert.

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