17.09.2026, 11:38 Uhr
Die Lage des Schweizer Vorsorgesystems hat sich laut dem neusten Vorsorgebarometer von Raiffeisen weiter verbessert. Zu verdanken ist dies vor allem der besseren finanziellen Situation insbesondere der Pensionskassen,...
Die US-Notenbank hat am 16. September den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben – die erste Erhöhung seit Juli 2023. Der Zinsschritt selbst war an den Märkten weitgehend eingepreist; die entscheidende Bewegungen im Markt löste erst der restriktive Ton von Fed-Chef Kevin Warsh im Anschluss an die Sitzung aus. Was heisst das für institutionelle Anleger in der Schweiz?
Der Zinsschritt war gut vorbereitet, und dann das: Fed-Chef Kevin Warsh begründete den Zinsentscheid damit, dass die Fed eine gewisse geldpolitische Lockerung zurückgenommen habe, um finanzielle und kreditbezogene Rahmenbedingungen stärker mit den Zielen der Notenbank in Einklang zu bringen, wie Bloomberg berichtet. Der Schritt zeige, dass es der Fed mit dem Ziel der Preisstabilität ernst sei, so Warsh weiter.
Morgan-Stanley-Chefökonom Michael Gapen wertete die Formulierung gegenüber Bloomberg als eindeutig hawkisch: Wenn der Fed-Vorsitzende die aktuelle Politik selbst als akkommodierend einstufe, gebe es aus seiner Sicht noch Handlungsbedarf.
Auslöser für die zunehmende Zinssorge ist ein Bericht des Bureau of Labor Statistics, wonach die Kerninflation im August stärker als erwartet gestiegen war. Das nährte die Befürchtung, dass sich der Preisdruck über die temporären Effekte von Zöllen und den Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Energiepreise hinaus verbreitert. Eine weitere Zinserhöhung scheint deshalb als wahrscheinlicher als auch schon.
Positiv gewertet wurde die Tatsache, dass der Zinsschritt trotz wiederholter Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach deutlich tieferen Zinsen efolgte. Wie die Financial Times schreibt, markierte die Entscheidung Warshs bislang deutlichstes Signal, dass er bereit ist, sich gegen den Präsidenten zu stellen – noch keine vier Monate nach seinem Amtsantritt. Trump reagierte auf Truth Social mit der Forderung, die US-Zinsen sollten bei 1 Prozent oder tiefer liegen, da die USA über die weltweit beste Bonität verfügten. Später relativierte er und sagte, er habe weiterhin Vertrauen in Warsh, schob die Verantwortung aber auf das aus seiner Sicht «feindselige» Notenbank-Gremium.
Laut FT bewegte sich der Dollar nach dem Entscheid rund 0,7 Prozent fester gegenüber einem Währungskorb, während die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen um 0,07 Prozentpunkte auf 4,74 Prozent anzog, bevor sie am Folgetag leicht auf 4,71 Prozent zurückging. Die Rendite 30-jähriger Anleihen gab dagegen leicht nach und notierte bei rund 5,35 Prozent. Robert Sockin, Chefökonom für die USA bei PGIM, bezeichnete Warsh gegenüber der FT als möglicherweise den hawkischsten Vertreter im gesamten Offenmarktsausschuss.
Unter institutionellen Investoren war weniger die Zinserhöhung selbst umstritten als die Frage, ob damit ein längerer Straffungszyklus beginnt oder ob es sich um eine gezielte, datenabhängige Nachjustierung handelt.
Auffällig ist die breite Übereinstimmung in drei Punkten: Erstens wird die Einstimmigkeit des Entscheids – 12 zu 0 statt eines gespaltenen Gremiums – als besonders hawkisches Signal gewertet. Zweitens lautet Warshs zentrale Botschaft, dass Preisstabilität Priorität habe, was die Glaubwürdigkeit der Fed stärkt, den weiteren Pfad aber bewusst offener und datenabhängiger lässt. Drittens fällt der Anlageeffekt uneinheitlich aus: Kurzlaufende Renditen bleiben wegen des Risikos weiterer Schritte unter Aufwärtsdruck, während am langen Ende eine überzeugende Inflationsbekämpfung stützend wirken kann. Für Aktien steigt dagegen der Gegenwind für hoch bewertete und refinanzierungsabhängige Marktsegmente.
Marktreaktionen preisen höhere Inflation ein
Viele Beobachter ordnen den Zinsschritt in den breiteren wirtschaftspolitischen Kontext ein: Der von der Fed favorisierte PCE-Preisindex liegt bei 3,7 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie das Zielniveau von 2 Prozent. Die ehemalige Fed-Ökonomin Claudia Sahm, heute Chefökonomin bei New Century Advisors, sieht klare Belege dafür, dass Zölle und der Nahost-Konflikt preistreibend wirken. Brown-University-Professor Jeff Colgan geht laut FT einen Schritt weiter: Ein erheblicher Teil der aktuellen Inflation sei direkt auf die Handels- und Aussenpolitik des Präsidenten zurückzuführen. Seit Warshs Nominierung im Januar hätten steigende Benzin- und Dieselpreise die US-Haushalte gemäss einem Tracker der Brown University um zusätzlich 108 Milliarden US-Dollar belastet. Entsprechend haben die Märkte schon reagiert
| Anlageklasse | Reaktion | Einordnung |
|---|---|---|
| US-Aktien | S&P 500 schloss rund 0,45 Prozent tiefer, der Dow verlor 1,21 Prozent bzw. 631 Punkte; der Nasdaq gab nur marginal nach. | Belastend wirkten vor allem die restriktiven Aussagen von Fed-Chef Warsh, nicht der Zinsschritt selbst. |
| US-Staatsanleihen | Zweijährige Rendite stieg auf rund 4,72 bis 4,73 Prozent, zehnjährige Rendite lag bei rund 5,0 Prozent; 30-jährige Rendite gab leicht nach. | Der Anstieg am kurzen Ende signalisiert erwarteten weiteren Straffungsdruck, während das lange Ende auf erhöhte Wachstums- respektive Inflationsrisiken hindeutet. |
| US-Dollar | Dollarindex stieg um rund 0,5 Prozent auf 100,25; gegenüber dem Franken erreichte der Dollar ein neues Jahreshoch von 0,8251 Franken. | Aussicht auf höhere US-Zinsen stützt die Währung, besonders gegenüber Niedrigzinswährungen wie dem Franken. |
| Gold | Preis fiel zeitweise um bis zu 1,1 Prozent auf 4'313 US-Dollar je Unze. | Höhere reale beziehungsweise erwartete Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten von unverzinslichem Gold. |
| Krypto | Bitcoin notierte nahe 75'400 US-Dollar, praktisch unverändert auf Stundenbasis. | Der erwartete Zinsschritt war offenbar bereits eingepreist. |
Was heisst das für Schweizer Investoren?
Der sichtbarste direkte Transmissionseffekt war der stärkere Dollar: USD/CHF erreichte nach dem Entscheid 0,8251 Franken, während EUR/USD auf 1,1472 fiel. Für Schweizer Investoren bedeutet das kurzfristig Währungsrückenwind auf nicht abgesicherte Dollar-Anlagen, gleichzeitig erhöht das höhere US-Zinsniveau den Bewertungsdruck auf langlaufende Wachstumswerte, Private-Equity-Multiples und hoch verschuldete Unternehmen.
Für institutionelle Portfolios ist vor allem die Kombination relevant: höhere zweijährige Treasury-Renditen, ein stärkerer Dollar und schwächere Aktien nach der Pressekonferenz signalisieren, dass der Markt den Entscheid nicht als einmaligen Schritt, sondern als Beginn eines potenziell restriktiveren Pfads liest.
DPAM: US-Small- und Mid-Caps trotzen der hawkischen Fed
Einen dezidiert konstruktiven Kontrapunkt setzt Degroof Petercam Asset Management (DPAM). Die Fondsmanager Michel Bourgon und Laura Corrieras sehen bei US-Small- und Mid-Cap-Aktien (SMID-Caps) trotz des restriktiveren Fed-Kurses eine aussergewöhnliche fundamentale Stärke. Für 2027 erwarten sie ein Gewinnwachstum je Aktie (EPS) von 43 Prozent – gegenüber lediglich 13 Prozent beim S&P 500.
Getragen werde diese Entwicklung von den milliardenschweren Investitionen der grossen Technologiekonzerne in KI-Infrastruktur, die einen direkten Multiplikatoreffekt auf die Auftragsbücher spezialisierter SMID-Unternehmen auslösten und nach Einschätzung von DPAM rund einen Prozentpunkt zum US-BIP-Wachstum beitragen. Im zweiten Quartal 2026 übertrafen 64 Prozent der Unternehmen im Russell 2000 die Gewinnerwartungen; Analysten hoben in der Folge ihre Umsatz- und Gewinnprognosen für die kommenden zwei Jahre an.
Trotz gestiegener Finanzierungskosten blieben die operativen Margen nahe historischer Höchststände, da Produktivitätsgewinne durch KI und Automatisierung Lohnsteigerungen und höhere Zinslasten kompensierten, so Bourgon und Corrieras. Kurzfristige politische Unsicherheit könne zwar für taktische Volatilität sorgen, die fundamentale These für US-SMID-Caps sei aber intakt: eine Kombination aus strukturellem Wachstum und operativer Widerstandsfähigkeit.