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Aberdeen Investments: Schwellenländer als Einkommensquelle

Aberdeen Investments zeigt auf, dass auch Dividenden-Strategien Schwellenländer Sinn machen (Bild: Adobe Stock)
Aberdeen Investments zeigt auf, dass auch Dividenden-Strategien Schwellenländer Sinn machen (Bild: Adobe Stock)

Wer an Schwellenländer denkt, denkt an Wachstum – nicht an Dividenden. Doch Matt Williams, Senior Investment Director bei Aberdeen Investments, zeigt in einer aktuellen Analyse, warum diese Perspektive zu kurz greift: EM-Märkte sind längst auch ein attraktives Einkommensuniversum.

18.06.2026, 16:11 Uhr
Anlagestrategie

Redaktion: asc

Schwellenländer gelten als Wachstumsmarkt – Punkt. Diese Wahrnehmung ist tief verankert, aber sie verstellt den Blick auf eine zunehmend relevante Realität: EM-Aktien bieten heute auch ein breites und strukturell gestütztes Einkommensuniversum, das für aktive Investoren mit Total-Return-Ansatz besonders interessant ist. «EM stellen heute ein breites und zunehmend überzeugendes Einkommensuniversum für aktive Investoren dar, deren Fokus auf dem Gesamtertrag liegt», schreibt Matt Williams, Senior Investment Director bei Aberdeen Investments. «Die Kombination aus wachsenden Dividendenchancen und strukturellem Wachstumspotenzial macht diese Assetklasse zu einer attraktiven und oft unterschätzten Anlagechance.»

Wer also weiterhin ausschliesslich durch die Wachstumsbrille auf Schwellenländer blickt, läuft Gefahr, einen wesentlichen Aspekt dieser Assetklasse zu übersehen.

Dividendenzahlende Unternehmen: EM überholen Industrieländer

Matt Williams, Senior Investment Director bei Aberdeen Investments (Bild: Aberdeen Investments)
Matt Williams, Senior Investment Director bei Aberdeen Investments (Bild: Aberdeen Investments)

Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind dividendenzahlende Unternehmen in Schwellenländern heute eher die Regel als die Ausnahme. Seit 2010 liegt der Anteil der ausschüttenden Firmen in EM-Märkten mit rund 85 Prozent regelmässig über dem Niveau der Industrieländer – ein struktureller Wandel, der sich in verbesserten Governance-Standards, stärkeren Bilanzen und einem wachsenden Bewusstsein für Aktionärsrenditen niederschlägt.

Noch bedeutsamer ist das Niveau der laufenden Erträge: Mehr als die Hälfte aller EM-Unternehmen bietet eine Dividendenrendite von über 3%. Damit ist Income Investing in diesen Märkten keine Nischenstrategie mehr, sondern ein zentrales Thema.

Ein klassisches Missverständnis: Einkommensorientiertes Investieren bedeute ein Fokus auf defensive Sektoren. Williams widerspricht klar: «In Schwellenländern trifft das nicht zu. Dividendenerträge erstrecken sich über zahlreiche Sektoren hinweg, darunter Finanzwerte, Rohstoffe, Energie und Technologie.» Infrastrukturbezogene Bereiche sind dabei besonders aufschlussreich: Die steigende Nachfrage nach Strom, Elektrifizierung und Netzmodernisierung – angetrieben durch Digitalisierung und die Energiewende – schafft nachhaltige Cashflows. Rohstoffe wie Kupfer sowie Entwicklungen entlang der Energie-Wertschöpfungskette unterstreichen die Breite des Einkommensuniversums.
Auch geografisch ist die Diversifikation bemerkenswert: Attraktive Renditen finden sich von Asien über Lateinamerika bis zum Nahen Osten und Osteuropa.

Dividendenwachstum: +12 Prozent jährlich über zwei Jahrzehnte

Dass Einkommen und Wachstum sich ausschliessen, ist in den Schwellenländern ebenfalls ein Mythos. Seit den frühen 2000er Jahren ist das Dividendenwachstum in EM-Märkten deutlich stärker ausgefallen als in Industrieländern – mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von nahezu 12 Prozent. «Einkommen und Wachstum schliessen sich in EM nicht aus, sondern sind eng miteinander verknüpft», fasst Williams zusammen. «Mit zunehmenden Einkommen und expandierenden Mittelschichten profitieren führende lokale Marken von steigender Nachfrage und verbesserter Profitabilität – ein günstiges Umfeld für weiteres Dividendenwachstum.»

Die strukturellen Treiber dahinter sind langfristiger Natur: steigende Infrastrukturinvestitionen, die Ausweitung digitaler Technologien und eine wachsende Konsumnachfrage – allesamt Faktoren, die stabilere und nachhaltigere Cashflows fördern.

Gesamtertrag: Dividenden machen die Hälfte aus

Williams weist auf eine oft unterschätzte Rechnung hin: Der Zinseszinseffekt von Dividendenausschüttungen hat historisch rund die Hälfte der Gesamterträge in Schwellenländern ausgemacht. Dividendenrenditen in EM gehörten in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu den höchsten im MSCI-Universum.

Der positive Kreislauf ist dabei entscheidend: Starkes Wirtschaftswachstum stützt die Unternehmensgewinne, diese fördern das Dividendenwachstum – und damit die Einkommenskomponente der Gesamtrendite.

Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten sieht Williams die Assetklasse in einer frühen Phase eines neuen Aufschwungs: «Die Assetklasse scheint sich in einer frühen Phase eines neuen Aufschwungs zu befinden, der durch einen neuen globalen Investitionszyklus gestützt wird. Strukturelle Veränderungen – darunter ein stärkerer Fokus auf Energiesicherheit, resilientere Lieferketten, steigende Verteidigungsausgaben und Investitionen in künstliche Intelligenz – treiben weltweit höhere Investitionen an.»

Entscheidend kommt die Bewertungsfrage hinzu: Der MSCI EM Index wird nach wie vor mit einem Abschlag von rund 40 Prozent gegenüber dem S&P 500 gehandelt – selbst nach der jüngsten starken Performance. Gleichzeitig wurden die Gewinnerwartungen nach oben revidiert. Diese Kombination aus strukturellen Rückenwind-Faktoren, attraktiven Dividendenrenditen und günstiger Bewertung könnte laut Williams ein besonders fruchtbares Umfeld für aktive Manager schaffen.

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