03.07.2026, 07:00 Uhr
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat ihre Taktische Asset Allocation für Juli 2026 angepasst und das Aktienübergewicht in den Portfolios wieder erhöht. Gleichzeitig kauft das Institut zyklische Titel aus dem Bereich...
Neuberger blickt anlässlich des 250. Jahrestags der USA auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurück. Erik Knutzen, Senior Advisor Multi-Asset Strategies, und Jeff Blazek, Co-Chief Investment Officer Multi-Asset Strategies bei Neuberger ziehen daraus drei strukturelle Lehren für institutionelle Portfolios.
Die USA feiern in diesem Jahr ihren 250. Jahrestag. Für Erik Knutzen, Senior Advisor Multi-Asset Strategies, und Jeff Blazek, Co-Chief Investment Officer Multi-Asset Strategies bei Neuberger, ist das Jubiläum Anlass, die Entwicklung der US-Wirtschaft und der Kapitalmärkte seit dem 200. Jahrestag 1976 einzuordnen. Ihr Befund: Die US-Wirtschaft ist heute so gross, produktiv und technologisch fortschrittlich wie nie zuvor – gleichzeitig bereiten die unsichere Welt- und Wirtschaftslage sowie ihre Auswirkungen auf die Märkte den Autoren Sorgen.
1976 kämpften die USA mit massiver Stagflation, einer schweren Energiekrise sowie den Nachwirkungen von Watergate und Vietnamkrieg. Für US-Aktien sprach damals kaum etwas. In den folgenden 50 Jahren stieg das Pro-Kopf-Einkommen deutlich, die Inflation ging zurück, und die USA wurden unabhängiger von Energieimporten.
Die Marktkapitalisierung des S&P 500 wuchs in dieser Zeit von rund 660 Milliarden auf etwa 70 Billionen US-Dollar. 1976 war noch keines der heutigen Magnificent-Seven-Unternehmen börsennotiert; heute sind sie alle mehrere Billionen US-Dollar wert. Aus Sicht von Knutzen und Blazek illustriert dies, wie dynamisch sich US-Unternehmen entwickelt und dabei nicht nur Anlegerwerte, sondern auch technologische Durchbrüche mit globaler Wirkung geschaffen haben.
Die Autoren identifizieren drei Entwicklungen, die für Anleger heute besonders relevant sind:
Benchmarkstruktur: Wer 1976 in den S&P 500 investierte, setzte vor allem auf Energie- und zyklische Industriewerte. Heute dominieren Technologiewerte mit klarem Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz – ein Gewicht, das durch mögliche Börsengänge von SpaceX, Anthropic und OpenAI weiter zunehmen könnte. Passives Investieren sei damit keineswegs mehr die neutrale Standardlösung, so Knutzen und Blazek, da sich die Indexzusammensetzung selbst laufend verändert. Zur Erinnerung: Als John Bogle am 31. August 1976 den Vanguard Index Fund auflegte, sammelte dieser gerade einmal 11 Millionen US-Dollar ein und wurde von Kritikern als «Bogle's Folly» verspottet, wie Bogle selbst 2011 im Wall Street Journal rückblickend schrieb. Heute fliessen Billionen in Fonds, die Benchmarks abbilden – Benchmarks, die ihrerseits das Ergebnis aktiver Entscheidungen sind.
Informationsverarbeitung: 1976 waren Wirtschafts- und Marktdaten knapp und ungleich verteilt, was einzelnen Anlegern Vorteile verschaffte. Heute stehen praktisch unbegrenzte Datenmengen in Echtzeit zur Verfügung, wodurch Märkte schneller und effizienter reagieren. Der Vorteil aktiver Investoren liege heute nicht mehr im Zugang zu Informationen, sondern in der Art, wie diese – zunehmend mithilfe von künstlicher Intelligenz – verarbeitet werden.
Diversifikation: Vor 50 Jahren steckten viele Aktien- und Anleihenmärkte noch in den Anfängen oder waren für Anleger schlicht nicht zugänglich – dies galt erst recht für Private Equity, Private Credit und liquide alternative Anlagen. Diese Anlageklassen machen heute einen wesentlichen Teil gut konstruierter Portfolios aus. Der Vorteil für heutige Anleger sei entsprechend gross, erfordere aber auch ein deutlich anspruchsvolleres Risikomanagement.
Neben den positiven Entwicklungen benennen Knutzen und Blazek auch die Kehrseite: Die US-Staatsschulden sind in den vergangenen 50 Jahren von rund 30 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf über 120 Prozent gestiegen, das Haushaltsdefizit liegt mit 6 Prozent des BIP deutlich über den knapp 4 Prozent von 1976 – Daten der Federal Reserve Bank of St. Louis per Stand 31. Dezember 2025 zufolge. Hinzu kommen eine zunehmende Einkommensungleichheit, sinkende Erschwinglichkeit von Wohneigentum, eine polarisiertere Politik sowie eine mögliche Gegenbewegung nach 50 Jahren Globalisierung. Diese Belastungsfaktoren seien real, aber weder neu noch auf die USA beschränkt – viele Industrieländer stünden vor ähnlichen fiskalischen und politischen Herausforderungen.
Trotz der Herausforderungen raten die Neuberger-Strategen zu Zuversicht. Langfristig bestimmten menschlicher Erfindergeist, Kreativität und Produktivität die Finanzmärkte – Faktoren, die Wirtschaftswachstum, steigende Unternehmensgewinne und damit auch höhere Aktienkurse ermöglichten, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. Ob KI-Revolution, weitere technologische Durchbrüche oder unternehmerischer Erfindergeist: Es gebe gute Gründe, auch für die kommenden 50 Jahre optimistisch zu bleiben – «faktengestützt optimistisch», wie es die Autoren formulieren.