24.06.2026, 07:24 Uhr
Der Bundesrat hat am 12. Juni 2026 die Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVV2) angepasst. Ab dem 1. August 2026 dürfen Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ihr...
UBS-CEO Sergio Ermotti hat am zweiten Tag des Point Zero Forum in Zürich klar gemacht, dass die Schweiz ihre Stärken als Finanzplatz aktiv verteidigen muss – und den Ball im Regulierungsstreit dem Parlament zugespielt.
Einen Tag nachdem Bundesrätin Karin Keller-Sutter am Point Zero Forum die vom Bundesrat präsentierten Kapitalrichtlinien für die UBS als vertretbar bezeichnet und die Grossbank zur Zurückhaltung aufgefordert hatte, meldete sich UBS-Group-CEO Sergio Ermotti auf derselben Bühne zu Wort. Sein Ton war moderat, seine Botschaft unmissverständlich.
Ermotti verzichtete auf eine direkte Konfrontation mit der Finanzministerin. Stattdessen skizzierte er das grössere Bild: Die Schweiz sei zwar die zwanziggrösste Volkswirtschaft der Welt – trotz einer Bevölkerung von rund neun Millionen Menschen –, doch dieser Erfolg sei kein Naturgesetz.
Dabei machte er eine kausale Kette deutlich: Ohne Wettbewerbsfähigkeit kein Wachstum – und ohne Wachstum keine neuen Arbeitsplätze. Europa sei ein warnendes Beispiel: Der Kontinent schaffe kein neues Vermögen, bringe keine Innovation und wachse nicht. Die Schweiz dürfe diesen Weg nicht einschlagen. «Ohne Wettbewerbsfähigkeit werden wir keine neuen Arbeitsplätze schaffen», sagte Ermotti. «Ohne Wettbewerbsfähigkeit werden wir die Schweiz nicht als globales und lebendiges Finanzzentrum erhalten.»
Die Botschaft an die offizielle Schweiz war klar: Regulierung und Stabilität seien keine Gegensätze zur Wettbewerbsfähigkeit – aber eine zu restriktive Regulierung könne den Finanzplatz Schweiz in einem Umfeld schwächen, in dem Asien, der Nahe Osten und die USA als Finanzzentren massiv aufholen.
Ermotti nutzte die Gelegenheit, um das vorherrschende Narrativ über den CS-Kollaps zu korrigieren. Er widersprach der Darstellung, wonach das damalige Regulierungsregime versagt habe: «Was in diesem Umfeld nicht gesagt wird, ist, dass einer der Hauptgründe für das Scheitern der Credit Suisse darin bestand, dass sie regulatorische Konzessionen hatten und die Anforderungen, die wir bei der UBS erfüllt haben, nicht eingehalten haben.»
Dies sei ein wesentlicher Teil der Wahrheit, der in der politischen Debatte fehle, so Ermotti. Eine unvollständige Aufarbeitung der Vergangenheit führe zu falschen Schlussfolgerungen für die Zukunft.
Explizit richtete sich Ermotti nicht gegen Bundesrätin Keller-Sutter. Den Entscheid über die künftigen Kapitalanforderungen adressierte er an das Parlament – und damit an den politischen Prozess. Er zeigte sich gesprächsbereit: «Wir sind immer offen für Diskussionen.»
Diese Haltung entspricht Ermottis Linie der vergangenen Monate. Bereits am Swiss Economic Forum Anfang Juni hatte er erklärt, die UBS wolle dazu beitragen, dass die Entscheidung auf Fakten basiere und weniger auf «Emotionen und Angstmacherei». Am Ende werde man den Entscheid des Parlaments «akzeptieren und respektieren».
Jenseits der Regulierungsdebatte thematisierte Ermotti auch strukturelle Schwächen der Schweizer Wirtschaft. Trotz ihrer Position als eines der innovativsten Länder der Welt habe die Schweiz in den letzten Jahren lediglich fünf Unicorns (Startups, die mit einer Milliarde Franken bewertet werden) hervorgebracht – deutlich weniger als Frankreich oder Deutschland. «Wir müssen wirklich verstehen, wie wir Kapital mobilisieren, um neuen Wert zu schaffen», sagte er.
Das gelte nicht nur für den Finanzsektor. Der UBS-CEO verwies auf das Kreditvolumen der Grossbank im Inland: 360 Milliarden Franken an Krediten in der Schweizer Wirtschaft – ein Beitrag, der in der öffentlichen Wahrnehmung oft untergeht.
Der Auftritt Ermottis am Point Zero Forum steht exemplarisch für die delikate Balance, die UBS derzeit in der Regulierungsdebatte sucht: sachlich, nicht defensiv; offen für Dialog, aber klar in der Sache. Der Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher hatte die Bundesratspläne – die unter anderem eine vollständige Eigenkapitalunterlegung der ausländischen UBS-Töchter vorsehen und laut Grossbank rund 22 Milliarden Dollar Zusatzkapital erfordern würden – noch an der Generalversammlung im April als «extreme Vorschläge» bezeichnet.
Ermottis Aufritt am Point Zero Forum war deutlich moderater – aber in der Substanz nicht weniger klar: Die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz ist keine Verhandlungsmasse.