03.07.2026, 11:38 Uhr
Die Schweizer Pensionskassen haben im Juni von der positiven Entwicklung an den Aktien- und Obligationenmärkten profitiert. Gemäss dem aktuellen Swisscanto Pensionskassen-Monitor erzielten die Vorsorgeeinrichtungen...
Der Rekord-Börsengang von SpaceX hat die Messlatte für die kommenden IPOs von Anthropic und OpenAI markant erhöht – und zugleich gezeigt, wie fragil das Zeitfenster für Mega-Emissionen sein kann. Während Halbleiterwerte wie Samsung und SK Hynix zwischen Rekordgewinnen und heftigen Kurseinbrüchen schwanken, dürfte die laufende Berichtssaison darüber entscheiden, ob Investoren den milliardenschweren Bewertungen der KI-Champions weiterhin Vertrauen schenken.
Ein kurzer Blick zurück: SpaceX ging am 12. Juni 2026 unter dem Kürzel SPCX an die Nasdaq – zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie und einer Startbewertung von rund 1,77 Billionen US-Dollar. Damit übertraf die Emission mit einem Volumen von 75 Milliarden US-Dollar den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 deutlich. Dank einer eigens gelockerten Nasdaq-Regel wurde die Aktie bereits nach nur 15 Handelstagen per 7. Juli 2026 in den Nasdaq 100 aufgenommen – ein Rekord für die schnellste Indexaufnahme in der Geschichte des Leitindex.
Der Kursverlauf seither mahnt allerdings zur Vorsicht: Die Aktie legte beim Debüt um rund 50 Prozent zu, notiert aber inzwischen bereits 28 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Ihr Gewicht im Nasdaq 100 dürfte wegen des geringen Streubesitzes bei unter einem Prozent liegen, was den unmittelbaren Kaufdruck durch Indexfonds relativiert.
Für die beiden grossen KI-Anbieter Anthropic und OpenAI hat dieser Präzedenzfall unmittelbare Konsequenzen. Anthropic reichte am 1. Juni 2026 vertraulich einen S-1-Entwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, OpenAI folgte am 8. Juni 2026. Anthropic wurde Ende Mai nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Für den annualisierten Umsatz meldete das Unternehmen im Mai 2026 einen Wert von über 44 Milliarden US-Dollar, wobei rund 80 Prozent auf das Geschäft mit Unternehmenskunden entfallen. Bemerkenswert: Für das zweite Quartal 2026 rechnet Anthropic mit einem Umsatzsprung auf 10,9 Milliarden US-Dollar und erstmals mit einem operativen Gewinn von rund 559 Millionen US-Dollar – die Profitabilität wird bereits für 2028 angepeilt, zwei Jahre früher als bei OpenAI.
OpenAI dagegen gerät nach dem holprigen SpaceX-Debüt zunehmend unter Zugzwang. Das Unternehmen hat noch kein offizielles Datum bestätigt und erwägt Berichten zufolge sogar eine Verschiebung des Börsengangs ins Jahr 2027. Für 2025 wies OpenAI einen Umsatz von 13,07 Milliarden US-Dollar aus, nach 3,7 Milliarden im Vorjahr, während im ersten Quartal 2026 Einnahmen von 5,7 Milliarden US-Dollar Ausgaben von 3,7 Milliarden US-Dollar gegenüberstanden. Angestrebt wird eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar. Die Verzögerungsdebatte bei OpenAI unterstreicht damit exakt jenes Risiko, vor dem Marktbeobachter bereits vor dem SpaceX-IPO gewarnt hatten: Ein volatiles Debüt des einen Mega-IPOs verschiebt das Zeitfenster und die Verhandlungsmacht der nachfolgenden Kandidaten.
Die jüngsten Kursausschläge bei den beiden südkoreanischen Speicherchip-Giganten liefern ein Stimmungsbild, das weit über den Halbleitersektor hinausreicht. Samsung Electronics verlor in einer Sitzung Anfang Juli über vier Prozent, SK Hynix knapp drei Prozent – zusammen stehen die beiden Titel für rund die Hälfte der KOSPI-Marktkapitalisierung, weshalb der gesamte Index kippt, sobald sie wanken. Ausgelöst wurde der jüngste Rücksetzer durch Berichte vom 2. Juli 2026, wonach Meta erwägt, überschüssige eigene Rechenkapazität an andere Anbieter zu vermarkten – was Zweifel weckte, ob der KI-Investitionszyklus seinen Höhepunkt bereits überschritten haben könnte.
Die Ausschläge waren teils dramatisch: Micron Technology verlor an einem einzigen Tag mehr als zehn Prozent trotz eines Jahresplus von 260 Prozent, während auch Nvidia und Broadcom unter Druck gerieten und der Ausverkauf am Kospi eine automatische Handelspause auslöste. Am 7. Juli überraschte Samsung dann mit Rekordzahlen – die Aktie reagierte dennoch negativ: Samsung Electronics erwartet für das zweite Quartal einen 19-fach höheren operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won (58,4 Milliarden US-Dollar), womit die eigene Prognose über den Analystenschätzungen lag – trotzdem fielen die Aktien zu Handelsbeginn um mehr als sechs Prozent.
Analysten werten die Bewegungen mehrheitlich als Gewinnmitnahmen nach einer ausserordentlichen Rally und weniger als fundamentalen Bruch: Auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate wird Samsung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund sechs gehandelt, SK Hynix mit etwa 6,6 – deutlich unter dem US-Rivalen Micron mit rund elf. Für die Tech-Branche insgesamt und die anstehenden Mega-IPOs ist die Botschaft dennoch eindeutig: Der KI-Handel bleibt hochsensibel gegenüber jeder Andeutung, dass Hyperscaler ihre Investitionen in Rechenkapazität drosseln könnten – genau jene Prämisse, auf der die Bewertungen von Anthropic und OpenAI massgeblich beruhen.
Trotz allem: Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die aktuellen Bewertungsniveaus tragfähig sind. Samsung Electronics legte Anfang Juli vorläufige Eckdaten zum zweiten Quartal vor, der ausführliche Bericht folgt am 23. Juli 2026, SK Hynix zieht am 29. Juli nach. Erst diese Zahlen werden zeigen, ob der Speicherzyklus die hohen Erwartungen tatsächlich trägt oder ob der Ausverkauf mehr war als ein Missverständnis über eine einzelne Meldung.
Für die Mega-IPO-Pipeline hat das doppelte Bedeutung. Fallen die Ergebnisse der grossen Halbleiter- und Cloud-Anbieter überzeugend aus, stützt das die Monetarisierungs-Story von Anthropic und OpenAI. Enttäuschen sie – etwa bei Margen oder Capex-Ausblick – dürfte die Risikobereitschaft rasch sinken und Emittenten dazu zwingen, ihre Zeitfenster oder Bewertungsansprüche nach unten zu korrigieren. Genau diese Dynamik spiegelt sich bereits in der Debatte um eine mögliche Verschiebung des OpenAI-Börsengangs auf 2027.
Für institutionelle Anleger aus der Schweiz ergeben sich aus dieser Gemengelage mehrere Konsequenzen. Erstens zwingt die automatische Nasdaq-100-Aufnahme von SpaceX indexnahe Vehikel faktisch zu einer Exposure, die sie nicht aktiv gewählt haben – ein Muster, das sich bei einer allfälligen Indexaufnahme von OpenAI oder Anthropic wiederholen dürfte.
Zweitens signalisiert die Zurückhaltung institutioneller Investoren gegenüber Samsung und SK Hynix trotz güngstiger Bewertungskennzahlen, dass die Nachhaltigkeit des KI-Investitionszyklus zunehmend kritisch hinterfragt werden kann. Drittens bleibt die Governance-Frage – etwa bei mehrklassigen Aktienstrukturen mit ausgeprägtem Stimmrechtsvorteil für Gründer – ein Thema, das für Governance-sensitive Investoren wie Schweizer Vorsorgeeinrichtungen bei Anthropic und OpenAI ebenso relevant werden dürfte wie bei SpaceX.