27.08.2026, 12:26 Uhr
Anhaltende Unsicherheit an den Märkten und zunehmend vielfältige Anlegererwartungen verleihen Multi-Asset-Fonds in der Vermögensverwaltung wachsende Bedeutung. Dies schreibt Rozenn Le Cainec, Co-Director Multi...
Der Goldmarkt zeigt sich Anfang September 2026 nervöser als noch vor wenigen Wochen: Statt der erwarteten Zinssenkungen rückt in den USA plötzlich wieder ein möglicher Zinsschritt nach oben in den Fokus. Für Schweizer Investorinnen und Investoren kommt dazu eine zweite Variable, die im internationalen Dollar-Chart oft untergeht: der Franken.
Gold notiert Anfang September 2026 bei rund 4'330 bis 4'390 US-Dollar je Feinunze, nachdem der Preis Anfang der Woche auf den tiefsten Stand seit über drei Wochen gefallen war. Grund dafür war eine Neubewertung der US-Zinserwartungen: Die Zahl der neu geschaffenen Stellen im US-Privatsektor lag im August bei nur 38'000 – dem schwächsten Zuwachs seit Januar – während gleichzeitig eine Verlangsamung der Ölrally und hartnäckige Inflationssorgen die Fed vor ein Dilemma stellen.
Bemerkenswert: Statt sinkender Zinserwartungen hat sich das Bild zuletzt gedreht. Laut dem CME-FedWatch-Tool preist der Markt inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von rund 66 Prozent für eine Zinserhöhung an der September-Sitzung ein – vor einer Woche lag dieser Wert noch bei rund 40 Prozent. Fed-Chef Kevin Warsh hatte zuvor betont, die Notenbank habe bei der Inflationsbekämpfung noch «Arbeit vor sich», was die Erwartungen zusätzlich anheizte.
Das ist eine deutliche Verschiebung gegenüber dem Bild vom Spätsommer, als sinkende Zinserwartungen Gold noch gestützt hatten. Zur Erinnerung: Nach dem Rekordhoch von 5'594,82 US-Dollar Ende Januar war der Preis bis Anfang August um rund 23 Prozent auf etwa 4'295 US-Dollar eingebrochen, bevor eine Gegenbewegung einsetzte. Seit Jahresbeginn resultiert damit in US-Dollar weiterhin nur ein Plus von rund 1,1 Prozent – ein Bruchteil der Vorjahresrally.
Für Schweizer Anleger gilt eine einfache, aber entscheidende Faustregel: Die Goldrendite in Franken entspricht ungefähr der Goldrendite in US-Dollar plus der Veränderung des USD/CHF-Wechselkurses. Der Dollar notiert aktuell bei rund 0,81 Franken – deutlich tiefer als noch vor wenigen Jahren und Ausdruck eines strukturell starken Frankens. Die Neue Zürcher Zeitung beschrieb den Franken bereits im Winter als «letzten verbliebenen Stabilitätsanker» der Anleger, nachdem er gegenüber dem Euro so stark notiert hatte wie zuletzt vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses 2015. Der Franken gilt damit weiterhin als eigenständiger sicherer Hafen – was ihn tendenziell zu einer Konkurrenzanlage zu Gold macht, gerade in Stressphasen.
In Euro gerechnet steht Gold 2026 bei einem Plus von rund 2,5 Prozent und damit etwas besser da als in Dollar – ein Beleg dafür, wie stark die jeweilige Heimwährung das Ergebnis prägt. Für Schweizer Portfolios ist die Konsequenz klar: Eine ungesicherte USD-Goldposition ist nicht nur eine Wette auf Gold, sondern gleichzeitig eine Wette auf den Wechselkurs.
Anlageexperten raten deshalb zu Differenzierung: Während eine Währungsabsicherung bei Aktienanlagen mit langem Anlagehorizont nicht zwingend sinnvoll sei, empfehlen Vermögensverwalter gerade bei Goldpositionen tendenziell eine Absicherung des Währungsrisikos – unter anderem, weil sich Gold und Dollar historisch häufig gegenläufig entwickelt haben und sich Wechselkurseffekte so teilweise gegen den eigentlichen Gold-Diversifikationseffekt stellen können. Für Privatanleger ist eine solche Absicherung in der Praxis am einfachsten über «CHF-hedged»-Fondslösungen oder ETFs umsetzbar; institutionelle Anleger können zusätzlich über Devisentermingeschäfte oder Optionen steuern, wie stark sie dem Dollar ausgesetzt sein wollen. Für ein institutionelles Investmentkomitee bleibt die Währungsabsicherung damit ein eigenständiger Allokationsentscheid, der nicht implizit über die Goldposition mitlaufen sollte.
Trotz der jüngsten Nervosität bleibt das strukturelle Umfeld für Gold in weiten Teilen konstruktiv. Vier Treiber stechen hervor:
Neben der kurzfristigen Zins- und Datenlage lohnt sich der Blick auf eine längerfristige These, die UBS-Investmentbank-Chefstratege Bhanu Baweja kürzlich in der «Financial Times» dargelegt hat. Sein Ausgangspunkt: Seit dem Ende von Bretton Woods 1971 hat Gold drei grosse Haussephasen durchlaufen – die aktuelle, seit 2018 laufende Phase mit einer annualisierten Rendite von rund 19 Prozent sei noch nicht abgeschlossen.
Zentral für seine Argumentation ist ein Strukturbruch im Jahr 2022. Bis dahin bewegte sich Gold über zwei Jahrzehnte recht verlässlich gegenläufig zu US-Realzinsen. Diese Beziehung löste sich auf, als westliche Regierungen im Zuge des Ukraine-Kriegs russische Währungsreserven einfroren: Rund 630 Milliarden US-Dollar in Staatsanleihen wurden für die russische Notenbank quasi über Nacht unzugänglich. Reserveverwalter weltweit zogen daraus den Schluss, dass auch als sicher geltende Anleihen politisches Gegenparteirisiko tragen – Gold hingegen nicht. In der Folge erhöhten Schwellenländer-Notenbanken und Staatsfonds ihre Goldquote an den Reserven von rund 5 bis 7 Prozent im Jahr 2022 auf mittlerweile etwa 11 Prozent, während Industrieländer-Notenbanken im Schnitt weiterhin rund 26 Prozent halten. Diese Lücke, so die These, dürfte sich mittelfristig eher schliessen als vergrössern.
Zwei weitere Faktoren stützen laut Baweja das Bild: Erstens hat sich die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien in der inflationären Phase der vergangenen Jahre häufiger positiv verhalten, wodurch Staatsanleihen ihre klassische Diversifikationsfunktion für Aktienportfolios eingebüsst haben – eine Lücke, die zunehmend Gold füllt. Laut World Gold Council halten private und institutionelle Anleger bislang erst rund 3 Prozent ihres Finanzvermögens in Gold, was aus dieser Warte noch erheblichen Spielraum nach oben liesse, solange Anleihen diese Schutzfunktion nicht zurückgewinnen. Zweitens rückt die sogenannte Terminprämie – der Renditeaufschlag für langlaufende gegenüber kurzlaufenden US-Staatsanleihen – als struktureller Gold-Treiber in den Vordergrund: Bei einer US-Staatsverschuldung von bereits rund 32 Billionen US-Dollar, die sich laut der Einschätzung in den kommenden zehn Jahren nochmals verdoppeln könnte, sieht Baweja erste Anzeichen einer «fiskalischen Dominanz» – also einer Geldpolitik, die zunehmend von den Finanzierungsbedürfnissen des Staates statt von der Inflationssteuerung getrieben wird. Ein Muster, das aus Japan seit Langem bekannt ist und dort der Währung spürbar zugesetzt hat.
Für Schweizer Anleger ist an dieser These besonders bemerkenswert, dass sie den Franken explizit erwähnt: Baweja sieht die Märkte bereits dabei, den Währungen fiskalisch solider Staaten wie der Schweiz, Australiens und Kanadas einen systematischen Aufschlag zuzugestehen – nirgends zeige sich dieses Thema aber deutlicher und investierbarer als bei Gold selbst. Für ein Schweizer Portfolio bedeutet das: Die gleiche Fiskaldominanz-Sorge, die für Gold spricht, tendiert auch dazu, den Franken zu stützen – was die eingangs beschriebene Wechselkursdynamik nicht abschwächt, sondern eher verstärkt und die Frage der Währungsabsicherung bei Goldpositionen noch relevanter macht.
Genau diese Spannbreite ist selbst ein Signal für die aussergewöhnlich hohe makroökonomische Unsicherheit. Die grossen Häuser liegen inzwischen weit auseinander: UBS und Morgan Stanley sehen rund 5'200 US-Dollar als erreichbar, Goldman Sachs hat seine Prognose auf 4'900 US-Dollar gesenkt, während JP Morgan seine Vorhersage im Juli deutlich auf 4'500 US-Dollar zurückgenommen hat. Der Edelmetallhändler Heraeus nennt für 2026 eine realistische Bandbreite von 3'750 bis 5'000 US-Dollar. Auch UBS betont, dass die eigene Zielmarke von rund 5'000 US-Dollar kein kurzfristiges Kursziel ist, sondern voraussetzt, dass sich der Disinflations- und Lockerungspfad in den USA mittelfristig wieder durchsetzt; Rückgänge in Richtung oder unter 4'000 US-Dollar wertet die Bank als mögliche Gelegenheit für den Aufbau strategischer Positionen.
Technisch gilt der Bereich um 4'350 US-Dollar derzeit als wichtige Marke: Ein nachhaltiger Bruch nach unten würde das Risiko einer tieferen Korrektur erhöhen, ein Wiederanstieg über die jüngsten Zwischenhochs das mittelfristig bullische Bild stützen. Die kommende FOMC-Sitzung im September dürfte dabei richtungsweisend sein.
Für Schweizer Anlegerinnen und Anleger drängen sich aus der aktuellen Lage einige praktische Schlüsse auf: