07.07.2026, 10:40 Uhr
Anleihen sind nach der Zinswende wieder ein zentraler Baustein vieler Portfolios. Alain Barthel, Head of Sales Switzerland bei Eurizon erläutert im Interview, warum neben klassischen Fixed-Income-Anlagen insbesondere...
Family Offices haben sich zu hochprofessionellen Organisationen entwickelt und zählen heute zu den wichtigen Akteuren an den globalen Finanzmärkten. Das zeigt die neue Family Office Study 2026 von Roland Berger, für die 88 Family-Office-Mitglieder und assoziierte Fachleute aus der DACH-Region befragt wurden. Interessantist, wie geopolitische Unsicherheit die Portfolioausrichtung prägt.
Als langfristig orientierte Investoren fokussieren sich Family Offices auf Kapitalerhalt, disziplinierte Risikonahme und diversifizierte Portfolios. Um so mehr haben sich geopolitische Verwerfungen zur mit Abstand grössten Herausforderung für Family Offices entwickelt: 88 Prozent der Befragten stufen dieses Thema laut Roland Berger als bedeutsam ein – ein deutlicher Anstieg gegenüber 65 Prozent in der Vorperiode. Zinsunsicherheit bleibt ebenfalls relevant, ist mit 68 Prozent (zuvor 78 Prozent) aber leicht zurückgegangen, was auf eine gewisse Gewöhnung an das aktuelle Zinsumfeld hindeutet. Gleichzeitig gewinnen strukturelle Themen an Bedeutung: Die Digitalisierung wird von 65 Prozent der Befragten als Herausforderung genannt (zuvor 59 Prozent), die Energie- und Rohstoffkrise von 59 Prozent (zuvor 52 Prozent).
Bei der Vermögensallokation bleibt Immobilienbesitz mit 97 Prozent (zuvor 92 Prozent) die am weitesten verbreitete Anlageklasse, wird jedoch von vielen Family Offices auch am zweithäufigsten reduziert. Cash-Positionen halten 94 Prozent der Family Offices, was die Bedeutung von Liquidität und Flexibilität unterstreicht.
Die stärkste Dynamik zeigt sich bei Private Equity: 55 Prozent der Family Offices mit bestehenden Fondsengagements planen einen Ausbau (zuvor 48 Prozent), bei Direktinvestitionen sind es 50 Prozent (zuvor 57 Prozent) unter den 83 Prozent mit entsprechender Exponierung. Dies signalisiert eine strategische Verschiebung hin zu mehr Kontrolle und dem Einsatz interner Kompetenzen. Venture Capital bleibt hingegen die schwächste Anlageklasse: Nur 19 Prozent planen hier eine Erhöhung, während 35 Prozent ihr Engagement reduzieren wollen – ein Zeichen wachsender Risikoaversion. Edelmetalle rangieren mit 45 Prozent geplanten Erhöhungen (zuvor 29 Prozent) auf Platz drei der Wachstumsanlagen.
Bei der thematischen Investitionsausrichtung steht Infrastruktur klar an erster Stelle: 69 Prozent der Family Offices planen hier eine Erhöhung ihres Engagements (zuvor 41 Prozent), getrieben von stabilen, inflationsgekoppelten Renditen und hoher Widerstandsfähigkeit. Medizin und Gesundheitswesen bleiben mit 58 Prozent (zuvor 61 Prozent) ebenfalls hoch relevant. Künstliche Intelligenz hat gegenüber der Vorperiode deutlich zugelegt, von 37 auf 45 Prozent, während Finance & Fintech von niedriger Basis aus auf 19 Prozent gestiegen sind (zuvor 8 Prozent).
Bei der internationalen Ausrichtung zeigt sich: 90 Prozent der Family Offices investieren im Ausland, doch nur 40 Prozent allokieren mehr als die Hälfte ihres Vermögens international. Nordamerika bleibt mit 88 Prozent Relevanz der wichtigste internationale Zielmarkt, dicht gefolgt von Nordeuropa mit 87 Prozent – Letzteres mit dem höchsten geplanten Ausbau von 60 Prozent. Japan gilt mit 72 Prozent Relevanz als attraktivster nicht-westlicher Markt, unterstützt durch Strukturreformen und verbesserte Governance. Demgegenüber bauen 30 Prozent der Family Offices ihr Engagement im Nahen Osten ab, der zunehmend als Nicht-Kernregion neben Südamerika und Afrika betrachtet wird.
Auf organisatorischer Ebene bleibt Cybersicherheit mit 87 Prozent (zuvor 84 Prozent) die grösste interne Herausforderung, gefolgt von Digitalisierung mit 81 Prozent. Bei familienbezogenen Themen hat die Bedeutung von Nachfolgestrukturen leicht abgenommen, auf 65 Prozent (zuvor 71 Prozent), ebenso wie Governance-Strukturen zur Mitbestimmung, auf 49 Prozent (zuvor 68 Prozent) – ein Hinweis auf zunehmende Formalisierung. Die Ausrichtung an der Risikohaltung der Familie hat dagegen an Relevanz gewonnen, von 43 auf 45 Prozent, da volatile Märkte eine aktivere Positionierung erfordern.
Für die Studie wurden 88 Family-Office-Mitglieder und assoziierte Fachleute befragt, davon 78 Prozent mit Sitz in Deutschland, 14 Prozent in der Schweiz und 2 Prozent in Österreich. Die Erhebung erfolgte zwischen Dezember 2025 und März 2026.