Liquidität: «Schluss mit Silodenken»

Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman. (Bild pd)
Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman. (Bild pd)

«Ohne die übliche Trennung zwischen liquiden und illiquiden Anlagen sieht man vielleicht mehr Chancen und kann Portfolios besser an Anlageziele und Anlagehorizonte anpassen», schreibt Erik Knutzen, Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman.

06.12.2023, 11:29 Uhr
Alternatives | Anlagestrategie

Redaktion: sw

«Wenn wir börsennotierte und nicht börsennotierte Titel gemeinsam betrachten, verabschieden wir uns von der klassischen Zweiteilung in ‘traditionelle’ liquide und ‘alternative’ illiquide Anlagen», erläutert Knutzen im jüngsten CIO Weekly. Im Mittelpunkt stehe dann das Gleichgewicht zwischen verschiedenen Risiken – Zins-, Kredit-, Aktien- und Inflationsrisiko –, auf die man mit liquiden oder weniger liquiden Anlagen setzen können.

Eine weniger strikte Trennung zwischen liquiden und illiquiden Anlagen sei Teil der Rückbesinnung auf die Grundlagen des Investierens. «Unserer Ansicht nach zeigt sie den Wunsch, sich weniger mit der Unsicherheit der Märkte als mit der Sicherheit der eigenen Anlageziele zu befassen, einschliesslich des Anlagehorizonts. Vielleicht hat man dann Vorteile gegenüber kurzfristig denkenden Marktteilnehmern, die von der Volatilität hin- und hergerissen werden.»

Grösseres Anlageuniversum

Das sei nicht der einzige Vorteil, wenn man das Silodenken aufgibt und nicht mehr strikt zwischen liquiden und illiquiden Anlagen trennt, schreibt Knutzen. Man erweitere auch sein Anlageuniversum. Es gibt viel mehr Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Investoren als börsennotierte Aktiengesellschaften. Der Abstand wächst weiter, ebenso wie Grösse und Einfluss vieler nicht börsennotierter Unternehmen. Wenn man sie ignoriere, verzichte man vielleicht auf einen wichtigen Teil der Weltwirtschaft.

Wer liquide, teilweise liquide und illiquide Marktsegmente gemeinsam betrachte, könne auch Bewertungsunterschiede nutzen, bei Credits wie bei Aktien. Vielleicht sind Bankkredite zurzeit attraktiver als High Yield, und vielleicht ist Private Debt attraktiver als beides. Selbst die Anleihen und Loans ein- und desselben Emittenten können unterschiedlich bewertet sein.

Chancen verkennen

Bei einer derart breiten Sicht erkenne man auch leichter die komplexen Zusammenhänge zwischen Börsen und ausserbörslichen Märkten, die ebenfalls Chancen bieten können. «Wenn Kapital knapp ist, kann das für Kapitalgeber nur gut sein. Es beruht auf der Beobachtung, dass ein klassischer Exit über die Börse zurzeit nicht einfach ist – und dass die Anleihen- und Loanmärkte nicht börsennotierten Unternehmen zurzeit zu wenig Fremdkapital zur Verfügung stellen. Silodenken – liquid oder illiquide, börsennotiert oder nichtbörsennotiert – kann dazu führen, dass Investoren diese Chancen verkennen», schreibt der Experte.

Liquidität passend zum Anlagehorizont

So wichtig die Stärken einer integrierten Betrachtung seien – es gebe noch einen weiteren, vielleicht noch wichtigeren Vorteil: «Ohne Silodenken können Investoren ihren vielleicht wichtigsten und oft übersehenen Vorteil nutzen: die Kenntnis ihrer Anlageziele und vor allem ihres Anlagehorizonts. Dadurch wissen sie, wie viel Illiquidität sie kurzfristig akzeptieren können.»

Das ermögliche eine dreidimensionale Bewertungsanalyse: Vergleichen lassen sich dann nicht nur die Bewertungen unterschiedlichen Anlagen mit ähnlichen Risiken aber unterschiedlicher Liquidität. Man könne aber auch die Liquidität zum eigenen Anlagehorizont und dem Zeitraum in Beziehung setzen, über den Verluste toleriert werden.Weil dieser Zeitraum meist länger ist als der übliche Marktzyklus, können illiquide beziehungsweise nicht börsennotierte Anlagen sowie Buy-and-Hold-Strategien dann attraktiver erscheinen.

«Warum sollte man sich der unberechenbaren Marktvolatilität aussetzen, wenn risikolose Cashflows oder eine bis zur Endfälligkeit gehaltene Staatsanleihe gut zu unseren Anlageanforderungen passen? Und warum sollte man nicht zumindest einen Teil der Aktien in interessante nicht börsennotierte Buyouts investieren, wenn man aktienähnliche Erträge braucht, aber in den nächsten zehn Jahren nicht verkaufen will?», fragt sich der Chief Investment Officer – Multi-Asset Class bei Neuberger Berman.

Es wäre für ihn keine Überraschung, wenn immer mehr Investoren auf die alte Trennung zwischen börsennotierten und nicht börsennotierten Titeln verzichteten. «Dann können sie sich für eine Portfolioliquidität entscheiden, die zu ihren individuellen Zielen und ihrem Anlagehorizont passt.»

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