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US-Zwischenwahlen 2026: Was sie für Anlegerinnen und Anleger bedeuten

Am 3. November 2026 finden in den USA die nächsten Zwischenwahlen statt, die sogenannten Midterms. Gewählt werden das gesamte Repräsentantenhaus mit 435 Abgeordneten sowie rund ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Die Midterms bestimmen also die Mehrheitsverhältnisse im Kongress und somit auch den Handlungsspielraum des Präsidenten für die zweite Hälfte seiner Amtszeit. Doch was bedeuten die Midterms für die Anlegerinnen und Anleger?

15.10.2026, 14:17 Uhr

Autor: Simon Lazzara, Leiter Investment Strategy, Asset Management BEKB

Redaktion: asc

Die Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress könnten sich durch die Midterms vom 3. November 2026 verändern: Historisch betrachtet verliert die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen nicht selten die Mehrheit in einer der beiden Kammern. Das kann die politische Handlungsfähigkeit der Regierung einschränken. Gleichzeitig ist eine geteilte Regierung in den USA keineswegs ungewöhnlich und muss für die Wirtschaft und die Finanzmärkte nicht negativ sein.

Demokraten vor Mehrheitsgewinn?

Das aktuelle Umfeld spricht dafür, dass der Wunsch nach Veränderung bei einer Mehrheit der Wählerschaft überwiegt. Präsident Donald Trump steht in den Umfragen unter Druck. Dies zeigt sich beispielsweise am Job Approval Rating des US-Präsidenten. Dieses ist eine Kennzahl, um die politische Beliebtheit und den Erfolg des amtierenden Präsidenten im Volk zu messen. Für Donald Trump befindet sich dieses Rating auf einem historischen Tiefstand. Aktuell stimmen nur gerade 38 Prozent der Bevölkerung der Art und Weise, wie Trump seine Arbeit als Präsident macht, zu. Weiter geraten die Republikaner wegen der steigenden Lebenshaltungskosten und des unpopulären Krieges im Iran politisch zunehmend in die Defensive.

Gemäss aktuellen Umfragen könnten die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen. Eine geteilte Regierung würde die Regierungsarbeit von Donald Trump erschweren und zu einem politischen Stillstand («gridlock») führen. Denn es gibt nur wenige Bereiche, in denen die Parteien zu Kompromissen bereit sind. Aktuell sehen wir es als unser Basisszenario an, dass die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus erlangen und der Senat in republikanischer Hand bleibt. Diesem Szenario weisen wir eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent zu.

Ein zweites, weniger wahrscheinliches Szenario mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent wäre ein demokratischer Durchmarsch («democratic sweep»), bei dem die Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit übernehmen. In diesem Fall wären demokratische Gesetzesvorhaben wegen des Vetorechts von Donald Trump schwer durchsetzbar; gleichzeitig wäre auch Trumps Handlungsfähigkeit begrenzt.

Das dritte Szenario beschreibt den Status quo mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent. In diesem Fall behalten die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern. Die Trump-Regierung könnte ihre Agenda, zum Beispiel in der Steuer-, Migrations- oder Wirtschaftspolitik, ohne nennenswerten Widerstand des Kongresses weiter vorantreiben.

Zwischenwahlen als Kurstreiber?

Historisch gesehen tritt der US-Aktienmarkt nun in die stärkste Phase des vierjährigen Präsidentschaftszyklus ein. Im Jahr vor den Präsidentschaftswahlen machen die US-Aktienkurse jeweils am meisten Boden gut, mit einem durchschnittlichen Zuwachs von 18,1 Prozent. Am stärksten steigen die Kurse von Oktober im Jahr der Zwischenwahlen bis Juli im Vorwahljahr.

Doch historische Muster sind keine Garantie für die Zukunft. 2026 standen bei den Anlegerinnen und Anlegern bislang andere Themen im Vordergrund: der Konflikt mit Iran, der Boom rund um künstliche Intelligenz, die hartnäckige Inflation sowie die Geldpolitik der Notenbanken. US-Aktien folgten im Januar und Februar noch ungefähr dem typischen Verlauf eines Zwischenwahljahres, wichen aber danach davon ab: Auf den Rücksetzer infolge des Iran-Konflikts folgte eine starke, technologiegetriebene Erholungsrallye.

Damit stellt sich die Frage, ob sich die historisch starke Entwicklung zwischen Oktober und Juli auch in diesem Zyklus wiederholt. Für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger könnte sich daraus eine interessante Ausgangslage ergeben. Entscheidend bleibt jedoch, historische Muster nicht isoliert zu betrachten.

«It's policy, not politics»

Eine geteilte Regierung, wie wir sie in unserem Basisszenario erwarten, ist die häufigste politische Konstellation in den USA und nicht per se negativ für die Wirtschaft und die Finanzmärkte. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist die US-Wirtschaft im Durchschnitt 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen, die Aktienmarktrendite lag bei knapp 13 Prozent. Das zeigt: Anlegerinnen und Anleger sollten sich weniger von ihrer Meinung zur politischen Lage leiten lassen als von ihrer Einschätzung der Finanzmärkte und vor allem von ihrem persönlichen Anlageziel. Letztlich haben das wirtschaftliche Umfeld und die Geldpolitik («policy») und nicht die Politik («politics») den stärksten Einfluss auf die Finanzmärkte.

Der globale Konjunkturzyklus dürfte nach den Wahlen wieder eine wichtigere Rolle spielen. Zudem bleiben das robuste US-Wirtschaftswachstum, das Ausbleiben einer globalen Rezession sowie der Boom rund um künstliche Intelligenz aus unserer Sicht positive Treiber für die Aktienmärkte. Unsicherheit könnte von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und von der US-Zollpolitik ausgehen und kurzfristig zu Volatilität führen. Für das Jahr 2026 rechnen wir insgesamt mit deutlich positiven Aktienrenditen.

Wie sollten sich Anlegerinnen und Anleger positionieren?

Angesichts der derzeitigen politischen Lage in den Vereinigten Staaten dürften die Zwischenwahlen besonders emotional verlaufen. Anlegerinnen und Anleger sollten darauf achten, ihre Anlageentscheidungen nicht aufgrund von Emotionen zu fällen.

Während die Schwankungsbreite an den Aktienmärkten im Vorfeld der Wahlen typischerweise ansteigt, sorgen der Wegfall der Unsicherheit und die politische Klarheit nach den Wahlen häufig für Rückenwind bei Aktien. Daher sollten Anlegerinnen und Anleger grundsätzlich an den Aktienmärkten engagiert bleiben und dabei auf eine breite Diversifikation achten.

Wer sein Portfolio dennoch stärker auf den Ausgang der Zwischenwahlen ausrichten möchte, kann dies über gezielte Anlagethemen tun. Im Basisszenario einer geteilten Regierung dürften Qualitätsaktien aufgrund ihrer defensiveren Eigenschaften im Vordergrund stehen.

Bei einem Fortbestand der republikanischen Mehrheiten könnten hingegen Sektoren profitieren, die von der politischen Agenda von Donald Trump unterstützt werden. Dazu zählen insbesondere traditionelle Energie, Finanzwerte und Verteidigung. Trumps wirtschaftspolitische Agenda ist aus unserer Sicht grundsätzlich fiskalisch stimulierend und tendenziell inflationär.

Technologieaktien dürften unabhängig vom Ausgang der Zwischenwahlen weiterhin von den strukturellen Investitionen rund um künstliche Intelligenz profitieren. Entscheidend bleibt, politische Ereignisse in den grösseren wirtschaftlichen und geldpolitischen Kontext einzuordnen und Anlageentscheidungen nicht allein vom Wahlausgang abhängig zu machen.

Wichtiger Hinweis: Thematische Anlagen bieten attraktive Wachstumschancen, sind jedoch stärker auf einzelne Segmente fokussiert und entsprechend volatil. Diese Risiken können durch breit gestreute Fonds und ETFs deutlich reduziert werden.

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