Klimaschutz erfordert weit höhere Investitionen

Fast die Hälfte der bis 2050 erforderlichen Emissionssenkungen werde durch Technologien erfolgen müssen, die es derzeit noch nicht gebe. (Bild: Shutterstock.com/tr_stok)
Fast die Hälfte der bis 2050 erforderlichen Emissionssenkungen werde durch Technologien erfolgen müssen, die es derzeit noch nicht gebe. (Bild: Shutterstock.com/tr_stok)

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, muss der private und der öffentliche Sektor viel Geld in die Hand nehmen, sagen die Experten der DWS. Viel mehr als bisher. Investitionen, die sich rechnen dürften.

15.11.2021, 10:26 Uhr

Redaktion: maw

Die Investitionen in den Klimaschutz erreichten 2019 und 2020 im Schnitt 632 Milliarden US-Dollar pro Jahr. "Das klingt zunächst nach einer beeindruckenden Zahl", sagt DWS. Doch die Schätzungen von der Climate Policy Initiative – kurz CPI – suggerieren, dass die grünen Investitionen bis 2030 um das Fünf- bis Sechsfache auf über vier Billionen US-Dollar pro Jahr steigen müssen, damit das 1,5-Celsiusgrad-Ziel erreicht werden könne. Da stellen sich die Fragen, woher dieses Geld kommen soll und welche Prioritäten die Investitionen verfolgen.

Die Fortschritte der Regierungen an der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, auch bekannt als COP26, lassen sich noch nicht abschliessend beurteilen. "Zumindest sollte man darauf vertrauen können, dass ein breites Spektrum von Unternehmen, Finanzinstituten und der Jugend resolutere Massnahmen unterstützt", so DWS. Dem Privatsektor wiederum dürfte eine aktivere öffentliche Politik dabei helfen, selber schneller Investitionen zu tätigen. Obwohl die Investitionen in den Klimaschutz zugenommen haben und weitere Initiativen an der Konferenz angekündigt wurden, warnte der UN-Generalsekretär, es sei eine "Illusion" zu glauben, dass diese Zusagen ausreichend seien.

Neue Technologien erforderlich

Fast die Hälfte der bis 2050 erforderlichen Emissionssenkungen werde mit Technologien bewirkt werden müssen, die es derzeit erst auf dem Papier oder als Prototypen gebe. "Mission Innovation" ist eine Initiative von Regierungen, Unternehmen und Investoren, die sich für die Kommerzialisierung und den Einsatz von Technologien der nächsten Generation einsetzt.

"Doch es geht nicht nur um die Begrenzung zukünftiger Emissionen", betonen die DWS-Experten. Da der Klimawandel bereits im vollen Gange sei, werden auch Investitionen zur unmittelbaren Schadensbegrenzung benötigt: Die Investitionen für die Anpassung an physische Klima-Auswirkungen wie Überschwemmungen beliefen sich im vergangenen Jahr auf lediglich 46 Milliarden US-Dollar. Notwendig seien jedoch mindestens fünf- bis zehnmal mehr.

Von umweltfreundlichen Einnahmen profitieren

Was die Kapitalquellen betreffe, so spielen börsennotierte Unternehmen eine Schlüsselrolle. Goldman Sachs schätzt, dass ein Drittel der zusätzlichen grünen Investitionen von bestehenden börsennotierten Unternehmen kommen könnte, wenn man ihre Bilanz und ihre Mittelgenerierung betrachtet. Dies mag zwar wie eine zusätzliche Belastung für diese Unternehmen klingen, sei aber alles andere als das.

"Wir glauben sogar, dass Unternehmen mit einem hohen oder wachsenden Anteil umweltfreundlicher Einnahmen, Forschungsausgaben oder Investitionen sowohl an der Börse besser als ihre Konkurrenten abschneiden als auch von tieferen Fremdkapitalkosten profitieren sollten", sagen die Experten der DWS. Frühere DWS-Studien haben zudem ergeben, dass Unternehmen, die sich auf fossile Brennstoffe konzentrieren, Shareholder Value vernichten. Es überrasche daher nicht, dass viele Aktionäre die Unternehmen dazu ermutigen, ihren Investitionsausgaben eine grüne Schlagseite zu verpassen.

Welche Rolle spielen die Regierungen bei dieser Herausforderung? "Auch wenn wir denken, dass sie Glasgow nicht mit so leeren Händen verlassen werden wie befürchtet, haben sie dennoch eine grosse Chance verpasst: Viele ihrer Konjunkturprogramme haben der Umwelt geschadet, anstatt sie zu verbessern", so DWS. Beispielhaft dafür sei etwa das US-Programm "Build-back-better". Jetzt müsse sich die öffentliche Hand doppelt bemühen, grüne Investitionen aus allen Bereichen des Privatsektors zu fördern.

Ist- und Soll-Investitionen, um das Klima zu retten

Quellen: Climate Policy Initiative (CPI), DWS Investment GmbH; Stand: 5.11.2021
Quellen: Climate Policy Initiative (CPI), DWS Investment GmbH; Stand: 5.11.2021
Alle Artikel anzeigen