Vorsorgesparer verzichten freiwillig auf Rendite

Bild: Gabriel Wasylko, Unsplash
Bild: Gabriel Wasylko, Unsplash

Der Anteil aus der 1. und 2. Säule wird stetig kleiner und die private Vorsorge umso wichtiger. Eine Umfrage von comparis.ch zeigt, dass bei Sparern aber oft kein Interesse besteht, das Geld optimal in die 3. Säule anzulegen.

29.04.2019, 10:29 Uhr

Redaktion: sif

Einzahlungen in Säule-3a-Lösungen helfen, mögliche Vorsorgelücken zu schliessen. Durch verschiedene Massnahmen kann die Rendite optimiert werden. Das Online-Vergleichsportal comparis.ch hat dazu verschiedene Analysen erstellt und fasst sie im Säule-3a-Report zusammen. Es zeigt sich, dass Optimierungsmassnahmen oft nicht angewendet werden. So ist gemäss der Umfrage für 71 Prozent ein besserer Zins allein kein Grund für einen Bankenwechsel und 16 Prozent würden auf jeden Fall auf mehr Geld verzichten.

Hinzu kommt, dass es um das Vorsorgewissen schlecht bestellt ist. Rund die Hälfte der befragten 3a-Banksparer schätzt das Zinsniveau ihres Kontos zu hoch ein oder weiss gar nicht, was es abwirft. Nur 48 Prozent der Befragen gaben an, die konkreten 3a-Zinsen verschiedener Banken schon jemals miteinander verglichen zu haben. Dabei würde sich ein Zinsvergleich und ein allfälliger Wechsel zu einer anderen Bank für die meisten Sparer lohnen.

Gemäss den Ergebnissen ist der Wille der 3a-Sparer, das private Vorsorgevermögen zu optimieren, zwar grundsätzlich vorhanden. Jedoch erfolge die Umsetzung mit angezogener Handbremse: 84 Prozent der Inhaber eines 3a-Bankkontos gaben an, bei einem besseren Renditeangebot für 3a-Gelder einen Wechsel sich zu überlegen. Diesen Schritt konsequent umsetzen würden aber bloss 13 Prozent. Rund 16 Prozent der Befragten würden sogar bewusst auf eine bessere Rendite verzichten. Für sie sei mehr Geld explizit kein Grund, das 3a-Konto auf eine andere Bank zu transferieren. Dies beispielsweise, weil man wegen einer Hypothek die Beziehung zur Hausbank nicht belasten will.

Verteilung auf meherere Konten und gestaffelter Bezug

Immerhin 4 Prozent würden, statt ihr Konto zu transferieren, ein zusätzliches Konto auf einer anderen Bank eröffnen. Aus rechtlicher Sicht ist eine Verteilung der Konten sinnvoll. Der Einlegerschutz der Banken ist auf 100'000 Franken pro Kunde beschränkt – im Konkursfall erhalten die Anleger also maximal dieses Guthaben zurück. Zudem lohnt sich neben der Einzahlung auf verschiedene Konten auch der gestaffelte Bezug. Wie die Analyse zeigt, beträgt selbst bei einem Bezug von 70'000 Franken die durchschnittliche Steuerersparnis bei drei Konten 21 Prozent.

Für die Berechnug der Kapitalauszahlungssteuer wenden die Kantone unterschiedliche Berechnungssysteme und Tarife an. Den Wohnsitz wegen des Bezugs von 3a-Geldern zu wechseln, rechnet sich selten. Dennoch lohne es sich speziell in Hochsteuerkantonen in die 3. Säule einzuzahlen. Nur in Zürich verhält sich die Ersparnis bei einem gestaffelten Bezug anders und Sparer mit kleinen Vorsorgeguthaben werden benachteiligt. Gemäss dem Report gewährt die Limmattstadt 397 Franken (12 Prozent) Steuerermässigung bei 70'000 Franken, wenn sie in zwei gleichen Tranchen bezogen werden. Bei der Staffelung hoher 3a-Beträge rückt Zürich hingegen nahe an das Steuerparadies Schwyz: Der Bezug von 400'000 Franken in drei Tranchen bringt den Zürchern eine Steuerersparnis von 18'226 Franken, bzw. 47 Prozent.

Als Fazit gewinnt der von Comparis untersuchte 3a-Sparer mit einer einzigen Einzahlung von 1'000 Franken in die 3. Säule je nach Kanton eine daraus resultierende Steuerermässigung von 194 bis 361 Franken. Dies entspricht einer Rendite von 19 bis 36 Prozent. Somit profitieren Sparer also bereits mit Kleinst-Einzahlenungen von 100 Franken von der privaten Vorsorge und können damit Lücken schliessen, die durch die alternede Bevölkerung und anhaltend tiefen Zinsen entstehen.

Lesen Sie hier den vollständigen Säule-3a-Report:

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