Hartes Brot für die Kleinen unter den Privatbanken

Für 2020 meldeten 48 Privatbanken positive Nettoneugelder und 35 negative. (Bild: Shutterstock.com/Marian Weyo)
Für 2020 meldeten 48 Privatbanken positive Nettoneugelder und 35 negative. (Bild: Shutterstock.com/Marian Weyo)

Obwohl die Privatbanken anfänglich gut durch die Coronakrise gekommen sind, bleibt das Umfeld anspruchsvoll – besonders für die kleinen Institute mit verwalteten Vermögen von weniger als CHF 5 Mrd. Ihr Umsatz ging im vergangenen Jahr um rund 13% zurück. Das geht aus der diesjährige Bankenstudie von KPMG und der Universität St. Gallen (HSG) hervor.

31.08.2021, 16:51 Uhr

Redaktion: hf

Die Zahl der in der Schweiz tätigen Privatbanken ist in den letzten eineinhalb Jahren von 101 auf 96 zurückgegangen. Das anspruchsvolle Marktumfeld bereitet vor allem den kleinen Instituten Schwierigkeiten. Ihre Einnahmen haben sich 2020 um rund 13% verringert.

Auf das Ergebnis drücken vor allem die niedrigen tiefen Zinsen. Gleichzeitig stossen kleine Privatbanken bei der Digitalisierung sowie aufgrund er zunehmenden Regulierungsdichte zunehmend an ihre Grenzen. Deswegen und angetrieben vom hohen Margendruck und der Notwendigkeit von Skaleneffekten schreitet die Konsolidierung weiter voran.

Das zeigt sich nicht zuletzt im starken Anstieg der M&A-Aktivitäten seit dem ersten Lockdown: acht Konsolidierungsdeals wurden seit Juli 2020 bis Juli 2021 angekündigt. Aktuell gibt es noch 96 Privatbanken in der Schweiz – und nach dem Abschluss der bereits angekündigten Transaktionen werden es voraussichtlich noch 93 sein, konstatieren das Beratungsunternehmen KPMG und die Universität St. Gallen in ihrer Studie. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Privatbanken in der Schweiz um 40% geschrumpft.

Konsolidierung geht weiter

"Wir gehen daher davon aus, dass die Transaktionsaktivität auch in den kommenden zwölf Monaten hoch bleiben wird. Zudem erwarten wir, dass sich die Anzahl der Privatbanken auf dem Schweizer Markt mittelfristig um einen weiteren Viertel reduzieren wird", sagt Christian Hintermann, Bankenexperte und Partner von KPMG Schweiz.

Die Schere zwischen den grossen und kleinen Banken hat sich letztes Jahr weiter geöffnet. Ein Beleg dafür ist das Kosten-Ertrags-Verhältnis: Während dieses die grossen Privatbanken sogar leicht verbessern konnten (74%), ist es bei den kleinen Instituten um 10 Prozentpunkte auf 95% gestiegen, der höchsten Wert der letzten fünf Jahre. Bei den mittelgrossen Privatbanken lag das Kosten-Ertrags-Verhältnis 2020 bei 84%, rund zwei Prozentpunkte höher als im Jahr davor.

"Die solide Performance der starken Banken inmitten schwieriger Markt- und Pandemieherausforderungen ist ein Beleg für die Investitionen, die sie in den letzten Jahren getätigt haben, um ihre Resilienz zu stärken. Das haben sie erreicht, indem sie konsequent in die Kundengewinnung und die Effizienz investierten", erklärt Philipp Rickert, Leiter Financial Services von KPMG Schweiz.

Das zeigt sich auch in der Eigenkapitalrendite: Während grosse Privatbanken im Median einen solche von 6,2% aufweisen, lag der Median bei den kleinen Banken bei 1,1%. Gesamthaft betrug die durchschnittliche Eigenkapitalrendite (Median) 2020 4,1% nach 4,2% im Vorjahr.

Verwaltete Vermögen und Nettoneugeld nehmen zu

Die verwalteten Vermögen nahmen per Ende 2020 um 3% auf knapp CHF 2’943 Mrd. zu. Das lag hauptsächlich am starken Wachstum des Nettoneugelds um CHF 94,5 Mrd. (+3,3%), wobei besonders die Grossen viel Neugeld anzogen. Rund 95% des Nettoneugelds generierten sieben der grössten Privatbanken.

Insgesamt meldeten 48 Banken positive Nettoneugelder und 35 Banken negative. "Der beachtliche Neugeldzufluss in den letzten zwei Jahren ist ein äusserst ermutigendes Zeichen für die Branche und für die Schweiz als führender Finanzplatz im Private Banking", setzt KPMG-Kadermann Rickert ein positives Zeichen hinter die Studie.

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