Trotz höherer Beiträge sinken die Renten

Die Umwandlungssätze und die Verzinsungen wurden von den Pensionskassen in den letzten Jahren stark gesenkt. (Bild: Shutterstock.com/ronstik)
Die Umwandlungssätze und die Verzinsungen wurden von den Pensionskassen in den letzten Jahren stark gesenkt. (Bild: Shutterstock.com/ronstik)

Die Arbeitgebersparbeiträge sind in den letzten sechs Jahren gestiegen. Trotzdem gehen die Rentenleistungen aus der beruflichen Vorsorge tendenziell zurück. Das bestätigt die neuste Benchmarking Studie von Willis Towers Watson.

28.11.2019, 05:00 Uhr

Redaktion: lek

In den letzten sechs Jahren haben die Arbeitgeber die Sparbeiträge weiter erhöht, um das erodierende Leistungsniveau in den Pensionskassen etwas auszugleichen. Zudem hält laut der Benchmarking Studie von Willis Tower Watson bei den untersuchten Vorsorgeplänen der Schweizer SLI-Unternehmen der Trend an, den Umwandlungssatzes zu reduzieren und die Rentenoption weiter einzuschränken. In den letzten zwei Jahren haben sie vermehrt sogenannte 1e-Vorsorgepläne eingeführt. Haben 2017 nur rund 4 Prozent diese Option angeboten, sind es 2019 fast ein Viertel aller Unternehmen.

Bereits 2017 zeigte die Vergleichsstudie erhebliche Leistungsunterschiede auf, so dass die Altersleistungen einer Kasse nur halb so hoch sein können, wie die einer anderen. Ausserdem versichert ein Teil der untersuchten Unternehmen die einzelnen Lohnbestandteile in verschiedenen Vorsorgeplänen. In der SLI-Benchmark Studie 2019 zeigt sich, dass weiterhin die meisten Unternehmen die variablen Lohnbestandteile in ihren Vorsorgeplänen berücksichtigen.

Flexible Vorsorgepläne im Trend

Beim Beitragsdesign hält der Trend zur Flexibilisierung der Vorsorgepläne an. 2019 bieten mehr als 90% der untersuchten Unternehmen die Möglichkeit an, die Pläne so zu gestalten, dass die versicherte Person zwischen maximal drei unterschiedlichen Arbeitnehmerbeitragssätzen wählen kann. "Diese Flexibilität kann den Plan für die Versicherten attraktiver machen, weil sie ihre Beiträge an ihre persönliche Lebenssituation anpassen und entsprechend mehr oder weniger Altersleistungen erwerben können", erklärt Stephan Wildner, Director of Retirement Services bei Willis Towers Watson.

Technische Zins- und Umwandlungssätze sinken

Bei den angewendeten technischen Zinssätzen, die den Rentnern implizit gutgeschrieben werden, zeigt sich 2019 ein deutlich verändertes Bild gegenüber 2017. Sie liegen zwischen 1.5 und 2.5% (2017: zwischen 1.75 und 3.0%), wobei der Durchschnitt bei 2% liegt. Neben der deutlichen Senkung der technischen Zinssätze fällt zusätzlich die geringere Streuung auf.

Die Altersguthaben der aktiven Versicherten zeigen, dass der für die Verzinsung ihrer Guthaben relevante Zinssatz unter dem für die Rentner relevanten technischen Zinssatz liegt. So betrug der durchschnittliche Satz für die Versicherten im 2018 1.63%. Somit können sich auch die Versicherten über eine über dem BVG-Minimum (aktuell 1%) liegende Verzinsung freuen. Allerdings gilt es festzuhalten, dass die höher liegenden technischen Zinssätze der Rentner zur Umverteilung von Aktiven zu Rentner beitragen.

Auch die Umwandlungssätze für den überobligatorischen Teil des Guthabens sinken und bewegen sich zwischen 4.4 und 5.7% (Alter 65). Betrachtet man die beiden letzten Studien, ist über alles hinweg eine Reduktion festzustellen. Dies gilt ebenfalls für den Durchschnittswert (5.2%) bei Pensionierung im Alter von 65, der über die letzten Jahre kontinuierlich sank. 2013 betrugen die Umwandlungssätze bei 50% aller untersuchten Unternehmen 6.3%, sechs Jahre später wendet kein Unternehmen mehr einen Umwandlungssatz über 6% an. Einige Gesellschaften gehen bereits einen Schritt weiter und verzichten für eine Teil des Altersguthaben auf eine Umwandlung in eine Rente. Das überobligatorische Altersguthaben wird dann zwingend in Kapitalform ausbezahlt.

Trotz Bemühungen von unterschiedlichen Beteiligten sinken die Leistungen aus der beruflichen Vorsorge. Der Gesetzgeber kann diesen Trend laut Willis Towers Watson nur indirekt beeinflussen, entsprechend müssen Entscheidungsträger von Schweizer Pensionskassen neue Wege beschreiten. Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass die Möglichkeiten dafür – wie etwa eine hohe Gewichtung der beruflichen Vorsorge als Teil der Firmenstrategie, die Anpassung von technischen Parametern durch den Stiftungsrat oder eine modifizierte Anlagestrategie – dafür bereit stehen.

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