14.07.2026, 09:12 Uhr
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Moonfare, die Berliner Investmentplattform für Private Markets, meldet verwaltete Vermögen von mehr als 4 Milliarden Euro und damit ein weiteres Wachstumssignal aus einem Segment, das eigentlich unter Druck stehen sollte. Was bedeutet dieser Erfolg während gleichzeitig etablierte Private-Equity-Häuser Rücknahmen aus ihren Evergreen-Vehikeln begrenzen mussten – darunter auch die Partners Group aus Zug?
Zur Erinnerung: Partners Group musste beim Global Value SICAV, einem rund 8,6 Milliarden US-Dollar schweren Evergreen-Vehikel, einen Rückgabewunsch von rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts für das zweite Quartal kappen und die vertraglich definierte Fünf-Prozent-Quartalsgrenze ziehen. Ein US-Evergreen-Vehikel der Gruppe lag bei rund 6 Prozent Rückgabewünschen. Die Partners Group ist damit nicht alleine. Insbesondere die grossen US-Anbieter sind seit Anfang Jahr mit grösseren Rückgabwünschen konfrontiert und mussten diese in der Folge (auch hier vertraglich korrekt) zurückweisen.
Was läuft bei Moonfare anders und was heisst das für diei Branche? Moonfare, 2016 vom ehemaligen KKR-Manager Steffen Pauls gegründet, verzeichnete Zuflüsse über Primärfonds, Co-Investments, Evergreens, Secondaries und Direktbeteiligungen; rund ein Fünftel der Mittel entfiel auf hauseigene Strategien. Das Unternehmen, das massiv in die Expansion – auch in die Schweiz – investierte, war deshalb jahrelang nicht profitabel. Auch das soll sich nun ändern: Pauls selber bringt die Marktverschiebung auf eine kurze Formel: Reiner Zugang zu Private Equity sei für seine Kunden kein Differenzierungsmerkmal mehr, gefragt seien bessere Auswahlmöglichkeiten.
Ein erster Befund zeigt also: Die Nachfrage vermögender Privatkunden nach Private-Markets-Exposure bricht nicht ein. Was bei den Rücknahmewünschen passierte sind keine Bonitätsprobleme, sondern die klassische Illiquiditätsmechanik semi-liquider Strukturen, die in einer Phase erhöhter Bewertungsunsicherheit erstmals unter reale Beanspruchung gerät. Ausgelöst war die Welle durch eine Neubewertung der Software-Industrie. In diesem Bereich waren die meisten der Betroffenen Fonds überdurchschnittlich investiert. Dass vermögende UBS-Kunden auch zu denjenigen gehören, die sich von den Private-Debt-Fonds Rückzahlungen wünschten, meldete die «Financial Times» diese Tage.
Zurück zu unserem Verdacht, der sich erhärtet. Er wird durch die Zahlen von Partners Group selbst bestätigt: Für 2026 bestätigt die Gruppe weiterhin eine Brutto-Neukundennachfrage von 26 bis 32 Milliarden US-Dollar; die Evergreen-Abflüsse dämpfen das Netto-Wachstum lediglich um 1 bis 2 Prozentpunkte. Der Rücknahmedruck konzentriert sich also fast ausschliesslich auf das rund 20-prozentige Private-Wealth-Segment, während die verbleibenden gut 80 Prozent der 185 Milliarden US-Dollar AuM von institutionellen Anlegern mit unverändert langfristigem Anlagehorizont stammen.
Das deckt sich mit dem, was Branchenumfragen zeigen. Alternative Anlagen sind vom Nischenprodukt zum Standardbaustein geworden. Wohlhabende Privatanleger auch in Europa allozieren im Durchschnitt mittlerweile 15 bis 20 Prozent ihres Portfolios in Alternatives, gegenüber lediglich 3 bis 5 Prozent vor zehn Jahren. Das Transaktionsvolumen im Private-Equity-Buy-out-Segment stieg 2025 laut McKinsey Global Private Markets Report um 19 Prozent auf rund 2,6 Billionen US-Dollar, während die Exit-Volumina mit rund 1,3 Billionen US-Dollar den zweithöchsten je gemessenen Wert erreichten. Private Debt macht hier einen wachsenden Anteil aus.
Der «Zugang» zur Anlageklasse ist inzwischen zur Commodity geworden – über ETFs, semi-liquide Fonds und Plattformlösungen erhalten mittlerweile auch Schweizer Privatanleger mit vergleichsweise kleinen Tickets Zugang zu Private Equity. Die eigentliche Differenzierung verschiebt sich damit auf Produktdesign, Manager-Selektion, Gebührentransparenz und – nach den jüngsten Rücknahmebeschränkungen besonders akzentuiert – auf ehrliche Kommunikation der tatsächlichen Liquiditätsmechanik.
Für Schweizer Privatbanken, Vermögensverwalter und Asset Manager mit Private-Wealth-Ambitionen lassen sich daraus drei Konsequenzen ableiten:
Private Markets verlieren nicht an Attraktivität – sie verlieren lediglich die Illusion, uneingeschränkt liquide zu sein. Wer diese Differenzierung im eigenen Produktangebot und in der Kundenkommunikation nachvollzieht, dürfte von der laufenden Neuordnung profitieren.