Montier: Smart Beta ist Dumb Beta plus Smart Marketing

James Montier, Mitglied des Asset Allocation Teams von GMO
James Montier, Mitglied des Asset Allocation Teams von GMO

Gemäss James Montier von GMO ist die Bewertung der Assets der wichtigste Faktor bei einem Anlageentscheid. Anleger sollten sich nicht von den so genannten Innovationen der Investment Managers verleiten lassen.

10.12.2013, 14:07 Uhr

Redaktion: cw

Sind für Immobilienbesitzer „Lage, Lage, Lage“ die Haupterfolgsfaktoren, sollte für Investoren generell „Bewertung, Bewertung, Bewertung“ als wichtigstes Beurteilungskriterium gelten, zeigt sich James Montier, Mitglied des Asset Allocation Teams von GMO überzeugt. So liessen sich viele Investoren von der Investment-Industrie mit Konzepten blenden, die geglätte Erträge oder hohe Sharpe Ratios versprächen. Konkret handle es sich bei allen so genannten Innovationen, die unter dem Namen Smart Beta angeboten würden, um nichts anders als Dumb Beta plus Smart Marketing.

Smart Beta liefert keinen Mehrwert

Dass die Smart Beta Strategien, die unter den Namen fundamental oder gleich gewichtet, risikoeffizient, Minimum Varianz oder Maximum Diversifikation angeboten werden, gegenüber der kapitalisierungsgewichteten Portfolios besser abschneiden, hat gemäss Montier nichts mit smart, sondern einzig mit ihrer Übergewichtung von Small Cap und Value zu tun. Dass diese beiden Faktoren langfristig besser als der Gesamtmarkt abschneiden, ist hinlänglich bekannt. Die Frage ist allerdings, ob es sich im jetzigen Zeitpunkt lohnt, auf diese Faktoren zu setzen. Montier meint Nein, denn im Fall der USA sind gegenwärtig sowohl Small Cap als auch Value überbewertet.

Ähnliches gilt im Multi-Asset-Bereich, wo die Bewirtschaftung von Risikofaktoren wie Carry, Value oder Momentum als überlegene Strategien angepriesen werden. Laut Montier sind dies alles nur Long-Short-Kombinationen, die keinen Mehrwert bringen und zusätzlich noch die Gefahr des Leverage durch Fremdkapital beinhalten. Im Vergleich zu einem einfachen 60/40-Aktien/Bond-Portfolio liefert ein Risk Parity Portfolio ähnliche Renditen. Aber in jedem Fall ist auch hier bei jeder Assetklasse entscheidend, zu welchen Bewertungen man einsteigt.

TIPS und Aktien gegen Inflation

Ein weiteres Thema, das Investoren in Zukunft beschäftigen wird, ist der Schutz der Assets gegen Inflation. Langfristig bieten gemäss Montier nur TIPS einen angemessenen Hedge, allerdings auch nur unter der Voraussetzung, dass man die Anleihen bis zum Verfall hält, in geringerem Ausmass eignen sich auch Aktien. Am wenigsten Schutz bieten Commodities und Gold. Immobilien sind höchstens sehr langfristig gegen die Geldentwertung erfolgreich. Mittelfristig kann der potenzielle Inflationsschutz durch Preiseinbrüche schnell vernichtet werden, wie die geplatzten Blasen in Japan, den USA oder Grossbritannien in den letzten 25 Jahren gezeigt haben.

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