Kulturwandel in der Finanzwirtschaft?

Christian Dreyer, CEO von CFA Society Switzerland.
Christian Dreyer, CEO von CFA Society Switzerland.

Eine neue Studie des CFA Institute und der Economist Intelligence Unit deutet auf eine erhebliche Lücke zwischen den Erwartungen und der Praxis ethischen Verhaltens in der Finanzindustrie hin.

16.12.2013, 09:46 Uhr

Redaktion: dab

Wenngleich eine überwiegende Mehrheit (91%) der Finanzdienstleister die Bedeutung ethischer Richtlinien für die Industrie anerkennt, so finden sich in der täglichen Umsetzung des Themas erhebliche Defizite: So bestätigen mehr als die Hälfte (53%) der Topmanager, dass ein beruflicher Aufstieg in Finanzhäusern schwierig ist, wenn ethische Standards nicht "flexibel" gehandhabt werden dürfen. Nur 37% glauben, dass sie durch die Förderung ethischer Standards bei ihren Mitarbeitern auch ihre Finanzlage verbessern könnten.

Die Finanzbranche hat über Jahre hinweg die klügsten Köpfe aus den Universitäten und Business Schools rekrutiert. Ein Beispiel: Während in den 1980er Jahren noch 9% der Harvard-Abgänger in die Finanzbranche eintraten, waren es im Jahr 2008 bereits 45%. Die starke Orientierung an kurzfristigen Gewinnen und Provisionen hat zu einem Verkaufsdruck von nicht selten inadäquaten Finanzprodukten und unausgewogenem Risikomanagement geführt. Viele Finanzdienstleister wollen heute aufgrund dieser Verfehlungen einen Kulturwandel vorantreiben. So bestätigen 67% der Umfrageteilnehmer, für ihre Mitarbeiter entsprechende Ethik- und Verhaltenskodex-Programme angestossen zu haben. Vielfach zeigt sich jedoch eine noch immer ausgeprägte Silo-Kultur in den Finanzhäusern. So räumten 62% der Manager ein, über die Vorgänge jenseits ihrer eigenen Abteilungen nur sehr wenig zu wissen. „Für einen echten Kulturwandel innerhalb der Finanzbranche braucht es ethische Standards, die an den Bedürfnissen der Kunden, der Anleger und der Gesellschaft als Ganzem ausgerichtet sind“, so Christian Dreyer, CFA, Geschäftsführer der CFA Society Switzerland. „Aus Sicht von CFA Switzerland ist dabei eine Silo-übergreifende Ausbildung zu Finanzethik-Themen ein wichtiger Schritt.“

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