Säule 3a beliebter als 2. Säule

Säule 3a gewinnt an Beliebtheit. (Bild: Shutterstock.ch/LookerStudio)
Säule 3a gewinnt an Beliebtheit. (Bild: Shutterstock.ch/LookerStudio)

Laut einer neuen Studie ist die beliebteste Korrekturmassnahme zur Sicherung der Altersvorsorge die Einzahlung in die Säule 3a. Ausserdem steht die Erhöhung des Rentenalters weiterhin ganz unten in der Gunst der Befragten, findet aber mehr Zustimmung als in Vorjahren.

29.08.2019, 10:40 Uhr

Redaktion: stf

Das Interesse der Bevölkerung an Fragen rund um die Vorsorge ist gestiegen. Das zeigt eine Studie von AXA Investment Managers Schweiz zum Wissensstand und zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung gegenüber der 2. Säule. Werner Rutsch, Head Institutional Business bei AXA Investment Managers Schweiz, erklärt die Ergebnisse: "Nach einer Baisse im Jahr 2017, dem Jahr der Abstimmung zur Reform Altersvorsorge 2020, ist das Interesse der Bevölkerung am Thema Vorsorge wieder auf das Niveau früherer Jahre angestiegen. 78 Prozent der Befragten geben an, sich grundsätzlich für das Thema Vorsorge zu interessieren. Dieser Wert ist der höchste seit die Frage im Jahr 2013 in die Befragung aufgenommen wurde." Mit einem Anteil von 90 Prozent ist das Interesse unter aktiv Versicherten im Alter von 42 bis 65 Jahren am höchsten. Insgesamt setzen sich Personen im Erwerbsleben stärker mit ihrer Altersvorsorge auseinander als Pensionierte. Zudem nimmt das Interesse mit zunehmendem Einkommen zu.

Positive Selbsteinschätzung

Fast vier Fünftel der PK-Versicherten meinen, "sehr gut" oder "eher gut" über die berufliche Vorsorge informiert zu sein. Diese positive Selbsteinschätzung ist im Verlauf der letzten Jahre stabil geblieben. Sie steht etwas im Gegensatz zu der Tatsache, dass nur 34 Prozent aller Befragten – 41 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen – genau wissen, wie hoch ihr angespartes Pensionskassenvermögen ist. 26 Prozent – jeder fünfte Mann und jede dritte Frau – geben an, diesbezüglich keine Ahnung zu haben. Männer sind nach eigener Angabe deutlich besser über die Höhe ihrer Vorsorgegelder informiert als Frauen, und aktiv Versicherte zwischen 42 und 65 Jahren wissen am besten darüber Bescheid.

Weniger Kapitalbezug

"Der Entscheid, ob bei der Pensionierung eine Rente oder das Kapital bezogen werden soll, hat weitreichende Konsequenzen, und viele Versicherte unterschätzen ihre Lebenserwartung und die damit verbundenen Kosten", sagt Rutsch. Nur jeder zehnte Befragte würde sich heute beim Erreichen des Pensionsalters für den reinen Kapitalbezug entscheiden. Vor zwei Jahren war es noch jeder fünfte. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) wünscht die Auszahlung des Vorsorgevermögens in Form einer monatlichen Rente und jeder Dritte würde heute eine Mischung aus Rentenzahlung und Kapitalbezug wählen. Männer sind eher als Frauen für den vollständigen Bezug des Geldes und am meisten Zustimmung findet diese Auszahlungsvariante unter den 25- bis 41-Jährigen (15 Prozent). Je weiter links die Befragten politisch ausgerichtet sind und je tiefer ihr Einkommen ist, desto eher beabsichtigen sie den Bezug einer monatlichen Rente.

Vorsorgelücken eigenverantwortlich schliessen

Das steuerbegünstigte Einzahlen in die Säule 3a ist laut den Befragten die beliebteste Variante um allfällige Vorsorgelücken aufgrund von Teilzeitarbeit zu schliessen: 33 Prozent der Versicherten und 38 Prozent der Nichtversicherten schlagen diese Massnahme vor. Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse bei erneuter Erwerbstätigkeit werden von 25 Prozent der Versicherten und von 19 Prozent der Nichtversicherten genannt; eigenverantwortliches, nicht steuerbegünstigtes "selbstständiges Sparen" von 23 respektive 31 Prozent. Freiwillige Einzahlungen des Partners in die 2. Säule werden von beiden Gruppen mit niedrigerer Priorität vorgeschlagen. Es gibt keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern, wobei Männer eher für die Säule 3a und für Einkäufe in die Pensionskasse votieren. Frauen setzen eher auf eigenverantwortliches Sparen und auf Beiträge des Partners. Rund jeder fünfte Befragte weiss nicht, wie er Vorsorgelücken schliessen könnte. Insgesamt ist ein klarer Trend zur Eigenverantwortung erkennbar.

Nichtversicherte fast so gut informiert wie Versicherte

Dieses Jahr wurden zusätzlich auch Nicht-PK-Versicherte befragt. Die Fokusgruppe der Nichtversicherten ist mit einem Anteil von 68 Prozent Frauen (Basisgruppe: 47 Prozent) weiblicher und etwas weniger gut gebildet als die Gruppe der Versicherten. Beide Gruppen mussten beurteilen, ob neben der AHV noch weitere Sparmassnahmen zur Rentensicherung nötig sind (korrekte Antwort: richtig), ob bei Teilzeitarbeit durchschnittlich zu wenig Geld in der 2. Säule angespart wird, um später den Lebensstandard halten zu können (richtig) und ob es bei unverheirateten Paaren reicht, wenn eine Person für die Altersvorsorge spart, da die zweite Person automatisch auch für das Alter abgesichert ist (falsch). Diese drei Fragen haben zwischen 72 und 88 Prozent der Befragten korrekt beantwortet. Die Frage, ob alle erwerbstätigen Personen in einer Pensionskasse versichert sind (falsch), wurde von 40 Prozent aller Befragten bejaht.

Insgesamt beantwortete die Fokusgruppe der Nichtversicherten die Wissensfragen nur marginal schlechter als die Versicherten. Geschlechtsspezifische Unterschiede sind nicht zu erkennen. Bei der Schätzung der Eintrittsschwelle für die Pensionskasse (21'330 Franken) schnitten die Nichtversicherten jedoch besser ab als die Versicherten. Zudem gab bei beiden Gruppen mehr als die Hälfte der Befragten einen zu tiefen notwendigen Mindestjahreslohn für die Aufnahme in eine Pensionskasse an.

Gut situierte Personen fragen mehr Beratung nach

Ob eine Analyse der Vorsorgesituation durch einen Berater stattfindet, hängt weder vom Geschlecht noch vom Status "versichert" oder "nicht versichert" ab, sondern vom Zivilstand: 57 Prozent der verheirateten aktiv Versicherten haben sich allein oder zusammen mit dem Partner beraten lassen. Bei ledigen aktiv Versicherten sind es 37 Prozent, bei geschiedenen oder verwitweten Personen 44 Prozent. Gut situierte Personen fragen mehr Beratung nach als Menschen mit weniger Vermögen und tieferen Einkommen.

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