21.07.2026, 11:30 Uhr
Die Zürcher Anlageboutique The Singularity Group hat ihre Singularity-Strategien halbjährlich neu gewichtet und bleibt dabei hochselektiv in Halbleitern investiert. Gleichzeitig hat das Unternehmen die FINMA-Lizenz...
Der ETF-Markt boomt: Weltweit und insbesondere auch in Europa. Global steuert die Branche auf über 23 Billionen US-Dollar verwaltetes Vermögen zu – angetrieben von KI-Fantasie, geopolitischer Entspannung und dem anhaltenden Boom bei aktiven ETFs.
Das zweite Quartal 2026 war für europadomizilierte ETFs das stärkste je gemessene Quartal: Mit einem Nettoneuvermögen von 132,5 Milliarden US-Dollar übertraf der Markt den bisherigen Quartalsrekord von 125,0 Milliarden US-Dollar aus dem Vorquartal deutlich. Allein im Juni flossen 46,1 Milliarden US-Dollar in europäische ETFs – nach 42,2 Milliarden im April und 44,3 Milliarden im Mai. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 hatte das Nettoneuvermögen lediglich 163,0 Milliarden US-Dollar betragen.
«Die geopolitische Entspannung und sinkende Ölpreise wirkten positiv auf die Risikostimmung, an den Aktienmärkten der Industrieländer liess zudem die Erwartung auf steigende Gewinne durch Künstliche Intelligenz die Kurse steigen», schreibt Jonathan Decurtins, Head of Wholesale Schweiz und Liechtenstein bei Vanguard, in seinem monatlichen ETF-Bericht per Ende Juni 2026.
Innerhalb des europäischen Marktes führten Aktien-ETFs das Feld mit Zuflüssen von 36,0 Milliarden US-Dollar an. Davon entfielen 26,4 Milliarden auf Core Equity ETFs – ein neuer Monatsrekord, der den bisherigen Höchstwert von 26,0 Milliarden US-Dollar aus dem April 2026 knapp übertraf. In den ersten sechs Monaten sammelten Core Equity ETFs damit bereits 121,0 Milliarden US-Dollar ein. Smart-Beta- und Nachhaltigkeits-ETFs verbuchten Zuflüsse von 3,8 beziehungsweise 2,4 Milliarden US-Dollar.
Regional kehrten im Juni US-Aktien-ETFs auf den ersten Platz zurück – erstmals in diesem Jahr – und stellten mit Mittelzuflüssen von 14,5 Milliarden US-Dollar zugleich einen Rekord auf. ETFs auf globale Aktien folgten mit 12,7 Milliarden, ETFs auf Industrieländeraktien mit 8,2 Milliarden US-Dollar. Auf der Gegenseite wiesen Euroraum-Aktien-ETFs Abflüsse von 1,8 Milliarden US-Dollar aus.
Im Fixed-Income-Segment sammelten Anleihe-ETFs im Juni 9,9 Milliarden US-Dollar ein – weniger als im Mai (15,6 Milliarden), aber im Schnitt der vergangenen sechs Monate. ETFs auf Staatsanleihen führten die Kategorie mit Zuflüssen von 3,1 Milliarden US-Dollar an; in diesem Jahr konnten sie in fünf von sechs Monaten Zuwächse verbuchen und damit kumuliert 23,1 Milliarden US-Dollar einsammeln. High-Yield- und Unternehmensanleihen-ETFs legten jeweils 1,7 Milliarden zu. Regional dominierten Euroraum-Anleihen-ETFs mit 4,3 Milliarden US-Dollar, dahinter folgten US-Exposures (3,6 Milliarden) und globale Strategien (1,7 Milliarden). Schlusslicht bildeten ETFs auf deutsche Bundesanleihen mit Abflüssen von 319 Millionen US-Dollar.
Auf globaler Ebene hat der ETF-Markt 2026 mehrere Meilensteine gesetzt. Laut ETFGI erreichte das weltweit verwaltete ETF-Vermögen Ende Mai 2026 mit 23,08 Billionen US-Dollar ein Allzeithoch, verteilt auf 17'075 Produkte von 1'014 Anbietern an 85 Börsen in 66 Ländern. Die Nettozuflüsse seit Jahresbeginn lagen bei 1,07 Billionen US-Dollar – der höchste je verzeichnete Halbjahreswert, fast 45 Prozent über dem bisherigen Rekord von 738,9 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2025. Der Markt verzeichnet damit inzwischen 84 aufeinanderfolgende Monate mit Nettozuflüssen.
BlackRock/iShares beziffert die globalen H1-Zuflüsse auf rund 1 Billion US-Dollar, was einem Plus von 86 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekord entspricht. State Street prognostiziert für das Gesamtjahr 2026 ein Volumen von 2,3 Billionen US-Dollar – nach 1,5 Billionen im Vorjahr.
Der stärkste Strukturtrend bleibt der Aufstieg aktiver ETFs. Weltweit erreichten sie per Ende Mai 2026 ein Rekordvermögen von 2,49 Billionen US-Dollar – ein Plus von 28,8 Prozent seit Jahresbeginn – mit YTD-Zuflüssen von 411,75 Milliarden US-Dollar, fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum (220,5 Milliarden). Laut J.P. Morgan machten aktive ETFs 2026 bereits rund 38 Prozent aller ETF-Zuflüsse aus; bei den Neulancierungen übertrafen aktive Produkte (2'865) sogar die passiven (2'161).
In Europa blieb der Anteil aktiver ETFs mit 3,1 Prozent des Gesamtmarktes (85,6 Milliarden Euro per Ende Q1 2026) noch deutlich kleiner als in den USA, wo er rund 12 Prozent beträgt – der Aufholpfad ist aber intakt.
Im Anbieterranking hat sich 2026 eine bemerkenswerte Verschiebung ergeben. Vanguard führte im Mai die globale Zuflusstabelle mit 63,5 Milliarden US-Dollar an (YTD: 272,6 Milliarden), während iShares mit einem verwalteten Vermögen von 6,34 Billionen US-Dollar und einem Marktanteil von 27,5 Prozent die AUM-Rangliste anführt. Symbolträchtig: Der Vanguard S&P 500 ETF (VOO) wurde als erstes Einzelprodukt der Geschichte zur «Billionen-Dollar-Fondsstruktur».
Für den Schweizer Markt liefert die VZ-VermögensZentrum-Marktstudie (Mai 2026) aufschlussreiche Zahlen: Ende 2025 waren 2'099 ETFs an der SIX kotiert, netto 214 mehr als im Vorjahr. Aktive ETFs verdoppelten sich nahezu auf 254 Produkte. Bei den Anbietern dominieren iShares, UBS und Amundi zusammen fast die Hälfte des Angebots; beim Indexanbieter hält MSCI rund ein Drittel Marktanteil. Die durchschnittliche Gesamtkostenquote liegt bei 0,30 Prozent pro Jahr. Besonders dynamisch war der Handel: Das ETF-Transaktionsvolumen an der SIX stieg im Juni 2026 um 85,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ETFs sind damit das meistgehandelte Segment nach Aktien.
Die Langfristperspektiven bleiben optimistisch. Laut einer PwC-Umfrage erwarten fast 70 Prozent der befragten Marktteilnehmer bis Ende 2030 ein globales ETF-Vermögen von mindestens 30 Billionen US-Dollar, über ein Drittel sogar 35 Billionen oder mehr. State Street hält an ihrer Langfristprognose von 54 Billionen US-Dollar bis 2035 fest – und sieht das aktuelle Wachstumstempo sogar leicht über diesem Zielpfad.