27.08.2026, 09:06 Uhr
Der Helvetica Swiss Commercial Fund (HSC Fund) und der Helvetica Swiss Living Fund (HSL Fund) sind zum Halbjahr auf Kurs, ihre angepeilten Ausschüttungsziele zu erreichen. So erwirtschaftete der HSC Fund zum...
Der Anleihenmarkt ist im Umbruch. Damit gerät der wichtigste Baustein praktisch jedes institutionellen Portfolios spürbar in Bewegung. Was bis vor kurzem als Anker für Stabilität und verlässliche laufende Erträge galt, verlangt inzwischen deutlich mehr Feinarbeit. Was heisst das für institutionelle Anleger?
Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe war Mitte August kurzzeitig bis auf 5,33 Prozent gesprungen – das höchste Niveau seit 2007 und damit ein 19-Jahres-Hoch – und notiert aktuell (Stand 24. August) bei rund 5,17 Prozent. Auch die 10-jährige Bundesanleihe rentiert mit aktuell rund 3,18 bis 3,20 Prozent so hoch wie seit 2011 nicht mehr, also seit 15 Jahren; erst in der Vorwoche wurde mit 3,275 Prozent ein neues 15-Jahres-Hoch markiert. Beides sind, wie das BlackRock Investment Institute (BII) in seiner aktuellen Ausgabe der «Investment Perspectives» betont, keine Ausreisser, sondern Ausdruck veränderter makroökonomischer Grundfaktoren.
Mehrere Kräfte wirken gleichzeitig auf die Anleihemärkte ein, und sie verstärken sich teilweise gegenseitig:
Im Ergebnis bedeutet dies, dass über 80 Prozent des globalen Anleiheuniversums laut BII inzwischen Renditen von über 4 Prozent bieten. Nach einem Jahrzehnt der Null- und Negativzinsen ist das eine fundamentale Umkehr. Doch die Autoren der «Investment Perspectives» warnen zugleich, dass höhere Renditen nicht automatisch höhere risikoadjustierte Erträge bedeuten. Denn auch die Risikolandschaft hat sich verschoben, nicht nur das Zinsniveau.
Vivek Paul, Head of Portfolio Research beim BlackRock Investment Institute, bringt die praktische Konsequenz auf den Punkt: Im aktuellen Umfeld kompensierten die Renditen das eingegangene Risiko nicht immer adäquat. Für laufende Erträge sei selektive Auswahl daher wichtiger geworden als in den Jahren zuvor. Seine drei konkreten Handlungsempfehlungen:
Die Ausgabe der «Investment Perspectives» geht laut BII auch auf die Rolle privater Kreditmärkte ein. Mit rückläufiger IPO- und M&A-Aktivität bleiben mehr Unternehmen länger privat, was Private Credit und Sekundärmarktstrategien eine grössere Rolle zuweist. BlackRock beobachtet zudem, dass Phasen erhöhter Volatilität – wie zuletzt 2025 – Kreditnehmer stärker an private Finanzierungsquellen heranführen, was das Segment strukturell wachsen lässt. Für institutionelle Portfolios, die zunehmend einen «Whole-Portfolio»-Ansatz verfolgen, verschwimmt damit die traditionell scharfe Trennlinie zwischen öffentlichen und privaten Anleihemärkten weiter.
Die Entwicklung ist nicht nur ein US-amerikanisches oder globales Phänomen – sie zeigt sich auch in der Asset Allocation Schweizer Vorsorgeeinrichtungen sehr deutlich. Gemäss der 26. Ausgabe der Schweizer Pensionskassenstudie von Swisscanto machten Obligationen Ende 2025 nur noch 27,3 Prozent der Portfolios aus, während Aktien mit 34,5 Prozent so dominant sind wie nie zuvor. Noch vor zehn Jahren waren Anleihen die wichtigste Anlageklasse in Schweizer Vorsorgeportfolios – dieser Vorsprung ist inzwischen klar an die Aktienquote übergegangen. Die durchschnittliche Nettorendite von 6 Prozent im Jahr 2025 wurde laut Studie überwiegend mit Aktien erzielt; hohe Obligationenbestände wirkten sich nicht performancefördernd aus.
Das bedeutet nicht, dass Anleihen für Schweizer Institutionelle irrelevant geworden sind – im Gegenteil: Bei Renditen von über 4 Prozent im globalen Anleiheuniversum und einer im Vergleich zu den vergangenen 15 Jahren deutlich attraktiveren Ausgangslage gewinnt der Bereich laufende Erträge wieder an Bedeutung für die Erfüllung von Verpflichtungsstrukturen. Die zentrale Frage für Vorsorgeeinrichtungen dürfte daher weniger «Aktien oder Anleihen» sein als vielmehr, wie granular innerhalb des Anleihenuniversums selektiert wird – Laufzeit, Emittentenqualität, Region und Instrument.
Anleihen bleiben der wichtigste Baustein institutioneller Portfolios – aber die Zeiten, in denen ein breit diversifiziertes Staatsanleihen-Exposure allein für Stabilität und verlässliche Erträge sorgte, sind vorerst vorbei. Die Kombination aus struktureller Fiskaldominanz, historisch engen Kreditspreads und einer veränderten Absicherungsfunktion langer Laufzeiten verlangt von institutionellen Anlegern eine deutlich aktivere Steuerung: kürzere Duration bei Staatsanleihen, selektive Kredit-Exposures statt breiter Beta-Wetten auf Unternehmensanleihen, ein Blick auf private Kreditmärkte sowie ergänzende, nicht traditionelle Ertragsquellen. BlackRocks Formel «Income restored – but stay flexible» lässt sich für Schweizer institutionelle Anleger konkret übersetzen: Die Erträge sind zurück, doch sie verlangen inzwischen ein deutlich aktiveres und selektiveres Management als in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten.