Camignac: Takaichis politische Wende eröffnet Chancen am japanischen Rentenmarkt

Carmignac sieht Chancen im japanischen Rentenmarkt (Bild: Shutterstock)
Carmignac sieht Chancen im japanischen Rentenmarkt (Bild: Shutterstock)

Premierministerin Sanae Takaichi knüpft mit ihrem Wahlsieg und einem 117-Milliarden-Euro-Konjunkturpaket an die Abenomics-Ära an. Für die Bank of Japan wird der geldpolitische Balanceakt damit anspruchsvoller – für Anleger am japanischen Anleihenmarkt entstehen attraktive Einstiegspunkte, so eine Analyse von Carmignac.

27.04.2026, 07:30 Uhr
Anlagestrategie | Obligationen

Redaktion: asc

Innerhalb eines Jahres ist Sanae Takaichi zur dritten Premierministerin Japans aufgestiegen – und hat in kurzer Zeit eine politische Neuordnung erzwungen. Mit der Auflösung des Unterhauses und einem erdrutschartigen Sieg bei den vorgezogenen Neuwahlen verschaffte sich die Koalition aus LDP und Ishin eine komfortable Mehrheit von 351 der 465 Sitze. Bereits im Oktober hatte die konservative Politikerin angekündigt, an die Linie des verstorbenen Shinzo Abe anzuknüpfen.

Das frische Mandat soll die rasche Umsetzung eines Konjunkturpakets in Höhe von 117 Milliarden Euro ermöglichen. Hinzu kommt eine auf zwei Jahre angelegte Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und Getränke im Umfang von 27 Milliarden Euro – eine Massnahme, die gezielt den Preisdruck beim Basiskonsum dämpfen soll. Zugleich schlägt die neue Regierung in Verteidigungsfragen einen entschlosseneren Ton an und schafft erstmals einen Ministerposten zur Überwachung der Politik gegenüber Ausländern. In einem Land, das sich in Migrationsfragen historisch zurückhaltend zeigt, ist dies eine bemerkenswerte Verschiebung – und Ausdruck des wachsenden Bewusstseins für die demografischen Zwänge des Landes.

Fiskalischer Spielraum unter Druck

Die strategische Neupositionierung trifft auf eine angespannte Haushaltslage, schreibt Guillaume Rigeade, Co-Head of Fixed Income bei Carmignac, in seiner Analyse. Mit einer Staatsverschuldung von rund 250 Prozent des BIP gehört Japan zu den am höchsten verschuldeten Industrienationen weltweit. Im Februar 2026 hat der Internationale Währungsfonds Alarm geschlagen und die Tragfähigkeit des japanischen Haushaltskurses in Frage gestellt.

Die demografische Ausgangslage verschärft das Bild zusätzlich. Die Bevölkerung Japans ist von ihrem historischen Höchststand von 128 Millionen im Jahr 2010 auf 124 Millionen Anfang 2025 zurückgegangen und dürfte sich bis zum Jahr 2100 bei rund 80 Millionen einpendeln. Trotz höherer Erwerbsbeteiligung von älteren Menschen und Frauen bleibt der schrumpfende Arbeitskräftepool eine strukturelle Wachstumsbremse.

Vom Gläubiger der Welt zum Inflationsproblem

Lange Zeit hatte Japan diesem schleichenden Niedergang mit einem pragmatischen Modell begegnet: Investitionen in ausländische Vermögenswerte bei gleichzeitig schwacher Währung. 34 Jahre lang wies das Land den weltweit grössten Leistungsbilanzüberschuss aus und akkumulierte ein Auslands-Nettovermögen von rund 3,3 Billionen US-Dollar, bevor Deutschland im vergangenen Jahr die Spitzenposition übernahm. Trotz des Handelsdefizits erzielte Japan dank seiner Gläubigerstellung weiterhin attraktive jährliche Überschüsse.

Doch dieser Vermögensaufbau hat einen hohen Preis. Die Bank of Japan musste die sinkende Nachfrage nach japanischen Staatsanleihen ausgleichen und hält inzwischen mehr als die Hälfte der ausstehenden Papiere. «Seit dem Ende der COVID-19-Krise hat diese Entwicklung zu einem anhaltenden Wiederanstieg der Inflation beigetragen», konstatiert Rigeade. Die alternde Bevölkerung, eine nachlassende Produktivität und die fortgesetzten Konjunkturprogramme dürften diesen Trend verlängern. Ein Phänomen, das nicht auf Japan beschränkt ist – ähnliche Muster zeigen sich auch in Italien und Deutschland.

Die BoJ auf dem Drahtseil

Für die Bank of Japan ergibt sich daraus ein klassisches Dilemma. Eine zu restriktive Geldpolitik würde Carry-Strategien gefährden, deren abrupte Auflösung einen weltweiten Marktschock von seltener Heftigkeit auslösen könnte. Bleibt sie dagegen zu expansiv, drohen eine weiter versteilende Zinskurve und ein noch schwächerer Yen.

Aktuell versucht die Notenbank, mit moderaten Zinserhöhungen und reduzierten Liquiditätszuführungen einen Mittelweg zu gehen. Vier Zinsschritte hat sie seit 2024 vollzogen. Eine bullische Versteilung der Zinskurve liess sich damit dennoch nicht verhindern – ein Phänomen, das im Industrieländervergleich heraussticht.

«Da die Realrenditen 30-jähriger Anleihen derzeit im positiven Bereich liegen, könnte es zu einer stärkeren Abflachung am langen Ende der Kurve kommen, ausgelöst durch die Rückführung von Geldern durch japanische Investoren», erläutert der Carmignac-Experte. Positive Realzinsen könnten mittelfristig zu einer stärkeren Währung führen, die Attraktivität japanischer Vermögenswerte erhöhen und damit auch Spielraum für eine expansivere Fiskalpolitik schaffen. Gleichzeitig kann sich die BoJ keine entgleisende Inflation leisten – unter dem neuen politischen Paradigma würde dies eine spürbare Umverteilung des Wohlstands in einer ohnehin polarisierten Gesellschaft bedeuten.

Was Anleger jetzt erwartet

Für Investoren ergibt sich daraus ein nuanciertes Bild. Rigeade erwartet, dass die Bank of Japan ihre Einlagenzinsen schrittweise weiter anhebt und ihre Anleihekäufe zurückfährt – immer mit Blick auf die Wahrung der Finanzstabilität. «Japanische Renten bieten eine attraktive Anlagemöglichkeit für Investoren, die in der Lage sind, dynamische und flexible Strategien zu verfolgen», so der Fixed-Income-Spezialist.

Konkret dürfte sich der Aufwärtstrend im mittleren Bereich der Zinskurve angesichts des stärkeren Wachstums und der anhaltenden Inflation fortsetzen. Das lange Ende hingegen sollte sich nach den Bewegungen der letzten Monate stabilisieren – getragen von einer steigenden inländischen Nachfrage. Denn für japanische Anleger werden heimische Anleihen zunehmend attraktiver als währungsgesicherte europäische oder US-amerikanische Papiere.

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