Wann fällt der Euro zum Franken auf Parität?

Der Euro befindet sich gegenüber dem Franken im Abwärtstrend. Gibt es bald einen Euro für einen Franken? (Bild: Shutterstock.com/wolfilser)
Der Euro befindet sich gegenüber dem Franken im Abwärtstrend. Gibt es bald einen Euro für einen Franken? (Bild: Shutterstock.com/wolfilser)

Der Euro schwächelt – einmal mehr. Im März hatte er noch CHF 1.11 gekostet, aktuell sind es mit CHF 1.04 happige 6% weniger. Der Schweizerischen Nationalbank dürfte der Abwärtstrend missfallen, von einer heftigen Intervention sieht sie bisher jedoch ab. Mehr und mehr dürfte nicht mehr die Frage sein, ob, sondern wann der Euro zum Franken auf Parität sinkt.

03.12.2021, 14:28 Uhr

Redaktion: hf

Nur einmal notierte der Euro zum Franken tiefer als derzeit: Als die SNB Anfang 2015 den Mindestkurs von 1,20 CHF/EUR aufhob und die Gemeinschaftswährung auf CHF 1.02 in die Tiefe stürzte. In der Folge bäumte sich der Eurokurs bis Mitte 2016 nahe an CHF 1.20 wieder auf. Doch von wenigen Erholungsphasen abgesehen verliert er seither kontinuierlich an Wert. Mit aktuell CHF 1.04 bewegt er sich zum Franken nur wenig über Allzeittiefst.

Auf den ersten Blick erstaunt die Talfahrt des Eurokurses nicht. Teuerung und Zinsen sind langfristig wichtige Einflussgrössen für die Wechselkurse. Bei der Teurung klafft ein immer grösseres Loch zwischen der Schweiz und dem Euroraum.

Eklatanter Inflationsunterschied

Zwar ist auch hierzulande die Inflation gestiegen. Im November betrug sie im Jahresvergleich 1,5%. Doch in Deutschland beispielsweise befindet sie sich mit 5,2% im gleichen Monat geradezu im Galopp. Noch ausgeprägter ist der Preisanstieg in den USA mit über 6%. Die Flucht in Werterhalt beziehungsweise den sicheren Franken erstaunt deshalb nicht.

Anders als beim Euro verhält sich die Entwicklung beim US-Dollar, der dieses Jahr zum Franken von knapp CHF 0.90 auf zurzeit 0.92 leicht zugelegt hat. Der Grund: Die USA sind im Zinszyklus voraus. Eine erste Leitzinserhöhung ist in der ersten Jahreshälfte 2022 zu erwarten. Ohnehin haben US-Staatsanleihen anders als deutsche und schweizerische nominal nie negativ rentiert. Das hält den Kapitalzustrom in die USA aufrecht, während aus dem Euroraum Kapital abfliesst.

Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbanken gibt es schon länger. Selbst die Fed kommt nicht darum herum, auf die in der Pandemie in gigantische Höhe gestiegenen US-Budgetdefizite respektive die massive Verschuldung Rücksicht zu nehmen.

Der EZB sind die Hände gebunden

Die Europäische Zentralbank ist schon lange im Netz der europäischen Schuldenpolitik gefangen. Ein deutlicher Zinsanstieg, wie es die massiv höhere Inflation gebietet – sollte sie denn bestehen bleiben –, brächte Europas Perpherieländer in arge Schwierigkeiten. Ausbaden müssten das erneut die Kernländer, sprich Deutschland.

Somit hat auch Deutschland kein Interesse an höheren Zinsen. Das erklärt, dass am Markt mit einer ersten Leitzinsverteuerung der Europäischen Zentralbank frühestens im übernächsten Jahr, wenn nicht sogar erst 2024 gerechnet wird.

Um den Franken nicht zusätzlich zu stärken, bleibt der SNB kaum etwas anderes übrig, als dem Zuwarten der EZB zu folgen. Die Konsequenz dieser Konstellation ist ein weiter schwacher Euro und das näherrückende Szenario eines Eurokurses zum Franken von eins zu eins und womöglich darunter.

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