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Private Credit von Direct Lending bis CLO: Wie investieren institutionelle Anleger und vermögende Anleger in entsprechende Fonds?

An Private Credit führt kein Weg vorbei. Wichtig ist, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann (Bild: Adobe)
An Private Credit führt kein Weg vorbei. Wichtig ist, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen kann (Bild: Adobe)

Privatkredit ist innert eines Jahrzehnts vom Nischenprodukt zur Kernallokation institutioneller Portfolios aufgestiegen. Doch «Private Credit» ist kein einzelner Baustein, sondern ein ganzes Spektrum – von senior besicherten Firmenkrediten über Asset-based Finance bis zu strukturierten CLOs. Doch die jünsten Rücknahmen haben der Asset-Klasse geschadet. Längerfristig führt kein Weg daran vorbei.

09.06.2026, 07:17 Uhr
Asset Management | Finanzplätze

Redaktion: asc

Über Jahre war die Erzählung eindeutig: Banken ziehen sich aus dem Firmenkreditgeschäft zurück, Privatkreditfonds füllen die Lücke, institutionelle Anleger kassieren eine Illiquiditätsprämie. Die Zahlen gaben der Geschichte recht. Doch seit dem Herbst 2025 hat sich der Ton gedreht. Zwei spektakuläre Pleiten in den USA, eine Welle von Rücknahmegesuchen in semi-liquiden Vehikeln und mahnende Berichte von IMF und Financial Stability Board haben aus der Wachstumsstory einen Belastungstest gemacht.

Für Pensionskassen, Versicherer und andere professionelle Investoren stellen sich damit drei Fragen neu: Warum macht Private Credit strukturell überhaupt Sinn? Wie segmentiert sich das Universum tatsächlich – und wo stecken die wirklichen Risiken? Und wie geht man mit Rücknahmen, Liquiditätsmismatch und strukturierten Vehikeln um, ohne die Anlageklasse entweder zu überhöhen oder reflexartig zu verdammen?

1. Warum es Private Credit gibt – und warum gerade für Vorsorgeeinrichtungen

Der strukturelle Treiber ist real und kein Marketing. Strengere Eigenkapitalvorgaben – von Basel III bis zu den pendenten Verschärfungen – machen es für Banken teurer, bestimmte Firmenkredite auf der eigenen Bilanz zu halten. Das Volumen an Private-Equity-finanzierten und mittelständischen Transaktionen bleibt zugleich hoch. In diese Lücke sind Privatkreditfonds gestossen. Inzwischen partnern viele Banken sogar mit ihnen, statt mit ihnen zu konkurrieren: Die von US-Grossbanken an Privatkreditvehikel gewährten Kreditlinien sind laut Analysen der Federal Reserve in wenigen Jahren markant gestiegen.

Für die Anlegerseite bietet die Klasse drei Eigenschaften, die zum Profil langfristiger Verpflichtungen passen. Erstens senior besicherte, meist variabel verzinste Kredite mit einer Illiquiditätsprämie gegenüber liquiden Kreditmärkten. Zweitens planbare, vertraglich fixierte Zins-Cashflows mit tendenziell niedriger Korrelation zu gelisteten Anleihen und Aktien. Drittens – über die Floating-Rate-Struktur – eine gewisse Steuerbarkeit der Duration.

Genau hier liegt aber auch die Disziplinfrage. Die Illiquidität ist kein Nebeneffekt, sondern die Quelle der Prämie. Sie zahlt sich nur aus, wenn sie sauber im Asset-Liability-Management (ALM) verankert ist – als bewusst eingegangenes Illiquiditätsbudget und nicht als vermeintliche Liquiditätsreserve, die im Stressfall doch nicht abrufbar ist.

Private Credit in der ALM-Logik – Ertragsbaustein oder Zinsersatz?

  • Cashflow-Profil: Vertraglich fixierte, laufende Zinszahlungen – attraktiv für die Deckung laufender Verpflichtungen.

  • Illiquidität: Die Prämie ist die Bezahlung für aufgegebene Handelbarkeit. Sie gehört ins strategische Illiquiditätsbudget, nicht in die Liquiditätsplanung.

  • Zinssensitivität: Floating-Rate dämpft das Durationsrisiko, erhöht aber die Abhängigkeit vom Zinszyklus auf der Schuldnerseite.

  • Regulatorische Behandlung: In der Schweiz sind operativ tätige, inländische Private-Equity-Engagements seit 2022 unter BVV 2 als eigene Anlagekategorie geführt – ein Hinweis, wie Privatmärkte regulatorisch zunehmend differenziert werden.

2. Das Universum: die Bausteine von Direct Lending bis CLO

Der häufigste Denkfehler ist, Private Credit als eine Anlageklasse zu behandeln. Tatsächlich handelt es sich um ein Spektrum mit sehr unterschiedlichen Risiko-, Liquiditäts- und Cashflow-Profilen. Wer das Universum kartiert, versteht auch, warum derselbe Begriff für ein konservatives senior besichertes Portfolio und für ein hochzyklisches Distressed-Mandat herhalten muss.

1. Direct Lending (Senior / Unitranche). Das Kernsegment: direkt vergebene, nicht börsliche Kredite an mittelständische Unternehmen, meist senior besichert und variabel verzinst. Bildet das Rückgrat der meisten institutionellen Private-Credit-Allokationen.

2. Mezzanine und nachrangige Finanzierungen. Rangniedrigere Tranchen mit höherer Rendite und höherem Ausfallrisiko, oft mit Eigenkapital-ähnlichen Komponenten (Warrants, PIK-Zinsen). Satellitenfunktion.

3. Opportunistic, Distressed und Special Situations. Problemkredite, Turnaround- und Sondersituationen. Hohe potenzielle Renditen, stark zyklisch, erfordern ausgeprägte Workout-Kompetenz. Klar als opportunistische Quote, nicht als Kernbaustein.

4. Asset-based Finance und Specialty Finance. Finanzierungen gegen konkrete Vermögenswerte oder Forderungsströme – Konsumentenkredite, Leasing, Handelsfinanzierung, Royalties, Ausrüstung. Das am schnellsten wachsende Segment; gemäss Branchenprognosen verschiebt sich das Wachstum zunehmend vom klassischen Firmenkredit in diesen Bereich.

5. Real Estate Debt. Fremdkapital für Immobilienprojekte und -bestände, von senior bis mezzanine. Cashflow-orientiert, Besicherung über das Objekt.

6. Infrastructure Debt. Langfristige Finanzierung von Infrastruktur- und zunehmend Energiewende- sowie Rechenzentrumsprojekten. Lange Laufzeiten, die gut zu langfristigen Verpflichtungen passen.

7. Venture Debt. Fremdkapital für wachstumsstarke, oft noch nicht profitable Unternehmen, meist ergänzend zu Eigenkapitalrunden. Höheres Ausfallrisiko, kleineres Segment.

8. Fund Finance und NAV Lending. Kredite an Fonds selbst, besichert über deren Portfolio oder Kapitalzusagen. Wachsendes, technisch anspruchsvolles Segment – und einer der Kanäle, über die sich Hebel im System aufbauen.

9. Significant Risk Transfer (SRT). Instrumente, mit denen Banken Kreditrisiko aus dem eigenen Buch an private Investoren transferieren (auch Capital Relief Trades). Für die Bank Eigenkapitalentlastung, für den Investor ein Engagement in einem diversifizierten, oft bankgeprüften Kreditpool – mit entsprechender Strukturierungskomplexität.

10. «Traditionelle» CLOs (Broadly Syndicated Loans). Verbriefungen breit syndizierter Leveraged Loans in Tranchen von AAA bis Equity. Relativ liquider Zugang zu Leveraged-Loan-Risiko, börslich beziehungsweise over-the-counter handelbar.

11. Private-Credit-CLOs (Middle-Market-CLOs). Verbriefungen direkt vergebener Private-Credit-Kredite. Höhere Spreads als BSL-CLOs, aber weniger Historie, geringere Sekundärmarktliquidität und Buy-and-hold-Charakter. Die Brücke zwischen illiquidem Kredit und handelbarem Papier.

Das Private-Credit-Spektrum auf einen Blick

Segment Underlying Rendite / Risiko Liquidität Rolle im institutionellen Portfolio
Direct Lending (Senior/Unitranche) Nicht-börsliche Firmenkredite (Mittelstand) Mittel, meist senior besichert Sehr gering (geschlossene Fonds) Kernbaustein Illiquid Credit
Mezzanine / nachrangig Rangniedrige Firmenfinanzierungen Höher, equity-ähnliche Elemente Sehr gering Satellit, Renditeverstärker
Opportunistic / Distressed Problemkredite, Sondersituationen Hoch, stark zyklisch Sehr gering Opportunistische Quote
Asset-based / Specialty Finance Forderungen, Leasing, Konsumkredit, Royalties Breit, je nach Besicherung Gering bis mittel Diversifikation, Cashflow-orientiert
Real Estate Debt Immobilienkredite (senior bis mezzanine) Mittel bis hoch Gering Cashflow- und sachwertgestützt
Infrastructure Debt Infrastruktur, Energie, Rechenzentren Mittel, lange Laufzeiten Sehr gering Langfristiges Liability-Matching
Venture Debt Wachstumsunternehmen Hoch Sehr gering Kleine Beimischung
Fund Finance / NAV Lending Kredite an Fonds, besichert über NAV Mittel Gering Spezialsegment, Hebel-relevant
Significant Risk Transfer (SRT) Von Banken transferiertes Kreditrisiko Mittel bis hoch Gering Bankgeprüfter Kreditpool, Strukturrisiko
BSL-CLOs Broadly Syndicated Leveraged Loans Tranchen AAA bis Equity Mittel (börslich/OTC) Liquiderer Zugang zu Leveraged Loans
Private-Credit-CLOs Direkt vergebene Private-Credit-Kredite Höhere Spreads als BSL-CLOs Niedrig, Buy-and-hold Brücke illiquider Kredit ↔ handelbares Papier

3. Wie gross ist der Markt?

Wer Zahlen zu Private Credit liest, sollte zuerst die Abgrenzung prüfen – die kursierenden Werte unterscheiden sich um den Faktor zwei, ohne dass eine Quelle falsch läge.

Eng definiert – als Direct Lending – hat der Markt mittlerweile den Markt für breit syndizierte Kredite eingeholt und liegt bei rund 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar; die Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb erwartet ein Wachstum auf 3 Billionen bis 2028. Breit gefasst – inklusive nicht investierter Kapitalzusagen, Asset-based Finance, Immobilien- und Infrastrukturkredit – meldet der Alternative Credit Council, die Privatkredit-Tochter der Hedgefonds-Vereinigung AIMA, per Mai 2026 ein verwaltetes Vermögen von 3,5 Billionen US-Dollar. Andere Datenanbieter wie Preqin und Moody's bewegen sich mit Prognosen von gegen 4 bis 5 Billionen US-Dollar bis Ende des Jahrzehnts dazwischen. Der theoretisch adressierbare Markt – also alle Kreditarten, die grundsätzlich privat finanziert werden könnten – wird vom Asset Manager Wellington gar auf über 30 Billionen US-Dollar geschätzt.

Die Botschaft für die Praxis: Wachstum und Reifung sind unbestritten, aber jede Schlagzeilenzahl steht und fällt mit ihrer Definition. Für die Portfoliosteuerung zählt nicht die Gesamtgrösse des Marktes, sondern das Segment, in dem man tatsächlich investiert ist.

4. Der Stresstest 2025/2026: zwei Quellen, die man nicht verwechseln darf

Die wichtigste analytische Unterscheidung der vergangenen Monate: Der «Stress» in Private Credit hat zwei voneinander unabhängige Quellen. Wer sie zusammenwirft, zieht falsche Schlüsse.

Quelle eins – idiosynkratische Kreditausfälle. Im September 2025 kollabierten in den USA fast zeitgleich der Autoteilehersteller First Brands (mehr als 10 Milliarden US-Dollar Verbindlichkeiten) und der Subprime-Autokreditgeber Tricolor. Beide Fälle gelten als idiosynkratisch – getrieben von Betrugsvorwürfen und fragwürdigen Geschäftsmodellen, nicht von einer breiten Marktschwäche; gegen Tricolor-Manager wurde im Dezember Anklage erhoben. Der direkte Schaden traf primär einige Grossbanken und den Markt für syndizierte Kredite, weniger die Direct-Lending-Fonds. JPMorgan-Chef Jamie Dimon prägte den Satz, wenn man eine Küchenschabe sehe, gebe es wohl noch mehr – und löste damit eine breite Debatte über erodierte Kreditvergabestandards aus. Festzuhalten bleibt: Die Ausfallraten im eigentlichen Direct Lending lagen Ende 2025 weiter unter jenen des BSL-Marktes.

Quelle zwei – der Liquiditätszyklus in semi-liquiden Vehikeln. Davon zu trennen ist die eigentliche Rücknahmewelle. Sie spielt sich nicht im Kredit ab, sondern im Vehikel: in den semi-liquiden, vor allem an Privatanleger und Wealth-Kunden verkauften Wrappern (nicht börsenkotierte BDCs, Evergreen- und Intervallfonds). Im ersten Quartal 2026 überstiegen die Abflüsse aus diesen nicht kotierten BDCs erstmals seit Beginn der Erhebung die Zuflüsse. Gemäss dem Analysehaus Robert A. Stanger & Co. standen Rücknahmegesuchen von rund 13 Milliarden US-Dollar bediente Rücknahmen von knapp 7 Milliarden gegenüber; der Rest wurde anteilig gekürzt oder hinter Gates zurückgehalten.

Der prominenteste Fall war Blue Owl: Investoren wollten rund 40 Prozent der Anteile aus den technologielastigen Vehikeln und knapp 22 Prozent aus den Kreditfonds zurückgeben. Entscheidend ist der Befund dahinter – die Gesuche waren von Stimmung und Angst vor dem Software-Sektor getrieben, nicht von einer messbaren Verschlechterung der Kreditportfolios, deren ausfallgefährdete Positionen bei lediglich rund 0,6 Prozent lagen. Mehrere Anbieter, darunter Blackstone und Oaktree, hoben ihre Rücknahmegrenze von 5 auf bis zu 7 Prozent an oder schossen eigenes Kapital nach, um die Gesuche zu bedienen.

Für institutionelle Anleger ist die Lehre doppelt. Erstens: Die akute Liquiditätsnot sitzt im Retail-Wrapper, nicht zwingend im Kredit – wer über geschlossene, langfristige Strukturen investiert, ist von dieser spezifischen Dynamik weniger betroffen. Zweitens: Anhaltend hohe Rücknahmen zwingen Manager zu Verkäufen, was die Bewertungen testet. Genau hier wird sich zeigen, ob die ausgewiesenen NAV-Marken halten.

Was den heutigen Stress von 2008 unterscheidet

  • Andere Schuldnerstruktur: Im Zentrum stehen Firmenkredite an den Mittelstand, nicht verbriefte US-Hypotheken an Privathaushalte.

  • Weniger Hebel in den Bankbilanzen: Das Kreditrisiko liegt grossteils bei Fonds und deren Endinvestoren, nicht gehebelt im Bankensystem.

  • Dafür mehr Schattenbanken-Verflechtung: Der FSB beziffert die direkten Bank-an-Private-Credit-Kreditlinien per Mai 2026 auf rund 220 Milliarden US-Dollar – ein kleiner Anteil der Bankaktiven, aber nur ein Teil der wahren Verflechtung.

  • Der zentrale Vorbehalt: Die Anlageklasse ist in ihrer heutigen Grösse noch nie einem länger andauernden Wirtschaftsabschwung ausgesetzt gewesen.

5. CLOs im Fokus: Risiko-Transfer oder Risiko-Multiplikator?

Innerhalb des Universums verdienen CLOs eine eigene Einordnung – nicht, weil sie «böse» wären, sondern weil sie am stärksten missverstanden werden. Ein CLO bündelt hunderte Kredite in einer Zweckgesellschaft und verteilt die Cashflows über einen Wasserfall auf Tranchen von AAA bis zur Equity. Im Kern ist es ein aktiv verwaltetes Kreditportfolio mit definierter Verlustreihenfolge – ein Instrument für Anleger, die Kredit- und Strukturierungsrisiken eigenständig beurteilen können.

Der CLO-Markt umfasst rund 1,3 Billionen US-Dollar. Die Emission erreichte 2025 mit über 200 Milliarden US-Dollar einen Rekord. Bemerkenswert ist der Aufstieg der Private-Credit- beziehungsweise Middle-Market-CLOs: Sie machen je nach Messung inzwischen rund 20 bis 25 Prozent der Neuemission aus, gegenüber etwa 10 Prozent vor wenigen Jahren. Auch in Europa entsteht das Segment – mit ersten in Euro und in Pfund denominierten Private-Credit-CLOs.

Der Nutzen für professionelle Anleger ist real: Zugang zu diversifizierten, aktiv gemanagten Kreditportfolios mit attraktiven Spreads, bei BSL-CLOs zudem mit relativ besserer Handelbarkeit. Private-Credit-CLOs liefern obendrein einen Zugang zur direkt originierten Kreditpipeline eines Managers.

Die Fallstricke sind ebenso real. Die Struktur ist komplex und sensitiv gegenüber Ausfall- und Recovery-Raten. Die Sekundärmarktliquidität ist gerade in nachrangigen Tranchen und bei Private-Credit-CLOs dünn. Und es droht ein «Verpackungsrisiko»: Wer nur die Tranche und ihr Rating sieht, aber weder die Qualität der zugrunde liegenden Kredite noch die Governance des Managers prüft, kauft eine Black Box. Due Diligence muss bei CLOs über Rating und Kupon hinausgehen – sonst ist das Instrument kein Risikotransfer, sondern ein Risikomultiplikator.

6. Rücknahmen und Liquidität: Wie entschärfen?

Auf Produktebene (Manager-Sicht). Entscheidend ist strukturelles Liquidity Matching: Lock-ups und Rücknahmefenster, die zu den Laufzeiten der Underlyings passen, sowie klare, vorab kommunizierte Gate-Regeln. Rücknahmegrenzen sollten als bewusst gesetztes Feature verstanden werden, nicht als Notbremse. Dazu kommen ausreichende Cash-Reserven, Kreditlinien und der Einsatz von Sekundärmarktlösungen statt Notverkäufen. Auf der Governance-Seite zählen detailliertes Reporting zu Ausfällen, Covenants und Restrukturierungen sowie transparente Bewertungsmodelle und Stressszenarien.

Auf Investorenebene (institutionelle Sicht). Erstens das Illiquiditätsbudget strikt mit dem ALM abstimmen: Private Credit inklusive CLOs gehört in die langfristige, nicht in die liquide Quote. Zweitens die Vehikelwahl bewusst staffeln – geschlossene Fonds und Separately Managed Accounts für die langfristige Kernallokation, börslich handelbare oder regulierte CLO-Tranchen als relativ liquideren Satelliten, stets mit vollem Verständnis für die Markt- und Strukturierungsrisiken. Drittens über Struktur-Ebenen diversifizieren, sodass Cashflow-Profile und Liquiditätsgrade gestaffelt sind und nicht alle Positionen im selben Stressmoment gleichzeitig illiquide werden.

7. Regulierung und Systemfrage: beobachtet, aber (noch) nicht eingehegt

Die Aufsichtsbehörden haben Private Credit fest im Blick, ohne bislang hart durchzugreifen. Der IMF stuft die Verwundbarkeiten in seinem Global Financial Stability Report als bedeutend, aber noch nicht systemisch ein – und warnt vor undurchsichtigen Bewertungen, mehrfachen Hebel-Ebenen und der wachsenden Rolle semi-liquider Vehikel. Der FSB-Bericht vom Mai 2026 betont die Verflechtung zwischen Banken, Versicherern und Privatkreditfonds über Kreditlinien und Verbriefungen und mahnt, die Datenlücken zu schliessen. Im Vereinigten Königreich hat ein Bericht des Oberhauses unter dem Titel «Private markets: Unknown unknowns» im Januar 2026 die Intransparenz des Marktes thematisiert. Einzelne Stimmen aus der Branche ziehen Parallelen zur Subprime-Phase vor 2008 – eine Zuspitzung, der die Mehrheit der Analysten angesichts der anderen Schuldner- und Hebelstruktur widerspricht.

Für institutionelle Anleger ist die regulatorische Debatte weniger Bedrohung als Anlass: Sie zwingt dazu, die eigene Exponierung – direkt wie indirekt, etwa über CLO-Tranchen und Fund Finance – sauber zu kartieren und die Rolle von Private Credit in der Gesamtportfoliosteuerung intern zu schärfen.

8. Der Schweizer Blick: Zurückhaltung mit Aufholpotenzial

Schweizer Pensionskassen gehören nicht zu den Treibern des Privatkredit-Booms – im Gegenteil. Ihre Privatmarktquoten sind im internationalen Vergleich tief: Die Private-Equity-Allokation lag laut der Swisscanto-Pensionskassenstudie im Schnitt bei rund 1,7 Prozent, gegenüber 0,7 Prozent vor gut einem Jahrzehnt. Die Asset Allocation bleibt aktienlastig; nach dem starken Anlagejahr 2025 erreichten die Deckungsgrade neue Höchststände. Es gibt immer Ausnahmen, die früh auf den Zug gesprungen sind. Die meisten PKs haben jedoch in den vergangenen Jahren klar vor allem auf inländische Immobilien geschaut.

Diese Zurückhaltung gegenüber illiquiden Märkten, wie Private Credit, hat zwei Lesarten. Die eine: verpasste Diversifikation und Rendite. Die andere: Wer den Privatkredit-Zyklus erst jetzt und diszipliniert betritt, kann von gelernten Lektionen profitieren – höhere Spreads nach der Repricing-Welle, gestärkte Covenant-Disziplin und ein Markt, der seinen ersten Liquiditätstest hinter sich hat. Für die Schweizer Vorsorgelandschaft ist die Frage nach der richtigen Rolle von Private Credit damit nicht akademisch, sondern eine offene strategische Entscheidung.

Mit Partners Group ist einer der ganz Grossen auch hierzulande in dem Bereich tätig. Partners Group bietet umfassende Private-Credit-Strategien. Tatsächlich machen institutionelle Anleger (darunter Pensionskassen und Versicherungen) den absoluten Hauptteil der Kundengelder der Partners Group aus. Gleichzeitig ist es ausgerechnet die Firma, die derzeit auch unter Rücknahme-Wellen und schlechter Presse leidet.

9. Was professionelle Investoren jetzt tun können

  1. Strategisch verankern, nicht taktisch jagen. Private Credit und CLOs gehören in eine bewusste, langfristige Allokation – nicht in eine Renditejagd nach Schlagzeilen.
  2. Illiquiditätsbudget, Rücknahmeerwartung und ALM strikt aufeinander abstimmen. Die Prämie ist die Bezahlung für Illiquidität; sie darf nicht als verdeckte Liquidität verbucht werden.
  3. Managerselektion auf Governance, Workout-Kompetenz und Strukturqualität ausrichten – nicht primär auf den Kupon. Material eingebrachtes Eigenkapital des Managers und unabhängige Kreditkomitees sind Qualitätssignale.
  4. Vehikel mit klaren Liquiditätsregeln bevorzugen. Rücknahmegrenzen sind ein Feature, kein Makel – sofern sie vorab transparent sind.
  5. Die eigene Exponierung vollständig kartieren – inklusive indirekter Wege über CLO-Tranchen, Fund Finance und SRT – und die Erkenntnisse für die Gesamtportfoliosteuerung nutzen.

FAQ – Private Credit kompakt

Was ist Private Credit? Private Credit (auch Private Debt) bezeichnet Kredite, die ausserhalb der öffentlichen Anleihe- und Bankmärkte direkt von nicht-banklichen Investoren an Unternehmen oder gegen Vermögenswerte vergeben werden. Die Kredite sind in der Regel nicht börslich handelbar und werden bis zur Fälligkeit gehalten.

Was ist der Unterschied zwischen Private Credit und Private Debt? Die Begriffe werden weitgehend synonym verwendet. «Private Debt» betont eher die Anlageklasse aus Investorensicht, «Private Credit» eher die Kreditvergabe-Tätigkeit. Inhaltlich meinen beide dasselbe Universum.

Was ist Direct Lending? Direct Lending ist das Kernsegment von Private Credit: die direkte Vergabe meist senior besicherter, variabel verzinster Kredite an mittelständische Unternehmen, üblicherweise über geschlossene Fonds.

Was ist ein Private-Credit-CLO? Ein Private-Credit-CLO (auch Middle-Market-CLO) ist eine Verbriefung direkt vergebener Privatkredite in Tranchen von AAA bis Equity. Er bietet höhere Spreads als ein klassischer CLO auf breit syndizierte Kredite, ist aber weniger liquide und stärker auf Buy-and-hold ausgerichtet.

Sind Pensionskassen von der Rücknahmewelle 2025/2026 betroffen? Die akute Rücknahmedynamik konzentriert sich auf semi-liquide, vor allem an Privatanleger verkaufte Vehikel. Institutionelle Anleger, die über geschlossene, langfristige Strukturen investieren, sind von dieser spezifischen Liquiditätsdynamik weniger direkt betroffen – tragen aber das zugrunde liegende Kreditrisiko unverändert mit.

Wie gross ist der Private-Credit-Markt? Je nach Definition: eng (Direct Lending) rund 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar, breit gefasst (inklusive Asset-based Finance, Immobilien, Infrastruktur und nicht investierter Zusagen) per Mai 2026 rund 3,5 Billionen US-Dollar.

Nicole Fenner, Investment Specialist Active Multi Asset Investments, UBS Asset Management

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