22.05.2026, 06:49 Uhr
Der indirekte Immobilienmarkt erlebt 2026 eine Emissionsdichte ohnegleichen. Fonds um Fonds zapfen die Börse an – getrieben von Rekord-Agios und der Nullzinspolitik der SNB. Doch genau diese Welle wirft die Frage...
Am 10. und 11. Juni verwandelt sich die Messe Zürich erneut zum «Klassentreffen» der Schweizer 2. Säule. Im Gespräch erläutert Kaspar Hohler als Veranstalter, warum das diesjährige Vorsorge-Symposium das Leitthema «menschliche und künstliche Intelligenz» ins Zentrum rückt – und weshalb die berufliche Vorsorge geradezu prädestiniert ist für das Zusammenspiel von Mensch und Maschine.
Herr Hohler, das Vorsorge-Symposium und die gleichzeitig stattfindende Fachmesse 2. Säule hat sich über die Jahre zum eigentlichen Klassentreffen der Schweizer 2. Säule entwickelt. Was macht für Sie den besonderen Charakter dieses Anlasses aus – und was erwartet die Teilnehmenden am 10. und 11. Juni in der Messe Zürich?
Die Kombination aus einer zweitägigen, qualitativ hochstehenden Weiterbildungskonferenz und einer Fachmesse mit über 100 Ausstellern ist einmalig. Besucherinnen und Besucher können sich fachlich à jour bringen und finden zudem zu allen Themenfeldern, die die 2. Säule beschäftigen – sei es IT, technische-Expertise oder Sozialpolitik seien es Kapitalanlagen oder demografische Entwicklungen – kompetente Ansprechpartner. Dazu kommt der Klassentreffen-Charakter: Es ist die Gelegenheit, alte Bekannte zu treffen, da quasi die gesamte Pensionskassenwelt vor Ort ist.
Mit «menschlicher und künstlicher Intelligenz» haben Sie ein Leitthema gewählt, das sich quer durch beide Tage zieht. Warum genau dieses Thema – und warum gerade jetzt der richtige Moment für die Branche, sich vertieft damit auseinanderzusetzen?
Künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt uns in allen Dimensionen, sei es in der Unternehmenswelt, sei es ganz direkt im eigenen Leben. Die Pensionskassenwelt bewegt sich eher langsam. Dies gibt auch die Gelegenheit, sich nicht von der Geschwindigkeit der Entwicklung von KI überrollen zu lassen, sondern sorgfältig abzuwägen, wie sich die neuen Möglichkeiten sinnvoll mit menschlichen Kapazitäten und Entscheidungen kombinieren lassen. Die berufliche Vorsorge ist geradezu prädestiniert für ein solches Zusammenspiel: komplexe Materie, viele Daten und Wahrscheinlichkeiten, beschränkte Ressourcen und anspruchsvolle, weitreichende Entscheide.
Mit Joe Ackermann konnten Sie für den Donnerstagmorgen einen Gast gewinnen, der wie kaum ein anderer für die internationale Sicht auf Finanzmärkte und Weltpolitik steht. Wie kam diese Begegnung zustande, und worauf darf sich das Publikum besonders freuen?
Wie so oft führten persönliche Beziehungen zum Kontakt, und das hat sich auch in der digitalisierten Welt nicht geändert. Ich schlug Ackermann vor, über das Wirken von KI und die entsprechende Disruption in der Finanzindustrie zu sprechen. Er fand es spannender, über Politik und Wirtschaft zu reden – ich auch. Ackermann hat insbesondere auch das Zusammenspiel von Wirtschaft und Politik aus nächster Nähe miterlebt und, etwa während der Eurokrise, mitgeprägt. Diese Erfahrung ist heute wertvoller denn je.
KI-Expertin Alexandra Stark eröffnet den ersten Tag mit ihrem Referat «Was Mensch und Maschine können». Was dürfen die Teilnehmenden von diesem Einstieg erwarten – und warum lohnt es sich, früh anzureisen?
Alexandra Stark ist die richtige Person, um den Anlass zu eröffnen und mit den Menschen ins Thema künstliche und menschliche Intelligenz zu starten: Sie ist blitzgescheit und hat selber im Medienbereich den ganzen Weg von klassischer Journalistenarbeit zur KI-Spezialistin zurückgelegt. Wer später kommt, verpasst etwas.
Veronica Weisser von UBS geht der provokanten Frage nach, wie eine KI das Schweizer Vorsorgesystem beurteilt. Ein Programmpunkt, der besonders neugierig macht. Können Sie schon etwas verraten, worauf sich das Publikum freuen darf?
Eine Chance, die uns KI gibt, ist der Blick von aussen auf die eigenen Themen. Veronica Weisser nutzt diese Möglichkeit fürs Schweizer Vorsorgesystem. Wie immer bei KI ist weniger die Analyse selber interessant, sondern deren Einordnung durch einen kompetenten Menschen – und Weisser ist eine der versiertesten Kennerinnen des Schweizer Vorsorgesystems.
Der Anlagenachmittag am Mittwoch deckt mit Fixed Income, Private Debt, Schwellenländeranleihen und illiquiden Anlagen ein ausserordentlich breites Spektrum ab. Welche Programmelemente empfehlen Sie den Besuchern besonders?
Ein Highlight, welches ich allen empfehlen kann, ist der Einstieg in den Anlagenachmittag mit Thorsten Hens, der wichtige Grunderkenntnisse der Wissenschaft zu KI im Anlagebereich zeigt – und abgesehen davon ein hervorragender Speaker ist. Die weiteren Referate des Anlagenachmittags konkretisieren diese Einschätzungen. Die Erfahrung anderer Pensionskassen ist immer von besonderem Interesse; entsprechend ist der Praxisbericht der comPlan sicher besonders wertvoll. Die Arena-Diskussion zum Einsatz von KI im Risikomanagement von Pensionskassen adressiert ein zentrales Thema insbesondere für Stiftungsräte. Die Anlagepanels zu Fixed Income und illiquiden Anlagen geben die Gelegenheit, das Wissen in diesen für Pensionskassen zentralen Anlagethemen zu vertiefen.
Krypto-Assets in Pensionskassen-Portfolios – mit diesem Themenfenster betreten Sie am Donnerstag durchaus Neuland. Was hat Sie dazu bewogen, dem Thema diese Bühne zu geben, und welche Perspektiven kommen mit Daniel Fischmann, Christoph Gort und Ernesto Turnes zusammen?
Auch im Anlagebereich gilt: Pensionskassen bewegen sich langsam. Es ist auch sinnvoll, dass sie mit ihrer langfristigen Perspektive nicht auf jeden Investmenttrend aufspringen. Neue Möglichkeiten müssen aber verstanden werden, bevor man sich dafür oder dagegen entscheidet. Genau dieser Verständnisbildung dient das Themenfenster zu Kryptos: Wie funktionieren diese Assets und wie sind sie vor dem Hintergrund klassischer Pensionskassenportfolios einzuschätzen? Im Panel bringen wir mit den drei Herren das Know-how eines Anbieters, unabhängige Expertise und konkrete Pensionskassenerfahrung zusammen.
Themen wie Sammeleinrichtungen, Leistungsniveau, Wahlmöglichkeiten und Fachkräftemangel stehen am Donnerstag im Fokus. Welche konkreten Erkenntnisse können Teilnehmende aus diesen Panels mit in ihren Berufsalltag nehmen?
Welchen Spielraum haben die einzelnen Sammeleinrichtungen für ihren Verzinsungsentscheid? Wie können wir die richtigen Mitarbeitenden für unsere Pensionskasse im heutigen Arbeitsmarkt finden? Und welche Reformen kommen im politischen Bereich auf die 2. Säule zu? Zu diesen Fragen wissen Sie nach dem zweiten Tag des Vorsorge-Symposiums mehr.
Das Format «Heisser Stuhl» wurde letztes Jahr neu eingeführt. Was macht dieses Format aus Ihrer Sicht wertvoll?
Es gibt die Gelegenheit, wichtige Akteure der 2. Säule persönlicher zu erleben – in einer 1:1-Diskussion zu Ihren Positionen und Dingen, die Ihnen wichtig sind.
Rund 130 Aussteller präsentieren sich an der Fachmesse 2. Säule.
Für wen lohnt sich der Besuch ganz besonders – Stiftungsräte, Geschäftsführungen, Anlageverantwortliche, Mitarbeitende in der Administration?
Für alle. Müsste ich eine Gruppe besonders hervorheben, so sind es die Stiftungsräte: Als Milizpersonen haben sie sehr wenig Zeit, um sich in den – notabene enorm komplexen – Themen der beruflichen Vorsorge fit zu halten. Ihnen bieten Symposium und Fachmesse die Gelegenheit, in zwei Tagen eine konzentrierte Weiterbildung zu erhalten und direkt mit Fachpersonen aus allen Themenfeldern zu diskutieren. Zudem bietet sich auch die seltene Möglichkeit, mit Stiftungsräten aus anderen Pensionskassen ins Gespräch zu kommen. Diese einmalige Kombination aus Weiterbildung, Fachexpertise und Erfahrungsaustausch macht die Chance und den Erfolg der Fachmesse 2. Säule aus.